Mitarbeiter Wie Facebook das Recruiting verändert

Facebook und seine mehr als 500 Millionen Mitglieder bilden längst eine kleine Parallelwelt im großen World Wide Web. Nun drängen auch immer mehr Unternehmen in das Netzwerk, um Produkte zu verkaufen oder neue Mitarbeiter zu rekrutieren - und das erfolgreich.

Jochen Mai, Christian Müßgens, Daniel Rettig/ wiwo.de | , aktualisiert

Falls Ihnen dieser Artikel gefällt, würden Sie ihn im Anschluss Ihren Freunden weiterempfehlen? Nein, sagen Sie jetzt nichts. Denn ob Sie und wie viele weitere Leser dies tun werden, wird man später genau ablesen können – auf Facebook.

YouTube, Twitter, Xing, StudiVZ – all diese sogenannten Social-Media-Seiten erreichen inzwischen zusammengenommen fast ein Sechstel aller Erdenbürger. 945 Millionen Besucher weltweit verzeichneten sie im vergangenen Juli, errechnete der US-Marktforscher Comscore. 23 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. In Deutschland fiel das Wachstum noch größer aus: plus 47 Prozent, das entspricht rund 38 Millionen Bundesbürgern.

Ein Netzwerk aber überragt alle anderen: Facebook.

Weltweit 700.000 neue User

Über 500 Millionen Mitglieder verzeichnet der virtuelle Freundeskreis weltweit, jeden Tag kommen fast 700.000 weitere dazu. Oder anders ausgedrückt: Die Hälfte aller Internet-Nutzer des Planeten hat dort bereits ein persönliches Profil. Krethi und Plethi ebenso wie zahlreiche Zelebritäten, Künstler, Politiker. Selbst der Queen Elizabeth II. können Interessierte neuerdings auf Facebook huldigen. Seit kurzem besitzt das Königshaus dort eine eigene noble Seite, samt 213.000 Fans.

Wäre Facebook ein Land, käme es – gemessen an seiner Bevölkerung – bereits auf Platz drei. Hinter China und Indien.

In Deutschland knackte die Seite im Juli erstmals die Marke von zehn Millionen Mitgliedern. Damit rückt das Netzwerk weiter an die VZ-Gruppe der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck heran, die den deutschen Markt mit rund 17 Millionen Mitgliedern anführt.

Kein Nutzer muss die Plattform noch verlassen

Noch. Weltweit ist kein anderer Ort beliebter. Keine Nation kann sich über einen derart regen Zulauf an qualifizierten Fachkräften freuen, keine andere Gesellschaft weist ein so gesundes Verhältnis von Alten und Jungen auf, nirgendwo wird bereitwillig so viel Zeit verbracht und nirgendwo sonst liegen die Einbürgerungshürden so niedrig wie bei Facebook: Ein paar Klicks reichen aus – schon gehört man dazu.

War das Netzwerk bisher eher bekannt als Weltzentrale der Trivialitäten und peinlicher Saufbilder, so ist es mittlerweile der Seismograf gleich mehrerer Generationen. Hier zeigt sich, was die Menschen interessiert, welche Musik sie am liebsten hören, welche Autos sie begehren, welche Bücher sie lesen, welche Internet-Seiten sie regelmäßig besuchen, ja sogar wann sie arbeiten und wann sie mit ihren Partnern Schluss machen (meistens montags und kurz vor Weihnachten).

Schon lange können die Nutzer auf Facebook nicht mehr nur miteinander chatten, e-mailen, spielen, Erlebnisse und Empfehlungen austauschen: Als einziges Netzwerk hat sich die Seite zu einer Art Internet im Internet entwickelt – mit enormer Gravitation, die alle und alles anzieht.

Privates und Berufliches, Freud und Leid, Kommunikation und Kommerz, Politik und Unterhaltung – nirgendwo sind sie sich näher als hier. Kein Nutzer muss die Plattform noch verlassen: Was immer es zu wissen, zu kaufen oder auszutauschen gilt – alle erfahren die Kunde hier. Und immer öfter sogar als Erstes.

Sein explosives Wachstum verdankt Facebook vor allem zwei Innovationen: den sogenannten Fanseiten, von denen mittlerweile knapp vier Millionen weltweit existieren. Und der Einführung des "Gefällt mir"-Knopfes.

