Mobiles Recruiting Bewerbung per Handy in jeder Lebenslage

Smartphone-Nutzer wollen sich von unterwegs über Stellenangebote informieren und Bewerbungen versenden, besagt eine aktuelle Studie. Wie dieser Wunsch Bewerbungsverfahren verändert und welche Unternehmen beim mobilen Recruiting eine führende Rolle spielen.

Kristin Schmidt, wiwo.de | , aktualisiert

Bewerbung per Handy in jeder Lebenslage

Smart-bewerben1

Foto: Fotowerk/Fotolia.com

Unterwegs mit dem Smartphone ein Taxi bestellen, den nächsten Urlaub buchen oder schnell die ausstehende Rechnung begleichen. Alles kein Problem – doch übers Handy eine Bewerbung an einen potentiellen Arbeitgeber schicken? Muss das sein?

Ja, es muss. Das sagen zumindest 47 Prozent der knapp 27.000 vom Marktforschungsinstitut Potentialpark befragten Studenten und Absolventen aus aller Welt. Sie können sich vorstellen, eine Bewerbung von unterwegs zu schicken.

Stephan Böhm, Professor für Telekommunikation an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden hält den Trend für mehr als eine aktionistische Modeerscheinung. "Das ist die gleiche Diskussion wie Mitte der Neunziger, als plötzlich darüber diskutiert wurde, ob man Stellenbörsen und Karrierewebseiten im Internet braucht. Heute sind sie kaum wegzudenken."
 
Zu wenige Karriere-Apps

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Denn die Unternehmen hinken den Bedürfnissen der Bewerber hinterher. Laut der aktuellen Studie von Potentialpark haben gerade mal 14 Prozent der 473 untersuchten Konzerne eine mobile Karrierewebseite.

Nur bei vieren kann man direkt eine vollständige Bewerbung einsenden.

Im Gegensatz dazu kann sich mittlerweile über die Hälfte der Befragten vorstellen eine Karriere-App zu nutzen. Immerhin 26 Prozent haben schon mal ihr berufliches Fortkommen via Smartphone vorangetrieben.

Abrufbarer Status der Bewerbung

Den jungen Bewerbern ist es vor allem wichtig, Stellenanzeigen übers Handy abzurufen und den Status ihrer bereits abgeschickten Bewerbung jederzeit abrufen zu können. Das geht unter anderem bei Credit Suisse.

Die Schweizer Bank schneidet auch insgesamt beim Ranking der besten mobilen Kommunikation sehr gut ab und landet hinter dem Telekommunikationsriesen Orange und dem amerikanischen Lebensmittelkonzern Pepsico auf Platz drei der globalen Rangliste.

Die besten deutschsprachigen Recruiting-Angebote fürs Handy kommen von Accenture Deutschland, Daimler und Fresenius. Die Deutsche Telekom hat die beste Karriere-App programmiert. Besonderes Merkmal: Beim Kommunikationskonzern kann der Bewerber einfach sein Xing- oder LinkedIn-Profil hochladen und sich so bewerben.

Heutzutage müssen Unternehmen einfach und schnell erreichbar sein. Die neue Technologie hat somit auch Auswirkungen auf den Bewerbungsprozess: Schnell mal sein Profil hochzuladen wird zum ersten Schritt, danach, wenn beide Seiten ernsthaftes Interesse haben, können auf dem PC gespeicherte Zeugnisse immer noch nachgereicht werden, inklusive eines ausführlichen Motivationsschreibens.

Doch vielleicht nicht mal mehr das. "Bewerber pflegen heute häufig eine digitale Identität im Netz. Anders als früher kann sich der Arbeitgeber darüber auch vor einem ersten persönlichen Kontakt ein Bild machen", sagt Professor Böhm. "Lange und ausgeklügelte Motivationsschreiben dürften damit an Bedeutung verlieren." 

