Mit Freu(n)den zur Macht So trifft sich die Elite

Hier ein Drink mit George Clooney, dort ein Frühstück mit Frank-Walter Steinmeier oder eine Spritztour im Oldtimer: Die Elite aus Politik, Wirtschaft und Medien trifft sich in Clubs, Salons – und manchmal auf der Straße.

Andreas Wildhagen, wiwo.de | , aktualisiert

So trifft sich die Elite

Foto: gromovataya/Fotolia.com

Allgemeiner Schnauferl-Club: Unter Brüdern

Das Hemd grobkariert, die Hose verwaschen, die Hände leicht ölverschmiert: Dass der Mann ein weltweit agierendes Unternehmen führt, mit knapp 1 000 Beschäftigten und 250 Millionen Umsatz, sieht man ihm nicht an. Daran denkt er selbst wohl gerade auch nicht. Ihn beschäftigt mehr die Frage, warum die "Kiste", ein mehr als 60 Jahre alter Jaguar Roadster, nach einer kurzen Rast nicht wieder anspringen mag. Aber wozu hat man Clubkameraden?

"Heiner, kannst du mal", bittet er schließlich einen anderen Endfünfziger um Hilfe, der auch umgehend mit einem Werkzeugkoffer herbeieilt. Kurz darauf erwacht der Sechszylinder wieder polternd zum Leben, und die Deutschland-Rallye kann fortgesetzt werden.

Der Geist der Kameradschaft und die Liebe zum historischen Automobil einen die etwa 1 500 Mitglieder des Allgemeinen Schnauferl-Clubs (ASC) von 1900. Der Begriff Schnauferl stammt vom Geräusch des sogenannten Schnüffelventils ab, das in den ersten Viertaktmotoren montiert war – für die Mitglieder des ASC pures Basiswissen.

Der Verein gehört heute zu den ältesten Automobilclubs weltweit und sicher auch zu den elitärsten: Zu den "Schnauferlbrüdern" der ersten Stunde zählten unter anderem Carl Benz, Gottlieb Daimler, Prinz Heinrich von Preußen und Ettore Bugatti. Aktueller Ehren-Schnauferlbruder ist Carl H. Hahn, der von 1982 bis 1993 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen war. Trotz seiner inzwischen 86 Jahre nimmt Hahn immer noch rege am Clubleben und an traditionellen Oldtimer-Fahrten des ASC teil.

Bunte Club-Mischung

Ehemalige Vorstände, Unternehmer, Lehrer, Ärzte – praktisch alle Berufsgruppen sind heute im ASC und seinen 14 Landesgruppen vertreten, erzählt Präsident Uwe Brodbeck. Der ehemalige Mercedes-Pressechef steht seit 2008 an der Spitze des ASC. Inzwischen gibt es in einigen Landesgruppen auch "Schnauferl-Damen" – Frauen, die sich für alte Autos begeistern.

Wer in den Club will, sollte in Oldtimern nicht nur alte Autos sehen und ein wenig Benzin im Blut haben – einen Oldtimer muss der Anwärter nicht zwingend in seiner Garage stehen haben. Der ASC ist zwar der Oldtimer-Club, dessen Mitglieder die meisten (Vorkriegs-)Messing-Autos besitzen – nimmt aber Enthusiasten auf, die noch auf der Suche nach einem passenden Gefährt sind. Der Jahresbeitrag liegt zwischen 150 und 250 Euro, je nach Landesgruppe.

Die Mitglieder nehmen nicht nur an zahlreichen Veranstaltungen des ASC teil, sondern erhalten auch die offizielle Vereinszeitschrift: "Das Schnauferl". Protzerei ist allerdings verpönt: Wer nur sein Garagengold zur Schau stellen will, muss damit rechnen, keine drei Bürgen zu finden und von der Aufnahme ausgeschlossen zu werden.

Der Ausblick ist einmalig. Vom siebten Stock genießt man einen perfekten Blick auf den Berliner Gendarmenmarkt, inklusive Konzerthaus, Deutschem und Französischem Dom – vorausgesetzt, man ist Mitglied im Capital Club. Gegründet wurde er 2001, Initiator war der frühere Deutsche-Bahn-Chef Heinz Dürr, der heute noch Präsident ist. Seitdem ist der Club auf etwa 1500 Mitglieder gewachsen, knapp 40 Prozent davon sind Frauen.