Rund 400.000 Internet-Seiten haben den kleinen blauen Daumen bereits in ihrem Erscheinungsbild integriert. Wer bei Facebook angemeldet ist, kann so beim Vorbeisurfen mit nur einem Klick einen Text, ein Video oder ein Produkt "liken" und dies damit automatisch seinem virtuellen Freundeskreis mitteilen. So entsteht ein einzigartiges Netzwerk gemeinsamer Interessen und Empfehlungen.

Aus Freunden werden Fans

Hinzu kommt die Dynamik der Facebook-Schöpfer selbst. Beinahe wöchentlich stellt Gründer Mark Zuckerberg neue Produkte vor. Im Oktober erst startete in Deutschland der Ortsdienst Places. Wer ein internetfähiges Mobiltelefon besitzt, kann darüber Freunde über seinen aktuellen Aufenthaltsort informieren. Kurz zuvor wurde die Kooperation mit dem Internet-Telefoniedienst Skype bekannt, sodass bald auch telefonieren über die Plattform möglich werden könnte. Und vor wenigen Tagen erst präsentierte Zuckerberg das Programm Deals, mit dem Unternehmen Mitgliedern Sonderangebote vorstellen können.

(Artikel zuerst erschienen auf WirtschaftsWoche Online wiwo.de)

Die ersten Anbieter waren schnell gefunden: Die Modefirma Gap verschenkte zum Start 10.000 Jeans, der schwedische Konkurrent H&M wiederum lockte mit 20 Prozent Rabatt.

Etwa 250 Millionen Menschen klicken sich durch Facebook. Jeden Tag. Logisch, dass sich von dem Kuchen auch immer mehr Unternehmen eine dicke Ecke abschneiden wollen. Galt eine Facebook-Präsenz vor ein paar Monaten noch als Spielerei weniger Pionier-Firmen, gehört sie heute fast schon zum Pflichtprogramm. Fans sind eine zunehmend lukrative Zielgruppe. So gaben rund 76 Prozent der Unternehmen bei einer Umfrage der Personalberatung Hewitt Associates an, dass ihre Ausgaben in Sachen Social Media 2011 kräftig steigen sollen. Das Hauptziel: Facebook.

Immer mehr Unternehmen wollen in soziale Netzwerke investieren

Im Mittelstand dasselbe Bild. Hier haben 28 Prozent der Unternehmen vor, spätestens ab 2011 stärker in soziale Netzwerke zu investieren, ergab eine Umfrage des Personaldienstleisters Mediaintown. An den erforderlichen Budgets herrscht kein Mangel, obwohl die nicht sonderlich groß sind. Die Bandbreite reicht von 20.000 bis 300.000 Euro. Peanuts im Vergleich zu manchen Marketingausgaben.

Doch genau das macht den Reiz von Facebook aus. Die digitale Geselligkeit kostet wenig. Dafür aber können die Hersteller anschließend mit ihren Kunden in kaum gekanntem Maß offen kommunizieren, Produkte präsentieren und testen, ja sogar nach neuen Fachkräften fischen. Und alle Beteiligten haben die ganze Zeit über das Gefühl, unter guten Freunden zu bleiben.

Wer auch immer dort möglichst viele Freunde sammeln will, der eröffnet eine Fanseite. Mit nur einem Klick verwandeln sich dort virtuelle Freunde in sogenannte Fans, bleiben laufend über Aktualisierungen informiert oder mutieren gar zu besonders glaubwürdigen Markenbotschaftern.

Und das lohnt sich. So hat die kanadische Marketingfirma Syncapse ausgerechnet, dass jeder Anhänger im Schnitt 60 Euro pro Jahr mehr für Produkte ausgibt, deren Fan er ist, als ein gewöhnlicher Nutzer. Die US-Beratung Vitrue glaubt sogar, den Wert eines Sympathisanten exakt beziffern zu können: 3,60 Dollar.

Wer hat mehr Fans?

Demnach hätte der Getränkekonzern Coca-Cola bereits ein Vermögen von 63 Millionen Dollar auf Facebook erwirtschaftet. Mit seinen weltweit 17,5 Millionen Fans besitzt das US-Unternehmen derzeit die größte Anziehungskraft. Gleich dahinter folgen die Kaffeekette Starbucks (17,3 Millionen) und der US-Keksbäcker Oreo (13,8 Millionen).

