Nachhaltige Unternehmensführung Charakterstärke ist der Schlüssel

Die Welt dreht sich schneller – der Druck auf den Einzelnen und auf ganze Industrien steigt. Nur, wenn ein CEO über die Quartalszahlen hinaus denkt, ist der Erfolg eines Unternehmens sicher. Solche Leute sind selten.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Charakterstärke ist der Schlüssel

CEO 1

Foto: vectorfusionart / Fotolia.com

Fünf Jahre, sieben Jahre, vielleicht zehn Jahre. Das waren früher die Zeiträume, mit den Unternehmen planten. Damit ist es vorbei. Heute müssen sie sich ständig verändern, sollen sich dauernd überprüfen, ihr Geschäftsmodell so schnell ändern, wie technische Neuerungen in der Start-up-Szene entstehen. Das setzt auch etablierte Unternehmen und Global Player unter Druck. Ozeandampfer versuchen, wendige Schnellboote zu sein.

Das setzt die CEOs dieser Tanker unter großen Druck. Hinzu kommt, dass die Mehrheit dieser schwerfälligen Kolosse börsennotiert ist, weshalb nicht nur das Unternehmen ständiger Veränderung unterworfen sein, sondern auch die Interessen von Aktionären befriedigt werden wollen.

"Die Orientierung am Shareholder Value ist kein amerikanisches Phänomen, das gibt es auch in Deutschland seit geraumer Zeit", sagt Thomas Tomkos, verantwortlicher Managing Director für das Deutschlandgeschäft bei der Personalberatung Russell Reynolds. Diese hat Ziele, Strategien und Performance von 900 CEOs analysiert und in der Studie "Creating Sustained Value: Finding and Supporting Long-Term CEOs" zusammengefasst. Das Ergebnis: Dieser Quartalskapitalismus zahlt sich nicht aus. CEOs, die unabhängig von kurzfristigen Zahlen an ihrer langfristigen Idee festhalten, haben eine um 60 Prozent höhere Performance als der Durchschnitt.

CEOs müssen großem Druck standhalten, um nachhaltig wirtschaften zu können

Um nachhaltig zu wirtschaften, brauche es vor allem eines: Charakterstärke. "Man muss sich bewusst machen, unter welchem Druck ein CEO steht, der negative Ergebnisse verkünden muss. Wenn er das zwei oder drei Quartale in Folge tut, ist er im vierten Quartal vielleicht nicht mehr da", sagt Tomkos. Das weiß auch der jeweilige Konzernchef.

Sind dann auch noch die eigenen Bezüge an das Unternehmensergebnis gekoppelt, steigt die Versuchung, von Quartal zu Quartal zu agieren, wie Tomkos sagt. Die Folge sind CEOs, die "bisweilen kurz vor der Vorstellung der Zahlen überlegen, welche Information die Kurse nochmal aktiv treibt oder die Deals abschließen, die kurzfristig attraktiv wirken, aber langfristig eher weniger nachhaltig sind."

Die Charakterfestigkeit, um dem widerstehen zu können, muss erst wachsen, wie die Daten von Russel Reynolds zeigen. Demnach hat der durchschnittliche Long-Term CEO internationale Erfahrung, hatte schon mehreren Führungspositionen inne und ist im Schnitt elf Jahre lang Chef. Außerdem sei Mut eine extrem wichtige Tugend von CEOs, wie Tomkos sagt. "Mut, Pragmatismus, Entscheidungsfreude und die Bereitschaft, getroffene Entscheidungen auch zu revidieren."

Die gute Nachricht: Es gibt solche "Long-Term CEOs", die unbeirrt langfristige Ziele ansteuern. Auch wenn sie eher selten sind. Von mehr als 900 CEOs, deren Profile Russell Reynolds untersucht hat, hatten nur 14 den nötigen Weitblick. Das sind weniger als zwei Prozent. Neun davon arbeiten für amerikanische Unternehmen. Zu ihnen zählen etwa Persönlichkeiten wie Jeff Bezos, Gründer und Präsident von Amazon, oder auch Indra Nooyi, CEO von PepsiCo. Nur zwei der langfristig agierenden Unternehmenslenker arbeiten in Europa.

Und wie ist es um die deutschen Unternehmen bestellt? Hier ist die Zahl der Familienunternehmen vergleichsweise hoch und die haben das Thema Nachhaltigkeit zumeist in ihrer DNA verankert, wie Tomkos sagt. "Selbst wenn der Geschäftsführer eines Familienunternehmens kein Mitglied der Familie ist, nimmt diese bei wichtigen Entscheidungen über Aufsichts- und Beiräte Einfluss", so Tomkos. Familienunternehmen sind aber nicht nur besonders nachhaltig, sie sind außerdem Deutschlands Jobmotor Nummer eins, wie eine Untersuchung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutschen Bank zeigt.

Es lohnt sich also auch für die großen Konzerne, den Familienunternehmen nachzueifern. Das hat auch Didier Cossin, Professor für Finance and Governance an der Schweizer Business School IMD, bereits festgestellt.

Nachhaltig wirtschaftende Unternehmen zeichnen sich seiner Erfahrung nach dadurch aus, dass sie: 

  • eine höhere Produktivität beziehungsweise Profitabilität aufweisen
  • die CEOs eine Führungsmentalität haben, die konservative Werten und Innovationsfreude vereint
  • ein fünfmal höheres Budget für Forschung und Entwicklung haben, als andere
  • eine ganz andere Sprache verwenden


Und in der Regel seien nachhaltig geführte Unternehmen wie Henkel, Hilti oder Hipp profitabler als die, die nur auf den schnellen Gewinn aus seien. Und das nicht nur lang- sondern sogar kurzfristig.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

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