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Networking Was bringen Business-Netzwerke wirklich?

Wenn es um Netzwerke geht, denken viele an Xing oder LinkedIn. Doch auch in der analogen Welt gibt es Netzwerke und Clubs für Manager und Fachkräfte. Was diese mitunter elitären Zirkel für die Karriere bringen.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Was bringen Business-Netzwerke wirklich?

Foto: Tom Kuest/Fotolia.com

Ohne Vitamin B geht in vielen Bereichen gar nichts – schon gar nicht, wenn es die große Karriere statt dem Nine-to-five-Job sein soll. Und das gilt nicht erst, seitdem es digitale Karrierenetzwerke wie Xing oder LinkedIn gibt. Theodor Heuss soll einmal gesagt haben, dass in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn das Wort "Zufall mit CV geschrieben" werde. CV steht für den Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen. Entsprechend raten Berufsberater, Dozenten und Karrierecoaches ihren Schützlingen rund um den Globus dazu, sich rechtzeitig ein strategisches Netzwerk aufzubauen, von dessen Teilnehmern sie beruflich profitieren können. Und damit ist nicht unbedingt ein großer Facebook-Freundeskreis oder eine lange Liste von Xing-Kontakten gemeint. Denn die wirklich relevanten Tipps und Geschäftspartner kommen nicht per Newsletter ins Haus.

Persönlicher Nutzen durch Business-Netzwerke

Persönliche Kontakte sind Trumpf – zum Beispiel durch das Business-Netzwerk Young Presidents Organisation, kurz YPO. "Durch YPO habe ich den Gründer und Geschäftsführer von Cuipo in Kalifornien kennen gelernt, mit dem ich nun zusammenarbeite", sagt Ivan Herjavec, CEO der Dream Universe GmbH, einem Groß- und Einzelhändler von Kleidung, Lederwaren, Accessoires, Sport- und Lifestyleprodukten. Seit 2007 ist er ein Teil des Business-Netzwerks. YPO ist eines der größten globalen Netzwerke von Entscheidern, in dem mehr als 23.000 Geschäftsführer und Top-Manager in über 125 Ländern miteinander vernetzt sind. In Deutschland hat YPO vier Verbände – YPO Berlin, YPO München, YPO Rhein und YPO Deutschland.

"Ohne YPO hätte ich nicht die Menschen getroffen, die ich getroffen habe und hätte nie das Cuipo-EMEA-Projekt gestartet", sagt Herjavec. Cuipo ist eine Marke, die sich dem Schutz des Regenwaldes in Panama und Brasilien verpflichtet hat. Das Unternehmen kauft dort Land auf, um es vor Rodung und der allgemeinen Ausbeutung zu bewahren. Finanziert wird das über den Verkauf verschiedener Produkte vom T-Shirt bis zur Sonnenbrille. "Jedes verkaufte Produkt schützt ein Stück Regenwald", erklärt Herjavec. "Dabei geht es nicht ums Geschäfte machen, sondern darum, etwas Gutes und Nachhaltiges zu tun." Er mache natürlich auch Geschäfte mit anderen Mitgliedern des Netzwerkes, aber das sei nicht der Grund, ein Teil von YPO zu sein. "Zuallererst geht es um meine persönliche Entwicklung."

Austausch mit Gleichgesinnten

Ähnlich schätzt der Soziologe Sebastian Gradinger von der Universität Trier die Funktion von analogen Karrierenetzwerken und Service Clubs wie den Rotariern ein. Für seine Dissertation "Service Clubs – zur Institutionalisierung von Solidarität und Sozialkapital" befragte er mehrere Mitglieder der Rotarier, welche Funktion ihrer Meinung nach das soziale Netzwerk in den Service Clubs erfüllt und ob sie das Netzwerk privat und beruflich nutzen. "Einen persönlichen Nutzen sahen viele im `Freundschaftsprinzip´", heißt es in der Arbeit.

So zitiert er einen Rotarier mit den Worten: "Man trifft sehr schnell auf Gleichgesinnte und ist ohne große Probleme auf einer Basis mit diesen Leuten, die einem bis dato sonst vollkommen fremd waren, und hat dort Möglichkeiten, die andere nicht haben." Schließlich handele es sich um ein geschlossenes Netzwerk, zu welchem nicht jeder Zutritt habe.