Aber auch mancher deutsche Dax-Konzern spielt mit seinem virtuellen Fanclub bereits eine gewichtige Rolle. So sprintet der Sportartikelhersteller Adidas derzeit mit seinen 5,6 Millionen Anhängern der deutschen Wirtschaft weit voraus. Dahinter steuert schon BMW mit derzeit 3,3 Millionen Fans.

Es gibt kaum etwas, was es nicht gibt auf diesen Fanpages. Otto zum Beispiel integrierte dort ein Tool namens "Trendberater". Fans können damit redaktionell ausgewählte Artikel (aktuell: Strickjacken) auf virtuellen Models kombinieren, das Ergebnis als "Trendtipp" an Freunde versenden oder die Produkte gleich aus Facebook heraus bestellen.

An der "Packstation" teilt wiederum die Deutsche Post mit, bei welchen Partnern die Fans gerade Rabatte oder Sonderangebote bekommen können – Gutschein-Codes inklusive. Der Wäscheproduzent Victoria’s Secret, berühmt für aufreizende Dessous, präsentiert indes die aktuelle Herbstkollektion auf Facebook und lädt zu Videochats mit Top-Models ein. Und Harley-Davidson zeigt auf seiner Seite nicht nur die neuesten Motorräder, sondern informiert gleich noch über passende Finanzierungsoptionen im eingebauten "Cost Calculator".

Der Aufwand für derlei Dienste hält sich häufig sogar in Grenzen. Um die BMW-Fanpage zum Beispiel kümmern sich gerade einmal zwei feste Mitarbeiter und eine Agentur. Den Rest übernimmt die Community selbst. So werden eingehende Fragen ganz bewusst zwei bis drei Stunden lang nicht beantwortet: "Nicht, weil wir uns Arbeit sparen wollen, sondern weil viele Tipps direkt von den Fans untereinander ausgetauscht werden", sagt Tino Kühnel, Innovationsmanager Social Media bei BMW.

Mit positiven Effekten: Jeder neue Beitrag auf der Fanseite erreiche heute im Schnitt mehr als zwei Millionen Seitenaufrufe. Im Vergleich zu klassischer Werbung lasse sich so schon ein größerer sechsstelliger Betrag einsparen. Und noch etwas kommt hinzu: „Die Präsenz und damit auch die Wahrnehmung von BMW verlängert sich enorm“, sagt Kühnel. Fanseiten-Beiträge erzielten durchschnittlich bis zu 10.000 „Likes“ und werden über Tage und Wochen hinweg von Freund zu Freund weitergeleitet.

Sie grassieren – wie ein Virus, das nach und nach zur Epidemie mutiert. Zu "Buzz", wie die digitale Mundpropaganda auch genannt wird. Um möglichst viel Buzz geht es auch den Filmverleihern von Paramount Deutschland. Den erzielen sie vor dem Start eines neuen Kinofilms schon mit einer vergleichsweise kleinen Fangruppe: Knapp 20.000 Sympathisanten hat Paramount binnen eines Jahres gewinnen können.

"Facebook hat bei uns zurzeit die Top-Priorität", sagt Sandra Funck, Senior Marketing Manager bei Paramount Deutschland und oberste Online-Verantwortliche. Wenn sie einen neuen Filmtrailer hochlädt, werde der binnen kurzer Zeit von den Fans weitergeleitet und von mehr als 30.000 Menschen gesehen, haben ihre Messungen ergeben.

Perfektes Spiel mit der Masse

Auch an Umfragen zu künftigen Kinostarts beteiligten sich regelmäßig mehrere Tausend Fans. „Das ist perfekte Marktforschung“, sagt Funck. „Wir erfahren so viel mehr über die Vorlieben der Kinobesucher als anderswo.“ Und das obendrein schneller und billiger.

Die geringen Kosten sind es auch, die Facebook gerade für sogenannte Nichtregierungsorganisationen (NGO) so interessant machen. Kaum eine andere Branche nutzt die dortigen Möglichkeiten zudem so effizient und geschickt.

Der deutsche Ableger des Naturschutzbundes World Wide Fund for Nature (WWF) hat etwa innerhalb der vergangenen vier Monate die Anzahl seiner Fans auf 35.000 verzehnfacht. Auf der Seite können die Nutzer beispielsweise eine Petition für die Rettung der letzten 3200 frei lebenden Tiger unterzeichnen.

