Momentaufnahme Bachelor-Job, wo bist du?

Eine neue Untersuchung zeigt: Es gibt so gut wie keine Stellenangebote nur für Bachelor-Absolventen – selbst bei den Unternehmen, die sie einst mit einer Initiative besonders willkommen hießen. Warum auch? – fragt die Wirtschaft.

Stefani Hergert | , aktualisiert

Die Zahlen sind ernüchternd: Von 1023 Stellen-Angeboten mit Stichwort „Bachelor“ sind gerade einmal sechs Prozent, also 63, Direkteinstiege für Bachelorabsolventen ohne Berufserfahrung. Ein Team des Instituts für Managementkompetenz an der Universität des Saarlandes hat dies an einem Tag im Juli in einer der großen Internetjobbörsen gezählt.

Für Berufseinsteiger malt auch die Studie „Chancen für Bachelor: Eine Momentaufnahme“ kein rosiges Bild. Die Frage, die viele der jungen Maschinenbauer, Biologen oder Germanisten umtreibt: Wer nimmt mich denn nach sechs Semestern Studium? Der Verdacht hält sich, dass viele Firmen bis heute nicht wissen, wo sie Bachelorabsolventen einsetzen sollen. Viele – so heißt es immer wieder, ohne dass es belastbare Zahlen gibt - setzen auf den Masterabschluss. 

Doch schon 2004 hatten namhafte deutsche Unternehmen erklärt: „Bachelor welcome“. Sie wollten explizit Stellen für diese Absolventen bieten, darunter Schwergewichte wie der Versicherer Allianz, der Chemiekonzern BASF, der Autobauer BMW, die Hypovereinsbank oder die Deutsche Telekom. „Gerade Unternehmen der Bachelor-Welcome-Initiative haben eine besondere Verantwortung übernommen, der sie jetzt nachweisbar und nachhaltig gerecht werden müssen“, sagt Christian Scholz, Direktor des Instituts für Managementkompetenz an der Universität des Saarlandes und Autor der Studie.

Doch laut der haben sich auch diese Unternehmen nicht richtig auf die neuen Abschlüsse eingestellt. Scholz‘ Team hat die Internetseiten der 15 Erstunterzeichner analysiert nach offenen Stellen, Traineeprogrammen und Praktika.

Das Ergebnis: „Soweit erkennbar gab es zum Untersuchungszeitpunkt kein einziges Angebot ausschließlich für Bachelor.“ Von den 743 Angeboten, die sich an Bachelor-Absolventen ohne Berufserfahrung richten, waren 86 Prozent Praktika, neun Prozent Trainees und nur fünf Prozent  Direkteinstiege. Bei diesen 39 Direkteinstiegen, so heißt es weiter, konkurrierten Bachelor aber mit Master- und mit Diplomabschlüssen. Es ist eine immer wieder vorgebrachte, aber noch nicht belegte Hypothese, dass sie dann wohl oft den Kürzeren ziehen.

"Denkanstoß"

Das Fazit der Untersuchung: „Der unmittelbare Karrierestart als Bachelor bleibt ebenso ein Traum, wie das Versprechen der Unternehmen unerfüllt bleibt, einen gezielten Direkteinstieg als Willkommensgeschenk für Bachelor anzubieten.“

Das Team der Universität betont, dass ihre Untersuchung keineswegs den Anspruch der Repräsentativität erhebt, sondern lediglich ein „Denkanstoß“ sein soll. Für viele Unternehmen ist sie nicht einmal das. Denn die erheben Einwände.

„Man kann doch nicht sagen, ein Unternehmen soll Jobs nur für Bachelor-Absolventen anbieten“, heißt es aus einem der von karriere.de befragten Unternehmen. Der Tenor der Firmen: Sie suchten keine Abschlüsse, sondern Talente.

„An der Studie sieht man deutlich, was passiert, wenn Hochschule und Wirtschaft auseinanderdriften“, sagt ein Sprecher der Deutschen Telekom. Die Telekom zum Beispiel suche grundsätzlich Berufseinsteiger, egal ob Bachelor oder Master. Und eigentlich wäre es gut, wenn sich Bachelor-Absolventen bewerben, die dann später berufsbegleitend den passenden Master studieren.

Bewerber mit Berufserfahrung

„Die Stellenanzeigen bilden nicht die Realität ab“, sagt ein Sprecher des Baukonzerns Bilfinger Berger. Das Unternehmen habe kein Traineeprogramm und auch keine Direkteinstiegsangebote. 80 Prozent der Neueinstellungen seien Bewerber mit Berufserfahrung, also keine Absolventen, die direkt von der Hochschule kommen. Die restlichen 20 Prozent seien Einzelfälle.

Und es gibt Firmen, die erfahren haben, dass sich die Vorstellungen von den Bachelors gar nicht mit der Wirklichkeit deckt. Die Hypovereinsbank bietet ein Programm, dass sich explizit an Bachelor ohne Berufserfahrung widmet. „Aber wir hatten de facto kaum Bewerbungen von Bewerbern mit Bachelorabschluss, die keine Praxiserfahrung haben“, sagt ein Sprecher. Und für alle anderen gibt es die normalen Traineeprogramme.

Warum man Stellen nur für Bachelor ausschreiben und andere Absolventen ausschließen sollte, versteht man bei der Allianz nicht. Letztlich müssten Bewerber die Anforderungen an die Stelle erfüllen. Dass Bachelor da mit Master- und Diplomabsolventen konkurrieren sei Tatsache. „Aber das heißt nicht, dass sie keine Chance haben“, sagt eine Sprecherin.

Die große Frage bleibt, wie die Bachelor abschneiden, wenn sie bei Stellenausschreibungen gegen Master- und die letzten Diplomabsolventen antreten müssen, die ja einige Semester länger studiert haben. Der Chemieriese BASF zum Beispiel hat hierzulande in den ersten neun Monaten dieses Jahres 25 Bachelor- und 39 Masterabsolventen eingestellt, auch hier heißt es, zählten die persönlichen Eigenschaften des Bewerbers neben den fachlichen.

Dualer Studiengang

Doch BASF scheint einem anderen Trend zu folgen, den auch Scholz in seiner Auswertung beobachtet hat. Rund 170 Mitarbeiter sind in einem dualen Studiengang eingeschrieben, der Praxisphasen im Unternehmen und das Studium an einer regionalen Hochschule verbindet. Denn viele Firmen bilden die angehenden Bachelor lieber selbst aus. Und übernehmen sie dann meist auch - ein schwacher Trost für alle, die schon Bachelor studieren oder den gerade abgeschlossen haben.

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