Vorteile für Mitglieder

So sagt auch Geschäftsführer Herjavec, dass seine Familie enorm davon profitiere, Familien rund um den Globus zu treffen, die denselben Lifestyle, denselben Hintergrund und dieselben Interessen haben. Man tausche sich beispielsweise über Sommercamps für die Kinder oder geeignete Universitäten aus. Schon das zeigt: Solche analogen Netzwerke sind ganz anders als Xing und Co. nicht für jeden gedacht: Ohne Empfehlung eines anderen Mitgliedes kann man bei YPO nicht aufgenommen werden. Wer nicht CEO, Vorsitzender, Aufsichtsratsvorsitzender, Geschäftsführer oder geschäftsführender Gesellschafter eines Unternehmens mit mindestens 50 Mitarbeitern ist, bleibt trotz Empfehlung außen vor.

Auch was den Umsatz des Unternehmens angeht, gibt es Aufnahmekriterien. "Das Netzwerk macht dann Sinn, wenn man eine unternehmensweite Führungsaufgabe mit einer gewissen Verantwortung hat", fasst Carlo Bewersdorf, Director & Head of Global Digital Business beim Versicherer Allianz, zusammen. Er ist ebenfalls seit einigen Jahren Teil des YPO-Netzwerkes. Auch er schätzt es sehr: "Wenn ich beispielsweise nach China fahre, informiere ich mich vorher, welche Mitglieder vor Ort Ansprechpartner für Geschäftliches sein können, aber auch, mit wem man abends ein Bier trinken gehen kann", sagt er. Sowohl Bewersdorf als auch Herjavec betonen, dass der größte Nutzen des Netzwerkes der offene Austausch zwischen den Mitgliedern sei – offenes Feedback, ehrliche Kritik und Handlungsanstöße, die man im eigenen Unternehmen eher selten bis gar nicht zu hören bekomme.

Geschäftliche Gefallen  

Auch einer der Befragten des Soziologen Gradinger sagt, dass heterogene Netzwerke vor allem der persönlichen Horizonterweiterung dienen. Hinzu kommt eine für die Mitglieder selbstverständliche Form der Kungelei: So sagte einer der Befragten, dass er, falls er einen Fachmann benötige, sich zuerst in seinem Club umschaue. "Da gehe ich doch vorzugsweise zu einem Rechtsanwalt aus meinem Club oder aus dem Nachbarclub." Denn die Mitglieder solcher Netzwerke – seien es nun Rotarier, Lions, Milliardäre oder Top-Manager – bekommen zusätzlich zur Mitgliedschaft auch einen Vertrauensvorschuss, wie der französische Soziologe und Sozialphilosoph Pierre Félix Bourdieu in seinen Abhandlungen über das soziale Kapital beschreibt. Im Gegensatz zum Humankapital bezieht sich das soziale Kapital nicht auf natürliche Personen an sich, sondern auf die Beziehungen zwischen ihnen. Und da spielt Vertrauen eine große Rolle.

Bei sozialen Netzwerken wie den Lions, die sich ausschließlich dem guten Zweck verschrieben haben, werden Mitglieder allerdings sanktioniert, wenn sie ihre Kontakte für ihr berufliches Vorankommen nutzen.

Bei anderen Netzwerken steht der soziale Gedanke weniger im Vordergrund. Bei Affluence beispielsweise geht es um Vermögen und Einfluss der Mitglieder. Wer ein paar Millionen schwer ist, kann dort seine Freundschaften und Geschäftskontakte verwalten und Gleichgesinnte kennen lernen. Beim britischen Netzwerk Family bhive kann teilhaben, wer mindestens fünf Millionen britische Pfund schwer ist.

Millionäre unter sich

Für solche Millionärsnetzwerke wie auch für Netzwerke wie YPO gilt laut Gradinger: Man ist nicht dabei, um Karriere zu machen, sondern weil man Karriere gemacht hat. So wirbt auch YPO damit, die prominentesten Wirtschaftsbosse der Welt zu unterstützen, indem man ihnen einen Raum gibt, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Bewersdorf erzählt von Vorträgen und Seminaren, die von anderen Mitgliedern gehalten werden und schwärmt von einer inspirierenden Tagung mit Bill Clinton und Tony Blair als Gastredner. "Von diesem gegenseitigen Coaching profitiere ich sehr stark", sagt er.

