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Früher Sportler, heute Chef: Wie Manager von ihrer Sportlerkarriere profitieren

Früher Sportler, heute Chef Wie Manager von ihrer Sportlerkarriere profitieren

Igor Maas spielte professionell Fußball. Was er auf dem Platz gelernt hat, hilft ihm noch heute – als Geschäftsführer eines Start-ups.

Führungskraft | Von Michael Scheppe |

Wie Manager von ihrer Sportlerkarriere profitieren

Vollgas geben, Rückschläge einstecken können

Sportler bringen gute Eigenschaften fürs Unternehmertum mit. Der Myflyright-Gründer Igor Maas war früher Fußballer.

Foto: PR/Flightright

Drei Mal die Woche joggt Igor Maas um die Alster, jeden Donnerstag geht er mit seinen Freunden kicken. Ein Leben ohne Sport, das kann sich der 33-Jährige nicht vorstellen.

Schon in seiner Jugend kickte er für den Hamburger Sportverein. Als er in dem U21-Team des HSV spielte, stand er kurz vor dem Sprung ins Profiteam – bis eine Fersenabsplitterung ihn ausbremste.

Auch wenn Maas eine Karriere im Profisport anvisierte. Was er damals im Fußball gelernt hat, hilft ihm noch heute als Manager. „Durch den Sport habe ich schon im frühen Alter gewisse Softskills erlernt, die auch wichtig sind für das Managen von Teams“, sagt Maas.

2016 gründete er das Fluggastrechteportal Myflyright. Er und seine 20 Mitarbeiter versuchen Passagieren zu helfen, ihr Recht gegen Airlines durchzusetzen, wenn der Flieger verspätet ist oder ausfällt.

Engagiert, diszipliniert, selbstbewusst: Sportler können die besseren Unternehmer sein

Eine Statistik, wie viele ehemalige Sportler ein Unternehmen führen, gibt es zwar nicht. Sicher ist aber: Führungskräfte können von ihrem früheren Sportlerdasein profitieren. Eine Studie der hessischen EBS-Universität kommt zu dem Ergebnis, dass Sportler überdurchschnittlich engagiert, karriereorientiert, diszipliniert und selbstbewusst sind. Eigenschaften, die nicht nur auf dem Platz, sondern auch im Büro hilfreich sind.

Doch sind früher Spieler immer die besseren Manager? „Natürlich ist das keineswegs ein Automatismus“, sagt der Historiker und Soziologe Rainer Zitelmann, der sich in seinem Buch „Psychologie der Superreichen“ mit dem Thema beschäftigt hat.

Schließlich fehlen den meisten Spielern genaue Branchenkenntnisse. Aber: Viele Sportler könnten souveräner mit Niederlagen und Rückschlägen umgehen, sagt Zitelmann. Für ihn ist das die „wichtigste Eigenschaft“, die Sportlern auch im Job hilft.

„Ich habe im Fußball gelernt, immer Vollgas zu geben“

Eine Fähigkeit, von der auch Igor Maas profitiert hat. Als er sein Start-up 2016 gründete, war er zwar sieben Jahre bei verschiedenen Beratungen tätig. Mit Fluggastrechten kannte er sich aber nur bedingt aus.

Als die Umsätze auch nach Monaten nicht steigen wollten und das Vorhaben zu scheitern drohte, war er sich nicht zu schade, Flyer am Flughafen zu verteilen, während er quasi nebenher noch Rechtsanwälte, Investoren und Technologiepartner von seiner Idee überzeugen musste.

20-Stunden-Tage waren da keine Ausnahme, erzählt er. Gesund mag das nicht gewesen sein, sagt Maas heute. „Und eine gut bezahlte Position hatte ich ja auch aufgeben.“ Aber der Sache habe es schon gedient.

