Mindestentgeltangaben in Stellenanzeigen Umstrittene Forderung

Mindestentgeltangaben in Stellenanzeigen sollen Frauen dabei helfen, ein gerechteres Gehalt zu bekommen. Sobald der Bundestag das "Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern" 2016 verabschiedet hat, sollen Unternehmen dazu verpflichtet werden. Während Gewerkschaften den jetzt von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig vorgelegten Entwurf begrüßen, kritisieren die Arbeitgeberverbände die Forderung.

Anne Koschik | , aktualisiert

Umstrittene Forderung

Mindestentgeltangabe-Stellenanzeigen

Foto: Sabine Naumann/Fotolia.com

"Das größte Problem ist der Wettbewerbsnachteil, den dadurch gerade kleine und mittlere Unternehmen erfahren, wenn sie nicht so hohe Gehälter zahlen können wie die Konzerne", erklärt Christina Ramb, Abteilungsleiterin Arbeitsmarkt der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). "Sie könnten bei den Bewerbern den Kürzeren ziehen, da die Unternehmen auf dem Raum einer Stellenanzeige ihre Vorteile gar nicht so darstellen könnten, wie es notwendig wäre."

Für Ministerin Schwesig ist die Forderung hingegen ein "Baustein" des Gesetzes: "Dann wissen Frauen und Männer, worum es geht und wie sie verhandeln können. Erfahrungen in Österreich zeigen, dass das gerade Frauen in den Gehaltsverhandlungen stärkt."

Frauen informieren sich schlecht:

Doch ist es wirklich die Transparenz, die Diskriminierung verhindert und Entgeltgleichheit fördert? Transparenz können zum Beispiel auch Gehaltsreports schaffen.

Wie aber eine Studie von karriere.de zeigt, ist das Interesse von Frauen ungleich geringer als das der Männer, mehr über ihre Gehaltsmöglichkeiten zu erfahren: Bei 1:2 lag das Verhältnis im Beobachtungszeitraum von rund vier Monaten zwischen August und November 2015 und bei rund 3.000 abgerufenen Gehaltsreports.

Tatsache aber ist: Das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen ist in Deutschland mit 22 Prozent höher als in manch' anderem EU-Land. Selbst in einem bereinigten Gender Pay Gap, der Faktoren wie Betriebsgröße, Branche, Teilzeitarbeit, Erwerbserfahrung oder Erwerbsunterbrechung berücksichtigt, liegt der Unterschied laut Statistischem Bundesamt noch bei sieben Prozent.

Die Verhandlungsposition für Frauen soll sich laut Ministerin Schwesig verbessern. Die Frage des Gehalts soll kein Tabuthema und keine "Blackbox" mehr sein, wie sie bei der Vorstellung des Gesetzesentwurfs formulierte.

Offenheit ist das eine – einen anderen Ansatz verfolgt die BDA: Die Bundesvereinigung hält es für sinnvoller, zum Beispiel bei der Erwerbsunterbrechung aufgrund fehlender Kinderbetreuung oder bei Fehlanreizen im Steuer- und Sozialsystem anzusetzen, um die Diskriminierung zu beseitigen.
 
Frauen schätzen Gehalt als nicht so wichtig ein:

Wie die aktuelle Ernst & Young-Studie über Werte, Ziele und Perspektiven von Studenten feststellt, haben Frauen zudem eine andere Wertigkeit: Ihnen ist bei der Wahl ihres künftigen Arbeitgebers die Jobsicherheit am wichtigsten – vor der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und dem Gehalt. Bei Männern dagegen rangiert das Gehalt an erster Stelle – vor der Jobsicherheit und dem Familiengedanken.

Frauen fordern zu wenig:

So ist es nicht verwunderlich, dass Frauen bei der Einschätzung ihrer Einstiegsgehälter weit von den Erwartungen der Männer entfernt liegen: Während diese mit 38.500 Euro rechnen, schätzen Frauen ihren Marktwert um etwa 17 Prozent geringer ein.

Für Gehaltsexpertin Claudia Kimich ist das nicht erstaunlich: Sie hält es für eine weibliche Schwäche, dass es Frauen so schwerfalle, über ihre Leistung zu sprechen, verriet sie in einem Interview der Münchner Abendzeitung. "Frauen verdrängen leider, dass Geld ein wichtiger Karriereschritt ist." Sie empfiehlt Frauen daher, in Gehaltsverhandlungen grundsätzlich 20 Prozent mehr zu verlangen. Das sei eine gute Verhandlungsgrundlage.

Ernüchternd ist eine aktuelle Umfrage auf spiegel.de, wonach rund 45 Prozent der Teilnehmer davon überzeugt sind, dass sich an der Lohnungerechtigkeit per Gesetz nichts ändern lasse, während ein Viertel daran glaubt, dass alle von einem solchen Gesetz profitieren könnten und ein Fünftel zumindest optimistisch darauf zugeht.

2016 wird sich zeigen, ob gute Wege zur Entgeltgleichheit beschritten werden können. 

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