Metallindustrie Moderne Alchemisten

Jessica Brinkbäumer verwandelt gewöhnliches Stahlblech in Edelmetall.

Kirstin von Elm | , aktualisiert

Die Fähigkeit, Metall in Gold zu verwandeln, trieb schon im Mittelalter die Alchemisten um. Geklappt hat das bekanntlich nie, doch moderne Chemiker haben ähnlich lukrative Metallveredelungsverfahren kreiert: Stahlbleche, die nicht rosten oder verkratzen, sich selbst reinigen und problemlos industriell verarbeiten lassen und zu alledem noch gut aussehen, sind in der Auto-, Bau- oder Hausgeräteindustrie ähnlich begehrt wie einst Gold. Damit Thyssen-Krupp Steel die Wünsche seiner Kunden besser erfüllen kann, forscht die promovierte Chemikerin Jessica Brinkbäumer für den Stahlkonzern an weiteren innovativen Methoden zur Oberflächenveredelung.

Seit knapp zwei Jahren arbeitet die 30-Jährige beim Tochterunternehmen Dortmunder Oberflächencentrum (DOC). Auf dem traditionsreichen Gelände der Dortmunder Westfalenhütte betreibt Thyssen-Krupp seit dem Jahr 2000 sein hochmodernes Entwicklungszentrum für Oberflächentechnik mit verschiedenen Labors und einer eigenen Pilotanlage zur Stahlbandproduktion. Rund 100 Wissenschaftler, Techniker und Ingenieure tüfteln dort an material- und energiesparenden Lösungen für die stahlverarbeitende Industrie. Außerdem bestehen Forschungskooperationen mit den Fraunhofer-Instituten für Werkstoff- und Stahltechnik (IWS) sowie für Schicht- und Oberflächentechnik(IST). Zu den aktuellen Vorzeigeprojekten gehören beispielsweise Stahlblechfassaden, die dank einer speziellen Lackierung Sonnenstrahlen in Heizenergie umwandeln und schon bald teure Glaskollektoren auf Büro- und Fabrikgebäuden ersetzen könnten.

Jessica Brinkbäumer dagegen entwickelt komfortable Materialien für die global produzierende Automobilindustrie. So zum Beispiel strapazierfähige Bleche, die einenwochenlangen Transport in salziger Seeluft oder quer durch alle Klimazonen rostfrei überstehen. Fast genauso wichtig wie ihr Fachwissen auf dem Gebiet der organischen Chemie sind dafür detaillierte Kenntnisse der Produktionsmethoden und Prozesse im modernen Autobau, die sich
die Naturwissenschaftlerin bei zahlreichen Ortsterminen und Projekttreffen angeeignet hat.

„An eine Karriere in der Stahlindustrie habe ich nie gedacht“, gesteht die Absolventin der Universität Münster, die wie die meisten ihrer Kommilitonen ganz klassisch an derUni promoviert hat. Erst eine Stellenanzeige des DOC brachte sie 2006 auf die Idee, sich bei Thyssen-Krupp in Dortmund zu bewerben. Ihr Fazit: „Stahl ist ganz schön vielseitig - genauwie die Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten, die ich hier habe.“

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