Mittelständische Unternehmen Fachkräfte sind heiß begehrt

Dass der Fachkräftemangel nicht nur eine Phrase ist, zeigt der Blick in die Arbeitsmarktstatistik: Der Mittelstand hat heute schon Probleme - und entsprechend Angst vor Morgen. Die Lösung? Aus- und Weiterbildung.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Fachkräfte sind heiß begehrt

Fachkraefte gesucht 2

Foto: Pavlo Burdyak/Fotolia.com

Mittelständischen Unternehmen bereitet der Fachkräftemangel Sorgen: Er ist bis 2020 die größte Baustelle für Betriebe. Das zeigt eine Befragung von 300 Unternehmen von Hoyck Management Consultants, CornerstoneOnDemand und  Frankfurt Business Media.

Dass der Fachkräftemangel kein reines Modewort oder ein Zeichen schlechter Personalarbeit der befragten Betriebe ist, verrät ein Blick in die Arbeitsmarktstatistik: 325.700 offene Stellen im Juni, allein in acht Handwerksberufen. Gesucht werden zudem Leute aus Verkehrs- und Logistikberufen – im Juni 2016 gab es in dieser Branche 44.800 offene Stellen. Und das sind nur die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten.

Außerdem suchen die deutschen Logistik- und Speditionsunternehmen mehr als 37.000 Kraftfahrer, die ihre Güter zum Kunden bringen. Es fehlten 44.100 Metallbauer, mehr als 43.000 Experten aus dem Bereich Mechatronik-, Energie- und Elektrotechnik und mehr als 42.000 Maschinen- und Fahrzeugtechniker.

Wer Einzelhandelskaufmann oder -frau ist, hatte allein im Juni 43.000 offene Stellen zur Auswahl, in der Altenpflege, dem Friseurhandwerk waren 38.600 Stellen unbesetzt, außerdem hätten die deutschen Unternehmen in Juni gerne noch 33.200 Medizintechniker angestellt. Wenn sich denn welche beworben hätten.

Konkret haben die Unternehmen zwei Probleme:

1. Sie können offene Stellen nicht besetzen.
2. Die Mitarbeiter, die sie haben, gehen zu großen Teilen demnächst in Rente – und nehmen ihr Know-how mit in den heimischen Kräutergarten.

Schon jetzt versuchen die Befragten, dem Mangel Herr zu werden, indem sie mit Unis und Fachhochschulen kooperieren und so Absolventen für sich begeistern.

Außerdem konzentrieren sie sich auf individuelle Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen und besetzen vakante Stellen vermehrt mit Leuten aus den eigenen Reihen. Dafür hat mehr als ein Drittel der Betriebe das hauseigene Talentmanagement, also das Identifizieren und Entwickeln geeigneter Mitarbeiter, zur Chefsache erklärt. Trotzdem reicht es nicht.

Laut der Umfrage wollen die Mittelständler dem Problem mittelfristig auf drei Arten begegnen: 

  • 19,7 Prozent der Befragten wollen sich – zumindest in Bezug auf den Führungskräftemangel – auf internationales Recruiting verlegen,
  • 16,3 Prozent wollen ihren Fachkräftemangel decken, indem sie geringqualifizierte Arbeitskräften weiterbilden,
  • 14,3 Prozent wollen Headhunter ins Boot holen, die nach geeigneten Leuten Ausschau halten,
  • etwa jedes 20. Unternehmen will gezielt Flüchtlinge ausbilden.

Betriebe investieren in ihre Mitarbeiter

Wie wichtig die Betriebe die Themen Aus- und Weiterbildung sowie Recruiting nehmen, zeigt der Investitionsplan der Befragten: 43,7 Prozent der Unternehmen wollen einen Großteil ihres Budgets in die Aus- und Weiterbildung investieren. Insbesondere kleinere und mittlere Betriebe mit 400 bis unter 5000 Mitarbeitern geben an, dass sie gerade dort investieren wollen.

Jeweils 23,3 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, besonders stark in die Gewinnung neuer Mitarbeiter beziehungsweise in den Ausbau der IT investieren zu wollen. Dass das der richtige Weg ist, bestätigen zahlreiche Experten. So heißt es in Bezug auf Weiterbildung beispielsweise beim Institut der Deutschen Wirtschaft: "Künftig muss die Wirtschaft mit zunehmenden Fachkräfteengpässen rechnen – und das erfordert noch mehr Engagement."

Und Sanjay Dholakia, Marketingchef bei dem US-Softwareanbieter Marketo, sagt: "Anstatt Ressourcen mit der Suche nach externen Genies zu verschwenden, von denen es gar nicht genug für alle geben kann, sollte man lieber seine eigenen Leute weiterentwickeln und fördern."

Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de



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