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Workaholic Mal wieder Nachtschicht im Büro? Sieben Anzeichen dafür, dass Sie arbeitssüchtig sind

Wer auf Dauer keinen Feierabend kennt, kann ernsthaft krank werden.

Von Lazar Backovic und Mona Fromm |

Egal ob normaler Angestellter, Manager oder Unternehmer – viele Menschen haben die Gewohnheit, viel zu arbeiten, und den Wunsch, im Job erfolgreich zu sein. Das spiegelt sich oft auch in den Bürozeiten wider.

Allein im ersten Halbjahr 2019 haben Beschäftigte in Deutschland fast eine Milliarde Überstunden geleistet – die Hälfte unbezahlt.

Gerade am oberen Ende der Hierarchieebene, werden Überstunden erst gar nicht gezählt.

Nachtschichten oder Anrufe in den Abendstunden sind bei Konzernmanagern oft mit dem Gehaltsscheck abgegolten, bei Unternehmern sind sie nicht selten Teil des Selbstverständnisses.

Begriffe wie „Workaholic“ gelten in solchen Sphären weniger als Krankheitsbild denn als Tugend. Doch: Wer zu lange zu viel leistet, kann krank werden.

Glaubt man einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD), bezeichnen sich aktuell knapp 20 Millionen Deutsche als Workaholics. Experten gehen davon aus, dass es um die 200.000 bis 300.000 akut Arbeitssüchtige in Deutschland gibt.

Die Grenzen zu anderen Erschöpfungssyndromen sind fließend. Das macht die Datenlage schwierig – und auch die Abgrenzung zu anderen klar benennbaren Abhängigkeiten und Süchten. Oft berichten Betroffene von Beschwerden wie einem Burn-out, Depressionen oder anderen Suchterkrankungen, nicht selten sind Tabletten oder Alkohol im Spiel.

Betroffenen handelten in der Regel erst, wenn „sekundäre Probleme“ auftreten würden, weiß Andreas Wahl-Kordon, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, der viele Fälle von Arbeitssucht in Deutschland kennt und therapiert. Heißt: Erst, wenn der Körper streikt und Beschwerden wie Bluthochdruck, Schlafstörungen oder Magengeschwüre auftreten, werden die Warnsignale einer Arbeitssucht auch ernstgenommen.

Check: Sind Sie arbeitssuchtgefährdet?

Doch wie findet man heraus, ob man arbeitssüchtig ist? Wissenschaftler der norwegischen Universität Bergen haben ein Instrument entwickelt, um Arbeitssucht zu messen: Die „Bergen Work Addiction Scale“. Die Experten haben sieben Kriterien identifiziert, die auf folgender Skala bewertet werden: (1) trifft niemals zu, (2) trifft selten zu, (3) trifft gelegentlich zu, (4) trifft oft zu, und (5) trifft voll zu. Wie schätzen Sie sich ein?

Die zu bewertenden Kriterien sind:

● Sie denken oft darüber nach, wie Sie sich mehr Zeit für die Arbeit verschaffen können.
● Sie benötigen oft oder immer deutlich mehr Zeit für Ihre Arbeit als Sie ursprünglich eingeplant hatten.
● Sie arbeiten oft, um Gefühle wie Schuld, Angst, Hilflosigkeit oder Niedergeschlagenheit zu reduzieren.
● Ihnen wurde schon mal von anderen geraten, beruflich kürzerzutreten – aber das haben Sie ignoriert.
● Sie geraten in innere Unruhe, wenn Sie nicht arbeiten können.
● Sie vernachlässigen oft Hobbies oder Freizeitaktivitäten zugunsten Ihrer Arbeit.
● Ihre Arbeit hat sich schon einmal negativ auf Ihre Gesundheit ausgewirkt

Wer vier Mal oder häufiger „trifft oft zu“ oder „trifft voll zu“ antwortet, gilt laut den Wissenschaftlern als arbeitssuchtgefährdet.

Die Bergener Arbeitssucht-Skala wurde von der Fakultät für Psychologie der Universität Bergen in Kooperation mit der Bergen Clinics Foundation und der britischen Nottingham Trent University entwickelt. Basis war eine Studie mit mehr als 12.000 norwegischen Beschäftigten aus 25 Branchen.   

Hilfe: Was tue ich, wenn ich arbeitssüchtig bin?

Die Auswertung ist natürlich nur ein erster Indikator für eine mögliche Arbeitssucht und ersetzt keinesfalls eine ärztliche Diagnose.

In Gesprächen mit Experten wie Psychologen oder Psychotherapeuten gilt es in erster Linie herauszufinden, ob der hohe Arbeitseinsatz nur eine Momentaufnahme ist oder eher Dauerzustand.

Schließlich können gehäufte Überstunden auch dadurch motiviert sein, die nächste Stufe der Karriereleiter erreichen zu wollen. Das Überengagement muss sich jedoch nicht unbedingt nach der erreichten Beförderung fortsetzen. All das sollte man in Sitzungen mit Experten besprechen.

Akut Arbeitssüchtige können sich auch stationär behandeln lassen. Oft sind weitere Erschöpfungssyndrome wie Burn-out oder eine diagnostizierte Depression Ursache für einen Klinikaufenthalt. Im Vordergrund einer solchen Akut-Behandlung steht der Umgang mit dem eigenen Suchtverhalten.

Zusätzlich kann eine Familientherapie sinnvoll, weil durch die Arbeitssucht oft die Beziehungen zu Partnern und Kindern belastet sind.

Adressen: Für Angehörige und zur Selbsthilfe

Wer den Eindruck hat, dass er oder ein Angehöriger arbeitssüchtig ist, sollte das Gespräch mit Psychotherapeuten, Psychiatern oder klinischen Psychologen suchen.

Flankierend dazu können auch Selbsthilfegruppen eine Unterstützung bieten. Auf der Seite der „Anonymen Arbeitssüchtigen“  gibt es Informationen zu regelmäßigen Treffen und telefonischer Beratung.

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