Wer wiederum auf der Fanseite des christlichen Hilfswerks World Vision ein Foto von sich hochlädt, wird anschließend in einen Imagefilm eingebaut, den er weiterleiten kann.

Dass Facebook sogar echtes Geld bringt, bewies indes die Schweizer Stiftung Glückskette mit ihrer Initiative „Jeder Rappen zählt“. 2009 nutzte sie ebenfalls eine Fanseite für den Kampf gegen Malaria. Über neun Millionen Franken an Spendengeldern kamen dabei zusammen.

Wie groß der Einfluss digitaler Kampagnen in der realen Welt sein kann, bewies Mitte des Jahres schon Greenpeace. Die Umweltschützer kritisierten zuerst per YouTube-Video, dass der Lebensmittelgigant Nestlé bei der Produktion seines Schokoriegels Kitkat Palmöl verwendet. Dafür würden in Indonesien Regenwälder gerodet und die Lebensräume von Orang-Utans bedroht. Nestlé reagierte darauf wie erwartet: falsch.

Der Konzern ließ das Video entfernen, woraufhin die Umweltaktivisten die Kitkat-Fanseite kaperten und mit wütenden Kommentaren zupflasterten. Als Nestlé die Notbremse zog und die Seite abschaltete, war es schon zu spät: Die Kampagne lief im Netzwerk auf Hochtouren. Am Ende musste der Lebensmittelkonzern einlenken. Er beendete die Zusammenarbeit mit dem Palmöl-Lieferanten und versprach, sich regelmäßig mit Greenpeace-Vertretern zu treffen.

Fehler werden sofort bestraft

Genau das ist die Kehrseite: Wer Fehler im sozialen Gefüge macht, zahlt eine Menge Lehrgeld – oder macht sich zum Gespött der ganzen Welt. So billig der Facebook-Einstieg auch ist, so teuer kann er für die Unternehmen enden.

Christian Maybaum weiß das nur zu gut. Sein Albtraum dauert genau eine Minute und 39 Sekunden und geht so: Zwei Mitarbeiter des Paketdienstes DHL beladen einen Lieferwagen. Während der eine die Päckchen achtlos auf die Ladefläche wirft, steht der andere daneben und lacht sich kaputt. Alles zu sehen in einem Videoclip, der zuerst bei YouTube hochgeladen wurde und dann auf Facebook die Runde machte.

Zahlreiche Kunden fanden das Filmchen allerdings gar nicht amüsant und beschwerten sich prompt per Kommentar. Doch statt sich zu entschuldigen, meldete sich ein DHL-Mitarbeiter namens „fantana817“ zu Wort und verteidigt seine Firma: Es sei nicht die Aufgabe der Boten, Päckchen mit Samthandschuhen anzufassen. "Wir liefern die Scheiße pünktlich ab, das war’s."

Für Maybaum, Global Social Media Coordinator bei der DHL-Mutter Deutsche Post, ist das Video samt der Kommentare ein Desaster: Schlimmer als schlecht ist gut gemeint. Und hat so ein Empörungswirbel erst einmal genug Energie geladen, lässt er sich kaum noch stoppen. „Shitstorm“ nennen Experten den Kritik-Tornado daher im Fachjargon.

Bahn erntet Proteste auf Facebook

Auch die Deutsche Bahn musste erst kürzlich eine solche Fäkalbrise an sich vorüberziehen lassen. Dabei war die Idee im Grunde gut: Mit dem "Chefticket" sollten Kunden für 25 Euro durch ganz Deutschland fahren können. Angeboten wurde das Ticket exklusiv auf der eigens dafür eingerichteten Facebook-Seite.

Binnen weniger Stunden wurden 3000 Mitglieder zu Fans. Kurz darauf konnten sie allerdings auch Kommentare abgeben – und die waren nicht nur freundlich.

