Mitarbeiterbeteiligung Wenn die Angestellten mitziehen

Mitarbeiterbeteiligungen sollen die Bindung an den Arbeitgeber erhöhen und die Beschäftigten motivieren. Doch bei vielen Firmen und Mitarbeitern ist die Skepsis groß.

Lea Deuber, Zeit.de | , aktualisiert

Wenn die Angestellten mitziehen

Foto: Nick Freund/Fotolia.com

Nach Feierabend grillen auf dem Firmendach – das IT-Unternehmen Cortado AG setzt bei seinen Mitarbeitern auf eine gute Arbeitsatmosphäre. Deshalb setzt die Geschäftsführung auch seit drei Jahren auf eine direkte Mitarbeiterbeteiligung am Erfolg.

Seither ist Cortado eine Aktiengesellschaft. 25 Prozent des Unternehmens gehören den Mitarbeitern als Aktie. Dieses Jahr ist das Unternehmen zu einem der beliebtesten Arbeitgeber in Berlin gewählt worden. "Wir profitieren von der Mitarbeiterbeteiligung", sagt Vorstandsmitglied Sven Huschke. Die Mitarbeiter seien stärker motiviert, auch die Bindung ans Unternehmen sei gestiegen, sagt er. In Vorstellungsgesprächen erkundigten sich Bewerber immer wieder nach dem Angebot.

Viele Vorteile

Solche Beteiligungen haben für Unternehmen viele Vorteile, sagt Henrich Beyer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Mitarbeiterbeteiligung. "Dies führt zu einer Unternehmenskultur, in der sich die Mitarbeiter mit ihren Ideen und eigener Initiative einbringen können." Höhere Gewinne und eine größere Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber seien die Folge.

Auch habe der frühere Bundespräsident Horst Köhler schon auf diese Wirkung hingewiesen, als er 2005 für eine stärkere Beteiligung der Beschäftigten am Erfolg der Unternehmen warb. Die Skepsis vieler Arbeitgeber ist jedoch groß.

Die Zahl der Mitarbeiterbeteiligungen stagniert seit Jahren. Es sind vor allem größere, börsennotierte Unternehmen, die ihre Mitarbeiter beteiligen – immerhin ein Drittel setzt Erfolgsbeteiligungen ein – kleine Firmen sind dagegen eine Seltenheit. Insgesamt machen nur neun Prozent der Unternehmen hierzulande von einer Erfolgsbeteiligung Gebrauch, gerade einmal zwei Prozent setzen Kapitalbeteiligungen ein.

Kleinere Unternehmen bieten Beteiligungen kaum an. Die Kleineren scheuen die hohen Verwaltungskosten. Denn mittelständische Unternehmen sind meist Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) und keine Aktiengesellschaften, die einfach Beteiligungsaktien ausgeben können.

Sollen bei einer GmbH die Angestellten Mitgesellschafter werden, müssen diese einzeln notariell ins Handelsregister eingetragen werden – ein enormer Aufwand. Viele Unternehmer fürchten zudem, dass die Mitarbeiter durch die Beteiligungen zu viel Mitspracherecht erhalten, was Entscheidungen lähmen könnte. 

Die Beteiligungsgesellschaft 

Die Firma Brohl Wellpappe GmbH & Co. KG aus Brohl in Rheinland-Pfalz hat die Erfahrung gemacht, dass diese Sorge unbegründet ist. Vor 235 Jahren gegründet, arbeiten in dem Unternehmen mittlerweile rund 600 Mitarbeiter. Seit zehn Jahren können sich diese mit ihrem privaten Kapital am Unternehmen beteiligen.

Dafür hat das Unternehmen eine Beteiligungsgesellschaft gegründet, die ihrerseits an der Hauptgesellschaft als stille Gesellschafterin beteiligt ist. An dieser Gesellschaft wiederum sind die Mitarbeiter als stille Gesellschafter beteiligt. "Diese Form war für uns die beste Lösung", sagt Geschäftsführer Maximilian Boltersdorf. Das eingesetzte Kapital der Mitarbeiter wurde in den vergangenen Jahren mit durchschnittlich acht Prozent verzinst.

Und was ist mit dem Risiko?

Gewerkschaften kritisieren, dass bei solchen Beteiligungen ein doppeltes Risiko für die Mitarbeiter bestehe. Wenn das Unternehmen insolvent wird, verliert der Mitarbeiter nicht nur seinen Job, sondern auch sein eingesetztes Kapital.

Geschäftsführer Boltersdorf kann diese Kritik nicht nachvollziehen. "In einem sehr schlechten Jahr kann der Mitarbeiter höchstens vier Prozent seiner Einlage verlieren", sagt er. Dies sei bisher aber noch nicht vorgekommen. "Zudem besteht keine Nachschusspflicht." Außerdem stelle sich eine Schieflage nicht von heute auf morgen ein.

"Die Mitarbeiter können mit einer sechsmonatigen Kündigungsfrist ihre Beteiligung beenden." So könnten die Beschäftigten frühzeitig reagieren. "Wir sehen da nur ein sehr begrenztes Risiko." Eines, das allerdings nicht alle Angestellten überzeugt. Bei der Firma Brohl Wellpappe macht nur knapp mehr als ein Drittel der Mitarbeiter davon Gebrauch.

Die Große Koalition hatte vor mehr als vier Jahren mehr Arbeitgeber für eine Beteiligung gewinnen wollen und das sogenannte Mitarbeiterbeteiligungsgesetz auf den Weg gebracht. Es sollte vor allem kleine und mittlere Unternehmen zu einer Einführung motivieren. Mittelfristig sollte so die Zahl der am Unternehmenskapital beteiligten Arbeitnehmer von zwei auf drei Millionen steigen.

Die Kritik war allerdings groß. Ein Teil des Gesetzes sah eine Steigerung der Förderbeiträge vor, also die Arbeitnehmersparzulagen für in Beteiligungen angelegte vermögenswirksame Leistungen sowie steuer- und sozialversicherungsfreie Höchstbeiträge. Doch das hatte kaum eine Wirkung. Zwar profitierten Unternehmen davon, die bereits eine Beteiligung anboten.

Notwendige Reform

Für die anderen waren die Beiträge für eine Einführung allerdings zu gering. "Während Arbeitnehmer bis zu 2.688 Euro pro Jahr mit nachgelagerter Besteuerung in eine betriebliche Altersversorgung investieren können, sieht das Gesetz lediglich einen Freibetrag von 360 Euro vor", sagt Interessenvertreter Beyer.

Dies sei eine starke Benachteiligung. "Dabei ist dies eine renditestarke und kostengünstige Anlageform über die reine Altersvorsorge hinaus." Beyer fordert deshalb eine Reform des Gesetzes. Nur so könne sich die Mitarbeiterbeteiligung als Modell für Unternehmen langfristig etablieren.

Bei der Cortado AG wird es indessen auch ohne Reform spannend: Drei Jahre lang lag eine Sperrfrist auf den Aktien des Unternehmens. Ab 2014 Jahr dürfen die Mitarbeiter damit handeln. Die Anteile können zwar nicht an Dritte außerhalb des Unternehmens verkauft werden, erklärt Huschke, aber der Handel mit Kollegen ist erlaubt.

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de

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