Andere Netzwerke legen den Fokus dagegen deutlich mehr auf die Umsatzsteigerung durch Networking denn auf persönliches Wachstum der Mitglieder. So heißt es beim Business Network International (BNI), in dem 175.842 Unternehmen vernetzt sind, dass es das erklärte Ziel des Netzwerkes sei, "mehr Umsatz durch neue Kontakte und Geschäftsempfehlungen" zu generieren. Bei BNI schließen sich Unternehmer in Teams zusammen, wobei jedes dieser Teams aus etwa 20 bis 60 Vertretern unterschiedlicher Fachgebiete besteht – vom Architekten über den Rechtsanwalt, den Dachdecker und den Fotografen bis zum IT-Fachmann. Auch kleine und mittelständische Unternehmen werden hier angesprochen.

Garantierte Geschäftsempfehlungen

Wichtigste Säule der Unternehmerteams seien verbindliche wöchentliche Treffen. "Im Mittelpunkt stehen dabei Kurzpräsentationen der Mitglieder, Beziehungsaufbau und die Weitergabe von Geschäftsempfehlungen, die zu Umsatz führen", heißt es beim BNI. Denn wir Menschen hören auf die Empfehlungen unserer Freunde und Geschäftspartner. Ist der Bruder mit einem Produkt zufrieden, kaufen wir es auch, empfiehlt der Lieferant eine bestimmte Versicherung, fruchtet das eher als eine teure Werbekampagne. Laut dem Marktforschungsinstitut AC Nielsen treffen 96 Prozent der Konsumenten Kaufentscheidungen aufgrund persönlicher Weiterempfehlungen.

Entsprechend zahlt es sich für die BNI-Mitglieder aus, sich einmal pro Woche über empfehlenswerte Geschäftspartner auszutauschen: Wer liefert günstige Rohstoffe, wer verarbeitet am schnellsten und wer liefert am billigsten aus?

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres haben klein- und mittelständische Unternehmer, die Teil des BNI sind, 137.000 Empfehlungen ausgesprochen, was den Betrieben im BNI-Netzwerk einen Mehrumsatz von 190,5 Millionen Euro Umsatz beschert hat.

"Unser Netzwerk bietet Unternehmen die ideale Chance, ihren Vertrieb und ihr Marketing mit einfachsten Mitteln zu stärken. Die Basis dafür sind wöchentlich stattfindende Frühstückstreffen, bei denen Unternehmer ihre Wünsche und Anliegen exakt formulieren können und das gesamte Netzwerk nach Lösungen sucht, auf Basis von Empfehlungen", erklärt Michael Mayer, Nationaldirektor von BNI für Deutschland und Österreich.

Der Netzwerk-Aufbau kostet Zeit

Da es in Deutschland keine Berufsgruppe, kein Hobby und keine Einkommensklasse gibt, für die es keinen eigenen Verband oder zumindest eine Interessengruppe gibt, sollte es eigentlich niemandem schwer fallen, das passende Netzwerk zu finden. Vom Ambassadors Club, Rotariern, Lions und Förderkreisen über Ingenieursnetzwerke, die Baden-Badener Unternehmergespräche, die Business and Professional Women Germany bis zum Bundesverband Deutscher Kunstversteigerer, dem Business Breakfast Club oder der Entrepreneurs’ Organization gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Menschen zu treffen, die den eigenen Horizont erweitern oder den Umsatz pushen können.

Das einzige Problem: Der Aufbau eines Netzwerkes und die Kontaktpflege in der analogen Welt kosten deutlich mehr Zeit und Aufwand als die Pflege eines Xing-Profils. Natürlich sei es immer eine persönliche Entscheidung, wie viel Zeit man investiere, sagt YPOler Herjavec. Aber von nichts kommt eben nichts. Oder, wie Bewersdorf sagt: "Grundsätzlich bekommt man so viel zurück, wie man investiert."

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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