Ein "Marcel Csonka" zum Beispiel schrieb auf die Pinnwand: "Das dritte Mal diese Woche, dass ich ne Stunde zu spät heimkomme – eure Bahncard 100 könnt ihr euch bald an den Hut schmieren! Saftladen." Zuvor monierte ein "Ronald Schmidt": "Was nützt mir euer Chefticket, wenn in und um Berlin die Züge permanent ausfallen, Verspätung haben oder total überfüllt und verdreckt sind?" Und eine "Katharina Fahnl" sekundierte: "Diese Seite ist faszinierend! Es ist wie bei einem Verkehrsunfall: Man kann nicht wegsehen, auch wenn es furchtbar ist." 13 Personen gefiel das.

Der Bahn aber nicht. Sie hat inzwischen alle Kommentare auf der Seite gelöscht. Nicht zuletzt aus Sorge, Mitarbeiter könnten das Image ihres Arbeitgebers online verschlimmbessern, Firmengeheimnisse verraten oder kostbare Arbeitszeit vertrödeln, errichten einige Unternehmen inzwischen Schutzwälle oder sperren den Zugang zu Facebook & Co. auf Dienstrechnern ganz.

Der Sportwagenhersteller Porsche zum Beispiel erlaubt nur ausgewählten Mitarbeitern, Facebook während der Arbeitszeit zu nutzen – etwa im Marketing, in der Personalabteilung oder in der Kommunikation. Für alle anderen bleiben die Seiten gesperrt. Ähnlich halten es die Oberen bei Volkswagen, HeidelbergCement oder der Commerzbank.

Die Mehrheit der Dax-Manager hält dies jedoch für einen Irrweg. Aus zwei Gründen: Eben weil sich der Fachkräftenachwuchs heute permanent per Handy oder Laptop in sozialen Netzwerken bewegt, ist die Option, dies auch im Job tun zu können, für viele der jungen Leute längst ein gewichtiges Kriterium für oder gegen einen Arbeitgeber. Der zweite Grund wiegt fast noch schwerer: Nicht nur künftige Mitarbeiter – auch Kunden erwarten zunehmend, die Menschen hinter ihren Lieblingsmarken online erreichen zu können. Wer hier und heute den Anschluss verpasst, muss später umso teurere Aufholarbeit leisten.

Entsprechend sieht das Gros der Manager in den neuen Medien eher eine Chance und entwirft lieber sogenannte Social-Media-Richtlinien. Wie lockere Spielregeln geben die vor, wie sich Mitarbeiter im Netz sicherer bewegen, was sie sagen und schreiben und wozu sie besser schweigen sollten.

Kampf um Fachkräfte

Das zu beachten, läge oft schon im eigenen Interesse der Nutzer. Erst vergangene Woche veröffentlichte der High-Tech-Verband Bitkom eine repräsentative Umfrage, wonach sich bereits jeder zweite Personaler im Netz über potenzielle Mitarbeiter informiert, jeder sechste nutzt dazu Facebook. Denn hier gewinnt die Pirsch noch einmal an Zielschärfe. Auch das spiegelt sich bereits auf der Plattform.

Ganz grob lassen sich die Fanseiten in zwei Kategorien einteilen: Auf den einen wird kräftig die Werbetrommel gerührt und Marketing für Produkte gemacht. Auf den anderen geht es darum, das Arbeitgeber-image zu polieren und den Kampf um zunehmend rarer werdende Fachkräfte mit Guerilla-Methoden zu gewinnen. Das sind die sogenannten Karriere-Seiten. Bereits 71 Prozent der Unternehmen nutzen Social Media gezielt für die Rekrutierung, fand Thorsten Petry von der Wiesbaden Business School vor einigen Monaten gemeinsam mit dem Online-Personalberater Talential heraus. Auch hier ganz vorne dabei: Facebook.

Auf rund 2100 Fans bringt es aktuell die Karriere-Fanseite von Bayer. Der Pharmakonzern eröffnete die virtuelle Filiale im Mai. Seitdem kümmern sich bis zu sechs Kollegen um die wachsende Fangemeinde, beantworten Fragen zur Bewerbung oder laden Bilder von diversen Recruitingveranstaltungen hoch.