„Ich habe im Fußball gelernt, mich reinzuknien und immer Vollgas zu geben, um so einen Schritt weiter zu sein als die anderen“, sagt Maas. Durch Disziplin und Zielstrebigkeit könne man auch fehlendes Talent ein Stück weit ausgleichen, glaubt der Unternehmer. „Das sind Dinge, die man an der Uni nicht lernen kann.“

Vergangenes Jahr dann der Durchbruch: Bei Myflyright stand die schwarze Null, in diesem Jahr will Maas erstmals profitabel werden. „Durch Fleiß konnte ich fehlendes Wissen wettmachen“, sagt der Unternehmer.

Was ihm sicher auch geholfen hat: der Chaos-Sommer am europäischen Flughimmel. Allein in der ersten Jahreshälfte hatten sich die Verspätungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdoppelt. Die Unzufriedenheit der Passagiere nahm zu – die Zahl der Klagen auch. 5000 Fälle bearbeitet das Start-up gerade. Es mag auch das Glück des Tüchtigen gewesen sein, das Maas unterstützt hat.

Das Team ist wichtig – der Kapitän muss aber das Sagen haben

Eine Weisheit, die beim Fußball und der Unternehmensführung gilt: Wenn das Team nicht funktioniert, ist das Spiel schon verloren. Schließlich sind unmotivierte Mitarbeiter nicht so produktiv wie ihre engagierten Kollegen.

Maas glaubt, dass er durch seine Fußball-Erfahrungen ein besseres Gespür für die Dynamik seiner Mitarbeiter hat. Sein Ziel: Mit den Kollegen möglichst offen über Probleme und Umsatzziele sprechen. So will er seine Angestellten mitreißen. Maas vertraut ihnen auch rasch wichtige Aufgaben an, erzählt er. „Wie auf dem Platz trägt so jeder Verantwortung für eine bestimme Position.“

Was er nicht aus den Augen verliert: Nur der Chef kann die Mannschaft zusammenhalten. „In manchen Dingen muss ich als Kapitän einfach die Entscheidung treffen, sonst entsteht ein Vakuum, was meine Leute unsicher macht.“

Ob auf dem Platz oder im Büro – Sportler können besser mit Stress umgehen

Eine Situation kennen Sportler wie Manager: Stress. Vor einem Wettkampf produziert das Gehirn die gleichen Hormone wie vor einer entscheidenden Verkaufsverhandlung. Im Sportlerleben lernen Menschen kleine Rituale im Unterbewusstsein zu verankern, um bei Stress nicht in Panik zu geraten. Maas‘ Lösung, um runterzukommen: Raus aus dem Büro, ein Rundlauf um die Alster.

Doch am Ende ist das Unternehmertum eben nicht das Fußballspiel, das nach 90 Minuten vorüber ist. „Im Fußball gibt es bei jedem Training zwar einen gewissen Leistungsdruck“, sagt Maas. „Wenn ich hier aber nicht performe, leiden darunter 20 Leute. Das ist eine ganz andere Anspannung.“

Bei allen Vorteilen – Frühere Sportler dürfen sich selbst nicht zu wichtig nehmen

Bei all den Vorteilen, die frühere Sportler haben mögen: „Die ausgeprägten Persönlichkeitsmerkmale können im Beruf Fluch und Segen zugleich sein“, heißt es in der Studie der EBS-Universität. Um ihre Projekte umzusetzen, würden Sportler häufig nicht nach links und rechts schauen oder gar über das „Ziel hinausschießen“.

Soziologe Zitelmann sieht bei Sportlern einen großen Nachteil: Selbstüberschätzung. „Manche verstehen nicht, dass ihre früheren Leistungen nichts zählen, sondern dass sie ganz von vorne anfangen müssen.“ Wer dazu nicht die Geduld hat, werde meist scheitern.

Auch Unternehmer Maas musste lernen, geduldig zu sein. „Es birgt auch eine Gefahr, sich gerne selbst darstellen zu wollen – so wie man es im Fußball oft macht.“ Wichtigste Erkenntnis: Man dürfe als Unternehmer eben nicht alles anwenden, was auf dem Platz einmal nützlich war. 

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