Sie treffen sich regelmäßig zu Galadinners oder lauschen Vorträgen. Gastsprecher in den vergangenen Monaten waren unter anderem Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube, SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier oder der damalige BDI-Präsident Hans-Peter Keitel. Anwärter brauchen zunächst die Empfehlung eines Mitglieds, danach muss noch das Aufnahmekomitee zustimmen. Die Mitglieder sind vor allem Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Kultur. Allerdings legt der Club Wert auf die richtige Mischung. Deshalb haben nicht nur erfahrene Manager mit guten Kontakten Chance auf Einlass, sondern auch kreative Jungunternehmer.

Vorausgesetzt, sie zahlen die Aufnahmegebühr von 4 300 Euro und den Jahresbeitrag von 1 375 Euro: Den Traumblick auf den Gendarmenmarkt gibt es nicht umsonst.

Frühstück neben George Clooney? Ein Absacker mit Til Schweiger? Das Soho House macht es möglich. Gegründet wurde der Club 1995 von dem Unternehmer Nick Jones. Er eröffnete in London das erste Soho House. Jones wollte sich von den ebenso traditionsreichen wie verstaubten britischen Herrenclubs absetzen, in denen die Männer nur in Anzug Zutritt haben und Frauen generell draußen bleiben mussten. Deshalb richtete er sich an eine jüngere Klientel, vor allem Kreative aus der Film-, Musik- und Medienbranche.

Inzwischen gibt es elf Clubs weltweit, darunter seit 2010 auch einen in Berlin-Mitte. Etwa 3 500 Mitglieder hat die Niederlassung in der Torstraße derzeit. Sie bietet nicht nur ein Restaurant und eine Bar, sondern insgesamt 65 Zimmer mit 18 bis 118 Quadratmeter Fläche, ein Spa, ein Kino mit 30 Sitzplätzen und einen Pool auf der Dachterrasse.

Interessenten müssen zunächst einen Antrag auf Mitgliedschaft von der Internet-Seite herunterladen und ausfüllen. Darauf sollen nicht nur zwei Mitglieder für den Anwärter bürgen. Erforderlich sind außerdem einige persönliche Angaben, ein Porträtfoto, ein Lebenslauf – und die Antwort auf die Frage: "Was würden Sie zu Soho House beitragen?" Wer das Bewerbungsverfahren übersteht und 200 Euro Aufnahmegebühr zahlt, kann zwischen verschiedenen Mitgliedschaften wählen.

Für 1 200 Euro Jahresbeitrag gibt es nur den Zugang zum Soho House Berlin. Wer 1 500 Euro zahlt, dem öffnen sich auch die anderen Häuser, etwa in New York oder London. Der US-Milliardär Ronald Burkle entschied sich kürzlich dafür, seine Mitgliedschaft nach zehn Jahren auszudehnen. Im Januar 2012 kaufte er 60 Prozent der Anteile. Eine Summe von umgerechnet knapp 300 Millionen Euro war ihm das wert. Mit dem Geld will Clubgründer Jones in den kommenden Jahren das Netzwerk ausbauen. Geplant sind neue Filialen unter anderem in Mumbai, Istanbul und Chicago.

Seine Geschichte ist so lang wie wechselhaft: Der Düsseldorfer Industrie-Club ist bereits 101 Jahre alt. Einen unrühmlichen Namen machte er sich im Jahr 1932. Damals lud der Club Adolf Hitler ein, um eine Ansprache über den Nationalsozialismus zu halten. Heute bezeichnet er sich bewusst als unpolitisch, erklärt sich strikt auf Wirtschaftsthemen fokussiert. In den Fünfzigerjahren erlangte er Berühmtheit als Altherrenclub der rheinischen Stahlindustrie, auch Konrad Adenauer gehörte einst zu den Mitgliedern.

Die drei Salons und sieben Clubzimmer eignen sich bestens für diskrete Treffen. Auch die Separees versprühen den Charme der Tradition. Seit 1997 verleiht der Industrie-Club einen Wissenschaftspreis, Mitglied der Jury ist auch Simone Bagel-Trah, die Aufsichtsratschefin des Düsseldorfer Persil-Herstellers Henkel.

Die Aufnahmegebühr für den Club liegt bei 1 000 Euro, der Jahresbeitrag beträgt 450 Euro. Trotzdem ist der Andrang groß, was die Struktur des Clubs verändert: Unter den 1 200 Mitgliedern sind nicht mehr in erster Linie Großindustrielle, sondern Ärzte, Werbefachleute und Rechtsanwälte – die den Club vermutlich nutzen, um neue Mandanten zu finden. Auch eine reine Altherrenrunde ist der Düsseldorfer Industrie-Club inzwischen nicht mehr. Seit 1977 dürfen zahlungskräftige Frauen Mitglied werden.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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