"Die werden gut geklickt und haben den größten Viraleffekt", sagt Bernd Schmitz, Leiter des Hochschulmarketings und so etwas wie der Hansdampf in allen Online-Gassen bei Bayer. Auf den Fotos würden sich die Teilnehmer suchen, markieren und die Bilder dann an Freunde schicken

BMW rekrutiert erfolgreich Talente bei Facebook

Das eigentliche Herzstück aber ist das "Karriereblog". Hier schreiben Bayer-Mitarbeiter über ihren Job oder ihre Ausbildung. Ein Novum, denn Blogs sind auf Facebook nicht vorgesehen. Schmitz musste dafür eigens ein Tool programmieren lassen. Der Aufwand habe sich aber gelohnt: "Wir kommen darüber inzwischen frühzeitig mit erstklassigen Talenten ins Gespräch und halten den Kontakt, bis sie mit ihrem Studium fertig sind oder sich bewerben."

Noch erfolgreicher operiert derweil der Autohersteller BMW. Gestartet im Juli 2010, kommt dessen Karriereseite schon auf mehr als 11.000 Fans und führt damit die Riege der beliebtesten Facebook-Jobseiten in Deutschland an. Drei Mitarbeiter aus der Personalabteilung betreuen den Auftritt, und das ist auch nötig: Pro Woche stellen Fans im Schnitt 22 Fragen zu Stellenangeboten oder Bewerbungsformalien.

Stolz ist BMW-Manager Kühnel vor allem auf den "Job-Channel". Auf der Unterrubrik können Fans nicht nur gezielt nach vakanten Stellen suchen, sondern auch gleich einen dazu passenden Twitter-Kanal abonnieren und sich so bequem über frei werdende Stellen bezwitschern lassen.

Keine Frage, viele der Fans machen sich mit derlei Angaben enorm transparent. Zahlreiche Daten lassen sich so genau nachvollziehen und daraus Profile erstellen. Facebook selbst wertet diese ohnehin aus, was unter Nutzern aktuell für einigen Wirbel sorgt.

Auch das ein Grund, warum die Bundesregierung jüngst ein Gesetz auf den Weg gebracht hat, das den Datenschutz von Beschäftigten und Bewerbern besser regeln soll. Passiert der Entwurf den Bundestag, dann dürften Unternehmen im Jahr 2011 nur noch in öffentlichen Bereichen des Internets sowie in Business-Netzwerken wie Xing oder LinkedIn recherchieren. Private Netze wie Facebook oder StudiVZ dagegen wären dann tabu.

Facebook-Fans

Wie lässt sich der typische Facebook-Fan charakterisieren? Zugegeben, das hängt vor allem von den Seiten ab, für die er sich interessiert – ein Modefetischist dürfte andere Vorlieben haben als ein Autonarr. Und doch: Ein paar Gemeinsamkeiten haben alle. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der Werbeagentur DDB. Das Meinungsforschungsinstitut Opinion Way befragte dafür im September rund 1600 Facebook-Nutzer in sechs Ländern. Demnach zeichnen die folgenden Merkmale einen durchschnittlichen Anhänger aus:

 - 31,4 Jahre ist der durchschnittliche Fan alt. Nach Altersgruppen sortiert, sieht das so aus: 32 Prozent der Anhänger sind zwischen 18 und 24 Jahre, 47 Prozent zwischen 25 und 39 und 21 Prozent über 40 Jahre alt. Die Mehrheit (55 Prozent) davon ist weiblich.

 - 40 Prozent der Fans haben schon zwei bis vier Mal online eingekauft, 35 Prozent sogar mehr als fünf Mal.

 - Fans gehören zu den sogenannten Hardcore-Usern, heißt: 43 Prozent besuchen ihr Facebook-Profil mehrmals am Tag, 33 Prozent einmal täglich, 16 Prozent immerhin mehrmals pro Woche.

 - Fans gefällt nicht nur eine Marke. Im Schnitt folgen sie auf Facebook 8,7 Unternehmensseiten. Die 18- bis 24-Jährigen sympathisieren sogar mit knapp zwölf Seiten.

 - Am häufigsten werden Fans Mitglied von Marken aus dem Medienbereich (55 Prozent). Danach folgen Hilfsorganisationen (51 Prozent) sowie Mode- und Luxusmarken (46 Prozent).

 - Rund  75 Prozent der Facebooker werden Fan, indem sie auf einer Werbeanzeige den "Gefällt mir"-Knopf drücken. 59 Prozent folgen der Empfehlung von Freunden.

 - Sind die Nutzer erst einmal Fan, klicken sie in 27 Prozent der Fälle regelmäßig auf "Gefällt mir" bei neuen Meldungen, 49 Prozent tun dies zumindest ab und zu.

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