MBA-Programme Warum Deutschland erst jetzt mit namhaften Business Schools aufrückt

Die Zahl der MBA-Programme und Wirtschaftsstudiengänge wächst, doch unter den weltbesten Hochschulen finden sich kaum deutsche. Dabei ist die Qualität der Ausbildung nicht schlechter.

Melanie Croyé |

Warum Deutschland erst jetzt mit namhaften Business Schools aufrückt

Lange Tradition

In Deutschland zählt der Doktortitel mehr als der MBA.

© dpa

Dafür, dass er vor 25 Jahren hierzulande nahezu unbekannt war, hat er sich prächtig entwickelt: Der Abschluss mit dem etwas sperrigen Titel Master of Business Administration (MBA) gilt längst nicht mehr nur in angelsächsischen Ländern als Top-Visitenkarte für Manager. Über 280 MBA-Studiengänge gibt es allein in Deutschland, die spezialisierten Master-Angebote eingerechnet sind es sogar knapp 500 – Tendenz steigend.

Internationaler Vergleich:
In MBA-Rankings noch weit hinten

Doch während man heute sogar in Biberach und Buxtehude einen MBA machen kann, sind deutsche Angebote im Spitzensegment eher nicht vertreten. In den einschlägigen Rankings der weltbesten Business-Schools muss man ziemlich weit nach unten blicken, um auf deutsche Schulen zu stoßen.

Im Global MBA Ranking der Financial Times findet sich die Mannheim Business School auf Platz 54, die ESMT aus Berlin auf Platz 70 — das war’s.

Attraktivität:
Doktortitel vor MBA

Sind deutsche Hochschulen aber tatsächlich so viel schlechter als die internationale Konkurrenz? Ganz so einfach ist es nicht. "Unser Universitätssystem war sehr lange auf Diplom und Promotion ausgerichtet", sagt Andreas Pinkwart, langjähriger Rektor der Business-School HHL in Leipzig und heute Wirtschaftsminister in Nordrhein-Westfalen.

In vielen Firmen sei noch immer der Doktortitel die Eintrittskarte für Spitzenjobs, die in anderen Ländern von MBA-Absolventen ausgefüllt würden. "Deshalb hat der MBA in Deutschland bis heute nicht die Attraktivität für Top-Führungskräfte, sondern wird eher als Ergänzung wahrgenommen."

Nutzen:
Gehaltssprünge um 100 Prozent

Das spiegelt sich auch in den Gehältern. Laut Financial Times können Absolventen der besten internationalen MBA-Programme mit einem Jahressalär von 150.000 Dollar rechnen – mindestens. Mit einem Abschluss von Harvard oder Insead sind Gehaltssteigerungen von 100 Prozent und mehr möglich, deutsche Business-Schools kommen da nicht mit.

Die Krux: Viele Rankings berechnen die zu erwartenden Gehaltssteigerungen bei der Bewertung der Business-Schools mit ein. "Wenn Gehalt keine Rolle spielt, schneiden die deutschen Hochschulen in den Rankings deutlich besser ab", sagt Nick Barniville von der ESMT.

Karriereschema:
Aufsatteln parallel zum Job

Zudem liegt der Schwerpunkt hierzulande vor allem auf berufsbegleitenden Programmen. Dass Führungskräfte mit Berufserfahrung zurück an die Hochschule gehen, passt nicht in das klassische Karriereschema. Für Ralf Bürkle von der Mannheim Business School ist das eine der größten Herausforderungen. "Die Weiterentwicklung von Mitarbeitern machten bei uns lange Zeit nicht Business-Schools und Universitäten, sondern vor allem spezialisierte Dienstleister und Unternehmensberater – oder ausländische Business-Schools."

Daher habe man bei den Unternehmen erst das Bewusstsein schaffen müssen, dass es auch in Deutschland hochwertige MBA-Angebote gibt. Mit Erfolg, glaubt Bürkle: "Wir werden nun auf Augenhöhe wahrgenommen."

Deutsche Anbieter:
Private stärker als staatliche Business Schools

Mit der Mannheim Business School, der ESMT, der WHU Otto Beisheim School of Management in Vallendar, der HHL Leipzig Graduate School of Management und der Frankfurt School haben sich inzwischen einige private Hochschulen einen exzellenten Ruf erarbeitet.

Bei den staatlichen Anbietern macht aktuell vor allem die TU München von sich reden, die mit der Schwarz-Stiftung gerade einen zweiten Campus in Heilbronn plant. Auch die Uni Köln bietet einen Executive MBA an.

"Vor fünf Jahren sah das Bild noch anders aus", sagt Bürkle. Dass Deutschland anders als Spanien oder Frankreich erst jetzt namhafte Business-Schools hervorbringt, hat auch historische Gründe. Der hiesige Bildungsmarkt wurzelt in staatlichen Institutionen, der amerikanisch geprägte MBA wird aber vor allem von privaten Hochschulen angeboten. "Wir sind später gestartet, aber in zehn Jahren wird das Bild anders aussehen, ganz sicher", sagt WHU-Rektor Markus Rudolf.

Aufwertung:
Raus aus dem Nischendasein

Außerdem weist er darauf hin, dass die deutschen Anbieter bei anderen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen deutlich besser abschneiden. Beim "Masters in Management"-Ranking der Financial Times liegt die WHU auf Platz 7, insgesamt finden sich vier deutsche Anbieter unter den Top 20.

Amerikanische Business-Schools liegen hier tendenziell hinter den europäischen. Rudolf vergleicht die Situation mit dem Sport: Während Baseball in den USA Nationalsport ist, fristet er bei uns ein Nischendasein. Beim Fußball ist es umgekehrt. Das Interesse wachse zwar – aber langsam.

Die deutschen MBA-Programm haben also noch Luft nach oben, auch weil sie in der Breite nicht so global aufgestellt sind wie andere.

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...