"The Real-Life MBA" MBA-Wissen auf 242 Seiten

Manager-Legende Jack Welch preist sein Buch über das echte Manager-Leben als Ersatz für ein Studium – und hat damit großen Erfolg. Auf dem Campus geht es aber um mehr.

Axel Gloger |

MBA-Wissen auf 242 Seiten

MBA-Wissen im Selbststudium – Jack Welch hilft

Foto: denisismagilov / fotolia.com

Nach Jahren im Beruf kommt oft das Gefühl "Ich könnte doch mal etwas Neues lernen". Noch einmal zurückgehen an die Hochschule, für einen Master of Business Administration, einen MBA? Das machen rund 6.000 Berufstätige hierzulande jedes Jahr, ermittelte der Dienstleister Education Consult. Etliche allerdings schaffen diesen Schritt nicht – Gründe gibt es viele.
Jack Welch preist nun ein Buch als Alternative zum Studium an: seines. Das Werk "The Real-Life MBA" soll auf 242 Seiten das Wissen für den nächsten Karriereschritt vermitteln. "Das Beste, was man an einer Business School lernen kann, so eingedampft, dass es in eine Nussschale passt", pries Welch bei der Vorstellung.

Selbstbewusster und dicker aufgetragen geht es kaum. Doch wenn Amerikas Über-CEO sich mit einem Buch zu Wort meldet, greift das Publikum zu. Schon kurz nachdem "The Real Life MBA" im Frühjahr 2015 auf den Markt gekommen war, hatte das Werk einen Platz auf der "New York Times"-Liste der bestverkauften Ratgeberbücher erobert.

Schlüsselbotschaften eines steilen Aufstiegs

Als Sohn eines Schaffners bei der Bahn arbeitete sich der heute 79-Jährige in die Top-Liga jener Chefs hoch, für die rund um die Uhr ein Firmenjet vollgetankt bereitsteht. 20 Jahre führte er als Vorstandschef den US-Industriegiganten General Electric (GE). Als er im Jahr 2001 abtrat, galt das Unternehmen an der Börse als eines der wertvollsten der Welt.

Den Erfolg hat der Management-Senior also auf seiner Seite, und jetzt lässt er seine Leser an seinen Weisheiten und Überlebenstipps teilhaben. Eine der Schlüsselbotschaften Welchs: "Du kannst nicht scheitern." Das klingt nach dem typischen Alphamännchen-Code, mag mancher denken. Aber dieses "You cannot fail" machte Welch zu seinem beruflichen Mantra.

Die Gründe, nicht für einen MBA an eine Business-School zu gehen, liegen für Welch auf der Hand: "Man ist zwei Jahre raus, muss den Beruf unterbrechen." In dieser Zeit verzichte man auf Lohn. "Und während die Kollegen weiter befördert werden, ist man weg vom Aufzug nach oben." Dieser Verzicht, dazu die Studiengebühren und die Lebenshaltungskosten summierten sich, so Welch, bei dem in den USA üblichen zweijährigen Studium zu Kosten von umgerechnet 265.000 Euro.

"Deshalb das Buch", sagt Welch. "MBA-Stoff zum Nachlesen gab es in dieser Form noch nicht." Mit seinem Werk wolle er Berufstätigen, die in ihrer Karriere weiter vorankommen wollen, etwas an die Hand geben. "Ein paar Werkzeuge, die jeder Aufsteiger brauchen kann." Co-Autorin des in Englisch erschienenen Werkes ist Suzy Welch, Journalistin und Ehefrau Nummer drei.

Negativ-Mantras aus den Gedanken verbannen

Es geht ihm darum, unproduktiven Denkmustern im eigenen Kopf den Platz zu verweigern. Projekt gefloppt? Neuen Kollegen eingestellt, der jetzt das Team zerrüttet? Produkteinführung vom Vorstand ohne Grund gestoppt? "Da sollte man sich bloß nicht von schlechten Gefühlen einfangen lassen. Die blockieren auf dem Weg zum Erfolg", schreibt Welch. "So ein Ereignis ist erst vorbei, wenn es raus ist aus deinem Kopf." Sein Rat: Am besten gar nicht erst an Wörter wie "Scheitern" denken.

Das ist das Muster all seiner Tipps. Aus dem Leben geschöpft, mit Anekdoten garniert, nicht akademisch, ohne jede Theorie. Ihr Autor hat sie so sortiert, dass sein Versprechen vom "MBA in der Nussschale" durchaus glaubhaft ist – mit seinen praktischen Ratschlägen arbeitet er Themen ab, die auch Teil des Managementstudiums sind. Welch erklärt die ewig gültigen Regeln des Geschäfts, er liefert das Finanzwissen, das jeder Praktiker braucht, und stellt Lektionen zu den Themen Marketing, Führungsstärke im Team, Krisenmanagement und Selbstführung zusammen.

So formt sich die Botschaft des Buches: "Du kannst auch ohne formalen MBA-Abschluss ganz nach oben kommen." Der Autor lenkt damit den Blick auf Typen wie ihn, wie Bill Gates, wie Warren Buffett, die Karriere ganz ohne Studium an Elite-Business-Schools gemacht haben. Sein Appell: "Lernt, wann immer es geht!"

Carlota Ribeiro Ferreira folgte diesem Aufruf. Die portugiesische Unternehmerin kaufte das Werk an dem Tag, als es in die Regale kam. "Der Stoff des Buches ist zu wichtig, um ihn mal eben in der Pause oder in der Freizeit zwischen tausend anderen Dingen zu lesen." Sie nahm sich im Sommer ein paar Tage frei, tauchte tief in das Werk ein, freut sich im Rückblick über diese Auszeit. "Ich war überrascht, wie viel ich lernen konnte." Sie sei mit neuer Energie in ihren beruflichen Alltag zurückgekehrt.

Die Geschichten im Buch sind gut erzählt. Aber können die etwas mehr als 200 Seiten wirklich das liefern, was ein MBA-Studium bringt? Auch Autor Welch hat schon einmal auf einen Vorteil des Studiums verwiesen: An den Toren der Business-Schools stünden "Beratungsfirmen und Investmentbanken. Sie warten auf MBA-Absolventen, die sie direkt vom Campus anheuern." Wer an einer Top-Hochschule studiert, bekommt den gut dotierten Job gleich mitgeliefert. Überdies gibt es Anleitung durch akademische Lehrer, prägende Erfahrungen im Team, man lernt voneinander.

Klare Regeln ohne viel Federlesens

All das kann kein Buch leisten. Es ist nicht mehr – aber auch nicht weniger – als ein Fundus lebenspraktischen Wissens. Manche Managementbücher werden nur gekauft, damit man sie hat. Bei Welch wäre das schade, denn viele seiner Ratschläge wurden in der Praxis längst zu bewährten, aber selten erklärten Standards.

Sein "Fix it, sell it or close it" verdichtet Wissen, das zu übermitteln mancher Professor ein ganzes Semester braucht, auf einen Sieben-Wort-Satz. Frei übersetzt lautet er: Ein Geschäft, das nicht gut läuft, wird in Ordnung gebracht, verkauft – oder dicht gemacht, und zwar ohne viel Federlesens.

Mit solch einfachen Regeln stellte Welch oft weniger klar daherkommende Weisheiten aus dem MBA in den Schatten.

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