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Kommentar Corona-Hausarrest ist auch eine Chance

Die Auszeit eignet sich hervorragend, um erste Schritte in ein neues Leben zu machen, findet unsere Autorin. Beruflich, familiär und für sich selbst.

Arbeit und Coronavirus | Von Angelika Ivanov |

Existenzangst, Panik, Ahnungslosigkeit und Kontrollverlust sind gerade Gefühle, die viele Menschen auf der Welt gleichzeitig durchleben.

Dabei lieben wir Deutschen doch eins ganz besonders: Sicherheit. Diese wird aktuell bedroht. Das perfide dabei ist: Der Feind ist kein anderer Mensch. Unser Gegner Sars-COV-2 ist für das bloße Auge unsichtbar.

Wir können auch nicht davor wegrennen, es aktiv bekämpfen, wie es die Gefühle Panik und Stress unserem Körper befehlen. Stattdessen müssen wir etwas anderes, fast Unnatürliches, tun: Tief durchatmen und besonnen bleiben. Vorsichtsmaßnahmen einhalten. Uns isolieren, wo wir doch in Krisenzeiten sogar Fremden zur Seite stehen und ihre Hand halten.

Mit pochendem Herzen und Angstschweiß unterm Arm muss jede und jeder mit widersprüchlichen Gefühlen und Körpersignalen umgehen. Im Hausarrest.

Besser als jeder Achtsamkeitspodcast

Da wirkt der Ruf nach Besinnung und Auszeit fast zynisch. Doch in ihr steckt eine große Chance. Denn zum einen gibt sie der vermeintlich „nutzlosen“ Zeit einen Sinn. Sobald wir in etwas Sinn sehen, können wir es besser aushalten. Und damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe.

Denn wer nicht gerade im Supermarkt, der Pflege oder in einem Krisenstab arbeitet und gesund ist, hat nur die Aufgabe, sich zu isolieren und „auf sein Leben klar zu kommen.“ Auf einmal wird Zeit frei, die wir zuvor im Fitnessstudio, beim Feierabendbier, auf der Autobahn oder im Restaurant verbracht haben.
Was tausende Achtsamkeitspodcasts zuvor nicht geschafft haben, haben wir jetzt plötzlich und schmerzlich von der Regierung verordnet bekommen: Einfach mal die Füße still halten.

Bei sich selbst hinsehen: Was will ich?

Zeit sich die großen Fragen zu stellen und in seinem Inneren aufzuräumen. Wie lebe ich mein Leben? Bin ich glücklich? Wen habe ich seit Jahren vernachlässigt? Vielleicht ist die Antwort: mich selbst.

Denn im Hamsterrad der Selbstverwirklichung steigen in den vergangenen Jahren statistisch die Zahlen der psychisch Erkrankten. 19 Prozent der Krankentage sind auf psychische Belastung und Stress zurückzuführen, zeigt eine Erhebung der Techniker Krankenkasse. Das ist der höchste Wert im Vergleich zu anderen Diagnosen wie etwa Rückenschmerzen.

Vielleicht ist es Zeit, diese Entwicklung zu stoppen und bei sich selbst hinzusehen. Das kann ein neuer Beruf sein, der andere Seiten und Fähigkeiten fordert. Oder auch nur kleine Veränderungen, wie seine Arbeitszeit auf weniger Stunden reduzieren zu wollen. Oder sich vorzunehmen, doch mal nach mehr Geld zu fragen.

Inspiration suchen – ohne Druck von außen

Vielleicht sind es zwei Tage Homeoffice die Woche und flexiblere Zeiten, um die Familie auch nach der Krise mehr um sich zu haben. Vielleicht wird deutlich, dass Sie schon immer in eine andere Stadt ziehen wollten. Etwas Neues studieren. Oder endlich fließend Französisch zu sprechen.

Notieren sie doch einfach mal diese Wünsche und Ideen, wie verrückt sie auch sein mögen. Wenn nicht gerade jetzt, wann können Sie sonst ohne Druck und Kommentare von außen handeln?

Suchen sie online nach Menschen, die diese Idee verwirklicht haben. Lassen Sie sich inspirieren von Artikeln, Büchern, Ted-Talks. Knüpfen sie via LinkedIn und Xing neue Kontakte. Es sitzen doch sowieso alle vor dem Rechner und sind vermutlich glücklich, wenn sie jemandem helfen können.

Und wenn alles vorüber ist – es endlich einen Impfstoff gibt und wir den Restaurantbesuch mit Freunden wieder neu schätzen –, haben Sie vielleicht erste Schritte in ein neues Leben gemacht.

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