Gesunkene Qualitätsansprüche 

Beim Mobilfunkanbieter Eplus weiß man, dass mobile Bewerbungen nicht die gleiche Qualität aufweisen, wie normale Online-Anschreiben. Aber das sei über das Handy auch nicht der Anspruch.

"Es geht um das schnelle und einfache Informieren und Reagieren", heißt es beim Düsseldorfer Unternehmen. Die Karriere-App von Eplus wurde seit ihrem Start vor eineinhalb Jahren über 35.000-mal heruntergeladen. Wöchentlich verzeichnet das Programm zwischen 700 und 800 Abrufen von Stellenanzeigen.

Talente in ihrer Freizeit "abholen"

Unternehmen die sich heute als moderner Arbeitgeber präsentieren wollen, müssen Bewerbern den Zugriff auf Stellenanzeigen und Karriereinfos von unterwegs ermöglichen.

"Im Kampf um die besten Fach- und Führungskräfte muss man die Talente dort abholen, wo sie zwischendurch mal Zeit haben. Zum Beispiel bei längeren Zugfahrten", sagt Böhm. Schaffen Unternehmen das nicht, sind sie schnell uninteressant.

Ein Beispiel: Vor allem junge Leute kontrollieren heutzutage ständig ihre E-Mails, ob im Café, in der Straßenbahn oder auf der Parkbank. Im E-Mail-Postfach landet nun ein Stellenangebot, das ein Freund empfohlen hat.

Der potenzielle Bewerber klickt es an und gelangt zwar zu der Karriereseite des Konzerns. Kann aber kaum etwas erkennen, muss scrollen und heranzoomen, weil die Internetseite nicht für mobile Endgeräte optimiert ist. Schlecht für die Arbeitgebermarke.

Um den Erwartungen der Jobsuchenden nachzukommen, müssen die Unternehmen einiges beachten. Zum Beispiel dürfen sie nicht den Fehler machen ihre Apps nur für Apple-Geräte aufzusetzen. "Denn viele Studenten haben Android-Handys und sind frustriert, wenn sie eine solche App nicht nutzen können", sagt Julian Ziesing vom Marktforschungsinstitut Potentialpark.
 
Nur wichtige Inhalte

Außerdem müssen die Inhalte der mobilen Seiten drastisch gekürzt und neu strukturiert werden. "Ist der gesamte Inhalt einer Karriere-Website auch auf der mobilen Version zu sehen, wirkt diese schnell überladen."

Doch das ist noch nicht alles: "Die meisten Apps bieten keinerlei Mehrwert zu der optimierten Karrierewebsite, weil bloß die Unternehmens- und Stelleninformationen in einer anderen Form präsentiert werden", kritisiert Böhm, Professor für Telekommunikation an der Hochschule RheinMain.

Ein solcher Mehrwert ist unter anderem die Möglichkeit ein persönliches Nutzer-Profil zu speichern und dann via Push-Mail über passende Stellenangebote sofort informiert zu werden. Ein Feature, das zum Beispiel die Unternehmensberatung Accenture und der Automobilkonzern Daimler nutzen. Thyssen Krupp bietet in einer gesonderten App ein Wörterbuch an, um Interessierten Fachbegriffe aus dem Ingenieurswesen zu erläutern.

Mehrwert durch persönliche Nutzer-Profile

Mobile Recruiting ist längst kein Experimentierfeld mehr. Zumindest um potenzielle Bewerber anzusprechen und zu informieren, nutzen die großen Konzerne den Weg übers Handy oder den Tablet-Computer.

Mit technischen Neuerungen, die es zum Beispiel einfacher machen, Lebensläufe hochzuladen und dem Heranwachsen der Digital Natives sowohl auf Bewerberseite als auch in den Personalabteilungen, werden die mobilen Dienste sich weiter etablieren und die Bewerbung von unterwegs ihr Image der halbherzigen Express-Ansprache verlieren.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...