Mentoring „Ich versuche, Mut zu machen“

Lydia Sommer ist Geschäftsführerin von Nokia Siemens Networks Deutschland. Nach ihrem Bachelor-Abschluss in BWL an der Siemens Akademie im Jahr 1981 besetzte sie mehrere Positionen innerhalb des Technologiekonzerns, insbesondere im Bereich Finance und Controlling. Sie betreut 20 Mentees, davon zwei bei Nokia Siemens Networks und 18 in anderen Unternehmen.

Kirsten Ludowig | , aktualisiert

Frau Sommer, wie haben sich Ihre Mentor-Mentee-Beziehungen im Vergleich zu vor der Wirtschaftskrise, die den Druck auf Unternehmen und Mitarbeiter erhöht hat, verändert?
Ein paar von meinen Mentees kenne ich schon sehr lange und der Kontakt war in den letzten Jahren eher unregelmäßig. Mit Ausbruch der Krise intensiviert er sich wieder, die Mentees rufen mich öfter an oder bitten um ein persönliches Treffen. Dabei fragen sie mich häufig um Rat, wenn es darum geht, wie sie ihren Job behalten oder einen neuen finden können. Dabei ist das Thema Networking zum Beispiel sehr wichtig. Ich versuche Kontakte zu vermitteln und zum Teil auch Referenzen zu geben. Generell bewegt sich das Mentoring sehr stark in Richtung Situationsanalyse und Karriereentwicklung, also Coaching. Es ist wichtig zu fragen: Wollte ich immer das tun, was ich gerade tue? Oder vielleicht etwas ganz anderes?

Wie fühlen sich diese Mentees?
Die meisten von ihnen haben noch keine beruflichen Krisensituationen erlebt. Restrukturierung, Sparprogramm, Entlassung – das waren bis jetzt Fremdwörter. Sie sind enorm verunsichert, denn sie wissen nicht, was mit ihnen in Zukunft passiert und ob sie in ein paar Wochen noch einen Job haben. Dabei ist es besonders wichtig, dass Mentor und Mentee zueinander passen, sich gegenseitig vertrauen und die Schweigepflicht wahren.

Und wie unterstützen Sie als Mentorin?
Jede Krise bringt eine Veränderung mit sich und birgt nicht nur Risiken, sondern auch Chancen zur Weiterentwicklung – allerdings nur dann, wenn man flexibel darauf reagiert und nicht zu sehr an dem alten Job klebt. Das ist zugegebenermaßen schwer zu vermitteln, wenn ein junger, engagierter Mensch nach drei oder fünf Jahren plötzlich merkt, dass sein Job zur Disposition steht. Ich versuche dann die Bedenken zu schmälern, Mut zu machen und die Mentees ein Stück weit zu stabilisieren. Ganz nach dem Motto ,Es geht immer weiter!’ Unter meinen Mentees sind aber auch Führungskräfte, die gegebenenfalls Mitarbeiter entlassen oder zur Veränderung bewegen müssen. Die muss ich natürlich auch unterstützen. Viele machen sich Vorwürfe, weil sie ihren Job behalten und ihre Mitarbeiter gehen müssen. Das muss auch verkraftet werden.

Welche Erfahrungen haben Sie beruflich mit Veränderungsprozessen und Krisen gemacht?
Ich habe Krisen durchlebt und genau diese Erfahrung gemacht: Man kann nahezu jede unangenehme Situation durchstehen, wenn man sie als Herausforderung sieht und nach dem positiven Aspekt sucht. Das ist der Grundgedanke, den ich jedem meiner Mentees mit auf den Weg gebe. Vielleicht kommt ja auch ein Auslandsaufenthalt oder ein Sabbatical infrage?

Sie stehen mehr als 25 Jahre im Beruf, haben Sie einen Mentor?
Nein, leider nicht. Zumindest keine offiziell als Mentor titulierte Vertrauensperson. Das Thema Mentoring kam erst später auf. Aber ich habe mir in bestimmten Phasen meines Berufslebens immer entsprechende Bezugspartner gesucht, an denen ich mich orientiert habe. Und ich weite natürlich mein Netzwerk aus und pflege Kontakte.

Und was lernen Sie von Ihren Mentees?
Dadurch, dass sie in der Regel jünger sind, haben einige eine andere Einstellung zum Job. Ich war kürzlich auf dem IT-Gipfel und da ging es auch um den Arbeitsplatz der Zukunft. Junge Menschen wollen jetzt den Job in der Firma machen, der ihnen jetzt Spaß macht. Das kann aber in fünf Jahren ganz anders sein. Als ich beruflich anfing hatte man einen intensiveren Bezug zu einem Unternehmen. Das hat sich gewandelt. Solche Veränderungen zu verstehen ist für mich wichtig, denn ich will junge Menschen auch in Zukunft weiter einstellen, motivieren und vor allem halten.

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