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Recruiting im Fachkräftemangel Mit diesen 7 Tipps enttarnen Sie unfähige ITler

Gute Software-Entwickler, SAP-Experten und IT-Projektmanager sind schwer zu finden. Mit dieser Anleitung trennen Sie die digitale Spreu vom Weizen.

Management | Von Lazar Backovic und Claudia Obmann |

Mit diesen 7 Tipps enttarnen Sie unfähige ITler

Programmierer im Einsatz

IT-Experten sind rar. Da bleibt es nicht aus, dass sich auch unfähige Kandidaten unter die Bewerberschar mischen.

Foto: imago images / Science Photo Library

Das Programm des Textilbetriebs am Niederrhein war uralt. Sicherheitsupdates gab es schon lange keine mehr für die Software. Stattdessen fiel dank des altersschwachen Programms immer wieder die Produktion aus.

Manchmal musste die Firma sogar extra Nachtschichten fahren, um die Aussetzer zu kompensieren. Die kleine Firma und ihr Millionenumsatz hing an einem einzigen Faden aus Nullen und Einsen. Ein neuer ITler musste her, klar – doch der erste Kandidat, der anbiss, suchte schon nach wenigen Tagen das Weite.

So wie dem Mittelständler geht es vielen Unternehmen vom Konzern bis zum Kleinunternehmen in Deutschland. 82.000 IT-Fachkräfte fehlen aktuell in Deutschland, so viele wie noch nie.

Wie in jeder anderen Branche, gibt es auch in der IT gute und schlechte Fachkräfte. Das weiß auch Uwe Post, IT-Berater aus dem Ruhrgebiet: „Nur sind die guten besonders schwer zu finden.“

Diese Tipps helfen bei der Auswahl von fähigem IT-Personal und minimieren das Scharlatan-Risiko:

Referenzen einfordern

Tabellarische Lebensläufe von Programmierern wirken oft beeindruckend, vor allem wenn darin renommierte Firmen als Arbeit- oder Auftraggeber aufgelistet sind. Lassen Sie sich Kontaktdaten vorheriger Vorgesetzter oder Kunden geben und fragen Sie dort nach konkreten Erfolgen und der Arbeitsweise des potenziellen Mitarbeiters, speziell nach Auffassungsgabe, Problemlösungs- und Umsetzungsstärke sowie Termintreue.

Ausführliche Profilangaben verlangen

Legen Sie Wert auf ausführliche und konkrete Angaben zu den persönlichen Schwerpunkten, Erfahrungen und Zusatzfähigkeiten des Bewerbers. Wenn Sie einen App-Programmierer benötigen, nutzt Ihnen ein erfahrener Großrechner-Spezialist nichts. Aber vielleicht kommt ein Spieleprogrammierer infrage, wenn Sie das interaktive Bordsystem des Elektroautos von morgen kreieren wollen.

Die Leistungen sollten auf Nachfrage sachlich dargestellt werden, missverständliche oder marktschreierische Formulierungen sind ein Warnsignal: Achtung, Blendergefahr!

Arbeitsproben einsehen

Hat ein Programmierer erfolgreich neue Anwendungen entwickelt, kann er in der Regel auf Arbeitsproben verweisen, um einen neuen Chef von seinen Fähigkeiten und seiner Kreativität zu überzeugen.

Wer dagegen im Hintergrund Prozesse optimiert oder an der Digitalisierung interner Abläufe geschraubt hat, sollte vom vorherigen Arbeitgeber erfolgreiche Resultate bescheinigt bekommen.

Vermittlungskompetenz checken

„Kommunikationsstärke ist besonders wichtig im IT-Umfeld“, sagt Marlene Pöhlmann. Sie leitet die Berliner Niederlassung des Personaldienstleisters Robert Half, der auf die Vermittlung von IT-Fachkräften spezialisiert ist. Über den Programmierauftrag, die notwendigen Zwischenschritte und -ergebnisse, aber auch über auftretende Probleme bei der Umsetzung müssen sich Programmierer und Auftraggeber austauschen können.

Wenn Arbeitgeber selbst auf Nachfrage nur jedes dritte Wort verstehen, weil es im Gespräch Abkürzungen und Fachbegriffe hagelt: Vorsicht! Pöhlmann: „Der kompetente IT-Spezialist hört zu und wird dann nachvollziehbare Vorschläge zum konkreten Projektablauf machen.“

Geldgier abklopfen

Stark gefragt sind Softwareentwickler besonders mit Kenntnissen von Programmier- und Datenbanksprachen wie Java, Node.js, C, C++, C#, PHP, SQL oder mit Know-how in mobilen Betriebssystemen.

Aber auch IT-Projektmanager mit Erfahrung in den Managementtechniken Scrum oder Kanban sowie Qualitätssicherungsspezialisten mit Testexpertise und IT-Security-Experten.

Achtung: Auch diese gefragten Spezialisten sollten marktübliche Honorare akzeptieren. Wer deutlich mehr fordert, wird wenig Loyalität gegenüber dem Projekt zeigen und vermutlich beim nächsten, besseren Angebot weiterziehen.

Augen auf beim Outsourcing

Gut überlegen, ob die Verlagerung von IT-Entwicklung, sei es ins europäische Ausland oder nach Indien, der geeignete Weg ist. In der Praxis kann das Outsourcing aufreibend sein, es drohen Sprachbarrieren und kulturelle Konflikte durch unterschiedliche Auffassungen von Verantwortung, Arbeitsweisen oder Umgang mit Kritik.

Im schlimmsten Fall müssen Entwicklungsprojekte von teuren einheimischen Fachleuten nachgebessert werden – und dann wurde am falschen Ende gespart. 

Pair Programming erwägen

„Es hilft nichts, einem neuen Programmierer einfach eine Dokumentation hinzuknallen“, sagt IT-Berater Post. Besser sei es – gerade in der Einarbeitungsphase –, sich mit dem Entwickler hinzusetzen und nach dem Vier-Augen-Prinzip am Code zu arbeiten. Pair Programming nennt sich dieses Vorgehen im ITler-Jargon.

Und nebenbei erkennen Sie, wo Stärken und Schwächen des Neulings liegen.

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