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Interview über Bürokämpfe „Männer sabotieren häufiger als Frauen“

Echt unfair: Beim Kampf um Bonus und Beförderung gewinnt, wer unerlaubte Mittel einsetzt.

Von Michael Scheppe |

Konkurrenz unter Kollegen – das ist in Deutschlands Unternehmen alltäglich. Schließlich kann nur einer die Teamleitung bekommen, nur ein Investitionsprojekt wird realisiert und nicht jeder bekommt eine Gehaltserhöhung.

Im Extremfall kann aus Missgunst Mobbing werden – mit dem Ziel, den Fein im Büro um jeden Preis loszuwerden.

Übertriebenes Konkurrenzdenken im Job gilt heute vielfach als Symbol einer „toxischen Männlichkeit“, die weibliche Führungskräfte am Aufstieg hindere.

Ein neues Experiment zeigt, dass Männer in der Tat mehr Zeit in Wettbewerb investieren als ihre weiblichen Kollegen.

„Männer sabotieren häufiger als Frauen und investieren mehr Zeit, um die Performance ihrer Arbeitskollegen zu senken“, sagt Petra Nieken, die am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) den Lehrstuhl für Human Ressource Management leitet.

Das liege aber nicht daran, weil Männer sich in ihren Moralvorstellungen von dem anderen Geschlecht unterscheiden würden. Sie gingen aber davon aus, dass es im Büro viel feindseliger zugeht als es in Wirklichkeit der Fall ist, so die Wissenschaftlerin. „Folglich sabotieren sie auch mehr, um den Bonus oder die Beförderung zu bekommen.“

Das Experiment zeigt auch: „Männer werden häufiger befördert, weil sie ihre Konkurrenten durch Sabotage klein halten.“

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Frau Nieken, wer schürt den Konkurrenzkampf im Büro – Frauen oder Männer?

Ganz klar: die Männer. Sie sabotieren häufiger als Frauen und investieren mehr Zeit, um die Performance ihrer Arbeitskollegen zu senken, indem sie beispielsweise Mails nicht weiterleiten, versuchen die Büronachbarn bei Vorgesetzten schlecht zu reden oder Meetings immer an die Tage legen, an denen der Konkurrent nicht da ist.

Sind die Männer also das böse Geschlecht?

Nein, Männer sind nicht böse, sie unterschieden sich auch nicht in ihren Moralvorstellungen von Frauen. Was den Verhaltensunterschied in unserem Experiment erklärt: Männer überschätzen das Ausmaß der Sabotage systematisch.

Sie gehen fälschlicherweise davon aus, dass es im Büro viel feindseliger zugeht als es in Wirklichkeit der Fall ist. Folglich sabotieren sie auch mehr, um den Bonus oder die Beförderung zu bekommen.

Frauen schätzen das Ausmaß der Sabotage übrigens sehr realistisch ein – und hintergehen ihre Kollegen deshalb auch seltener.

Sind Männer auch eher in Führungspositionen, weil sie ihre Kollegen häufiger sabotieren?

In unserem Experiment haben die Männer häufiger gewonnen als die Frauen – trotz vergleichbarer Leistungen. Übertragen auf die Bürosituation könnte das bedeuten: Männer werden häufiger befördert, weil sie ihre Konkurrenten durch Sabotage klein halten

Das sendet falsche Signale, weil systematisch die falschen Personen bevorzugt werden, diejenigen nämlich, die unerlaubte Mittel einsetzen. Dabei verlieren alle: die Mitarbeiter, deren eigentliche Leistung nicht belohnt wird, diejenigen, die für ihre Sabotage viel Zeit aufwenden und deshalb unproduktiv sind – und die Firma.

Und wenn jemand den Männern sagt, dass ihre Umwelt gar nicht so kompetitiv ist, wie sie das glauben?

Dann passen Männer ihre Erwartungen an und reduzieren ihr Sabotage-Verhalten tatsächlich auf das Level von Frauen.

Das ist eine wichtige Erkenntnis für Führungskräfte: Wenn sie ihren Mitarbeitern klar machen, dass so ein Verhalten im Büro sanktioniert wird und nicht diejenigen befördert werden, die die größten Intrigen spinnen, dann haben auch Männer keinen Anreiz mehr, ihre Kollegen zu sabotieren.

Dann gewinnt wieder die bessere Person – und Frauen werden nicht systematisch benachteiligt.

Macht es einen Unterschied, ob gleich- oder gemischtgeschlechtlich konkurriert wird?

Ja und nein. Wenn Männer wissen, dass sie mit Frauen konkurrieren, triggert es das Rollenverhalten, die Männer sabotieren mehr. Wenn das Geschlecht unbekannt oder der Konkurrent ein Mann ist, finden wir keine Unterschiede.

Frauen reagieren nicht auf das Geschlecht ihrer Konkurrenz. In unserem Experiment finden wir also keine Belege für Stutenbissigkeit – Frauen in Führungspositionen wollen andere Frauen also nicht klein halten, weil sie ihnen die Karriere nicht vergönnen.

Vielen Dank für das Interview.

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