Herausforderung Chef sein "Eine Kündigung auszusprechen, ist beim 120. Mal so furchtbar wie beim ersten Mal"

Chef sein, das klingt toll. Doch wie ist es wirklich, vom Angestellten zum Vorgesetzten aufzusteigen? Eine Geschäftsführerin berichtet.

Von Anne Koschik |

"Eine Kündigung auszusprechen, ist beim 120. Mal so furchtbar wie beim ersten Mal"

Schwierige Herausforderung für jeden Chef: einen Mitarbeiter vor die Tür zu setzen

© mauritius images

Ziegelmauerwerk und moderne Stahlstreben zieren das riesige Open Space Office des Kölner IT-Dienstleisters Datagroup im hippen "Boomtown-Schanzenviertel", schickes Industrie-Design sorgt für eine angenehme Arbeits-Atmosphäre. Weil das Wetter mitspielt, sitzen wir auf der stylischen Terrasse – eine Art Atrium, das die 205 Mitarbeiter gerne für die Mittagspause, kleine Auszeiten oder auch mal zum Feiern nutzen. Geschäftsführerin Alexandra Mülders, 49, strahlt und nimmt ihre Gesprächspartnerin mit ihrer herzlich zugewandten Art sofort gefangen. Dass sie gelegentlich auch Härte zeigen kann und muss, ergibt sich aus ihrer Funktion.

Als Chefin verantwortet sie das Gesamtgeschäft der Datagroup am Standort Köln, ist aber auch Entscheiderin in den Lenkungsausschüssen für Kundenangelegenheiten und hat das letzte Wort, wenn es um Aufstockung des Personalstamms oder die Personalentwicklung geht. Die Kölner Datagroup GmbH gehört zur schwäbischen Datagroup SE und bietet alle IT-Services für Unternehmen des gehobenen Mittelstands von 250 bis zu 5000 IT-Arbeitsplätzen.

Gegenüber karriere.de erklärt Alexandra Mülders ihre größten Herausforderungen auf dem Weg von der Angestellten zur Chefin.

So war es zum ersten Mal Verantwortung zu übernehmen:

"Ganz schwer, ich wurde da immer überrascht – als Vertriebsleiterin, auch als Geschäftsführerin. Ich bin vor 18 Jahren das erste Mal aufgestiegen, wurde mit 30 Jahren bei der Impress Software AG Niederlassungsleiterin in Köln. Zwei Jahre später wechselte ich zu arxes NCC als Leiterin Vertrieb für die Niederlassung Ratingen. Ich habe das nicht gezielt geplant, andere haben das entschieden, weil sie meine Erfolge, Leistungen und meine Persönlichkeit erkannt haben.

Meine erste Erkenntnis aber war: Ich habe festgestellt, wie sehr sich die Welt verändert, wenn du aus der Beobachterrolle in die Entscheiderrolle gehst. Plötzlich werten andere über dich, die nicht wissen und nicht wissen dürfen, mit welchen Facetten man bei seinen Entscheidungen konfrontiert wird."

So viel Vorerfahrung in Sachen Teamführung hatte ich:

"Ich muss zugeben: keine. Ich bin da einige Male auf die Nase gefallen und habe mich dann intensiv weitergebildet und Führungskräftetrainings absolviert. Über zwei Jahre lang und oft am Wochenende. Das war mühsam, hat sich aber gelohnt. Das Wichtigste dabei war die Erkenntnis, die eigene Rolle zu akzeptieren, eine innere Distanz aufzubauen und Dinge nicht zu persönlich zu nehmen."

Meine größte Herausforderung war,…

"…dass ich aufgrund meiner Erfolge aus der Vertriebsleitung in die Geschäftsführung berufen wurde. Das gefiel einigen Kollegen nicht. Das durchzustehen, verlangt Persönlichkeit. Ich habe mir gedacht: Jetzt erst recht! Eine gewisse Kämpfernatur habe ich in meiner Vertriebsrolle schon entwickelt. Das gibt Stärke, speziell in den Momenten, in denen man spürt, dass es sich lohnt."

Das erste Mal jemandem gekündigt habe ich…

"…im Jahr 2003, damals war ich 34 Jahre alt. Das war sehr schwer für mich. Und heute sage ich: Das erste Mal war genauso wie das letzte Mal – und ich habe bestimmt über 120 Kündigungsgespräche führen müssen. Ich bin heute noch immer aufgeregt und schlafe schlecht vor solchen Terminen. Denn es fällt mir nach wie vor schwer, Menschen vermitteln zu müssen, dass sie als Person oder leistungstechnisch nicht genügen. Das Problem ist, nicht in die Tiefe gehen zu dürfen. Denn jedes gesprochene Wort könnte dem Unternehmen schaden, wenn es dadurch zu Kündigungsschutzklagen kommt. Es geht also darum, so wenig wie möglich etwas zu begründen, obwohl ich persönlich der Meinung bin, dass ich das dem Menschen, den ich vor die Tür setze, eigentlich schuldig bin."

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