Das Erfolgsportal von
Handelsblatt & WirtschaftsWoche
Alles, was erfolgreich macht.

Nebentätigkeit Jobben neben dem Studium

Zwei Drittel aller Studierenden müssen nebenbei arbeiten und nehmen dabei viel in Kauf. Wer es sich leisten kann, sollte nicht nur ans Geld denken. Der richtige Nebenjob kann wichtige Weichen stellen.

Katja Wilke | , aktualisiert

Wenn eine lebensgroße Comicfigur durch die Fußgängerzone läuft und Reklamezettel verteilt, lehrt die Erfahrung, dass es sich bei der Figur unter der Figur um einen Studenten handelt. Um einen gedemütigten, in vielen Fällen. Bei der Abwägung zwischen Würde und Verdienst zieht erstere unter Studierenden zuweilen den Kürzeren.

Ein Studium verschlingt im Schnitt 102.000 Mark ­im Westen. Im Osten ist man nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln schon mit durchschnittlich 74.900 Mark dabei.

Das Psychologiestudium, das die 27-jährige Frauke Hoth im Juli mit Diplom abschloss, dürfte laut Statistik ungefähr 116.100 Mark gekostet haben. Finanziert haben das ihre Eltern mit monatlich 800 Mark und ihr Job in einer Unternehmensberatung ­ den sie allerdings erst zu Beginn des Hauptstudiums ergatterte.

Davor hatte Frauke Hoth andere Jobs ­ und musste auch zwischen "Würde" und Geld wählen. Als Hostess jobbte sie im Service beim Musical Cats in Hamburg ­ bis eine einheitliche Arbeitskleidung eingeführt wurde. Hoth kündigte noch am gleichen Tag. "Da sah man aus wie ein Zirkusdirektor. Darauf hatte ich überhaupt keinen Bock."

So viel Entscheidungsfreiheit haben nicht alle. Lediglich ein Viertel der Bafög-Bezieher unter den Studenten bekommt den monatlichen Höchstsatz von 1.030 Mark. Wer keine Geldquelle hat oder mehr Geld ausgeben will, muss nebenbei arbeiten ­ und das sind nach Angaben des Deutschen Studentenwerks immerhin zwei Drittel aller Studenten.
Sinnlose Aushilfe aufgeben

Auch Frauke Hoth musste wieder jobben, nachdem sich ihre Ersparnisse dem Ende zuneigten. Im Büro einer Schiffsgenossenschaft hat sie getippt, für den NDR Promotion gemacht. Zu Beginn des Hauptstudiums hängte sie ihre Aushilfsjobs an den Nagel. "Ich hatte es satt, sinnlose Dinge zu tun", sagt sie.

Auslöser für die Entscheidung war ein dreimonatiges Praktikum während des Hauptstudiums bei der Hamburger Unternehmensberatung Trivalent. "Die Fallbearbeitungen in der Uni waren Trockenübungen. Ein konkretes Projekt ist ein ganz anderer Schnack", meint Hoth, deren Studienschwerpunkt "Personaltraining und Beratung" war.

Lieber mit Nutzwert

Für das auf Change-Management und Personalentwicklung spezialisierte Unternehmen recherchierte sie zum Thema Entlassungsgespräche. Wie sind sie richtig zu führen, wie begleitet man den Entlassenen danach? Die Antworten auf solche Fragen können nur Leute geben, die wissen, wie die menschliche Seele gestrickt ist, glaubt Hoth. Zum ersten Mal kam das Gefühl auf, dass Arbeit keine Zeitverschwendung ist.

Das Problem vieler Studenten: Ihre Jobs haben nur selten etwas mit dem Studium zu tun. 70 Prozent der jobbenden Studierenden sehen dem Deutschen Studentenwerk zufolge keinen, 19 Prozent einen geringen Zusammenhang zwischen Job und Studium. 44 Prozent gehen dabei Aushilfstätigkeiten nach.

Rund ein Viertel jobbt im erlernten Beruf oder macht unentgeltliche Praktika. 43 Prozent der jobbenden Studenten arbeiten, um praktische Erfahrungen zu sammeln, die im späteren Beruf von Nutzen sind, 30 Prozent, um Kontakte "für eine mögliche spätere Beschäftigung" zu knüpfen.

Frauke Hoth hatte Glück: "Kurz vor dem Ende meines Praktikums bekam Trivalent einen großen Auftrag ­ und ich das Angebot, als Aushilfskraft zu bleiben." Zwei Jahre lang saß sie zwei Mal wöchentlich als Schnittstelle zwischen den Beratern von Trivalent und dem neu gewonnenen Kunden im Unternehmen in Hamburg. Ein stressiger Job sei das gewesen, sagt Hoth, aber dafür mit satten 28 Mark Stundenlohn gut bezahlt.

Eine feste Anstellung schien aus dem Aushilfsjob zunächst nicht zu werden, denn "die brauchten zu der Zeit einfach niemanden". Doch nach und nach kamen immer mehr Aufträge ­ und ihre Chefin fragte sie schließlich schon Monate vor ihrem Abschluss im Juli 2000, ob sie bleiben wolle. Sie wollte.

Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die neuesten Karriere-Themen informieren? Sie erhalten 1 bis 2 Meldungen pro Woche.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.karriere.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Ab sofort bleiben Sie bei den aktuellsten Karriere-Themen auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 2 Meldungen pro Woche.
Lade Seite...