Fettnäpfchen-Aussagen Mit diesen Sätzen demotivieren junge Chefs ihre Mitarbeiter

Gerade neu als Chef und Angst, es zu vergeigen? Dann sollten Sie diese verbalen Fettnäpfchen vermeiden.

Von Eva Neukirchen |

Mit diesen Sätzen demotivieren junge Chefs ihre Mitarbeiter

Wer anordnet, muss damit rechnen zu verlieren:

Neue Chefs vergreifen sich gelegentlich im Ton, wenn sie zeigen wollen, dass bei ihnen andere Regeln gelten.

© picture alliance / Panther Media

"Das wird jetzt alles neu gemacht!"

Das kommt bei den Mitarbeitern an: "Bisher ist hier aber auch wirklich alles schiefgelaufen, oder?"

Gerade junge Chefs dürfen und sollen frischen Wind in eingefahrene Strukturen bringen, weiß Martina Tutunaru, Personalchefin beim Düsseldorfer IT-Dienstleister Itec System.  Aber, Achtung: Die gefühlte Grenze zwischen motiviert und übermotiviert liegt bei jedem Mitarbeiter woanders. Es hilft, sich am sensibelsten Teammitglied zu orientieren. Diesen Mitarbeiter müssen sie aber erst einmal finden – mit Gesprächen. Generell gilt: Wer das bisher Geleistete der Mitarbeiter nicht würdigt, muss sich nicht wundern, wenn die Belegschaft nicht mitzieht. "Wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, dass die Führungskraft weiß, was sie leisten, werden manche Sätze nicht so sehr auf die Goldwaage gelegt", erzählt die Prokuristin. Mit Vertrauen als Basis und Transparenz werden Veränderungen anders aufgenommen und auch mitgetragen.

"Du musst…" – "Du darfst nicht…" – "Ja, aber…"

Das kommt bei den Mitarbeitern an: "Denk so, wie ich es gerne hätte – und bitte nicht anders."

Viele Mitarbeiter nutzen bei einem neuen Chef die Chance, Ideen oder Vorschläge vorzubringen. Diese sollten nicht kategorisch abgewiegelt oder mit einem "ja, aber" entkräftet werden, sagt Doris Mailänder, Geschäftsführerin der Hamburger Personalberatung Treuenfels.

Positiver sei es, sich den Vorschlag bis zum Ende anzuhören und ihn zu hinterfragen. "Wenn man in der neuen Position noch nicht genau weiß, wie man mit dem Gesagten umgehen soll, empfiehlt es sich, Zeit zu gewinnen", rät die Personalexpertin. Ein Satz wie beispielsweise: "Lass uns heute Nachmittag darüber sprechen" verschaffe Zeit, um sich selbst Gedanken zu machen und sich eventuell zu informieren, ob der Vorschlag des Mitarbeiters überhaupt den Regeln des Unternehmens entspricht oder realisierbar ist. 

"Ich weiß, wie wir das machen."

Das kommt bei den Mitarbeitern an: "Ich weiß, wie wir das machen – und Du nicht"

Folgende Situation: Die Firmenleitung gibt ein neues Umsatzziel für das kommende Jahr vor. Der neue Chef fragt die Mitarbeiter in einem Meeting, wie man das Ziel erreichen könnte – nur um dann sofort weiter zu dozieren, wie er der eigentliche Lösungsweg aussieht.

"Wer nach Ideen fragt, muss den Mitarbeitern auch Zeit geben, sich Gedanken zu machen", so Doris Mailänder. Die Personalberaterin aus Hamburg empfiehlt: "Geben Sie einen zeitlichen Rahmen vor und lassen Sie sich bis dahin die Vorschläge des Teams geben oder schlagen Sie ein gemeinsames Brainstormen vor."

"Ach, lass mal – das erledigt sich doch von alleine."

Das kommt bei den Mitarbeitern an: "Ich habe jetzt wirklich keine Zeit, Deine Probleme zu lösen – und Lust eigentlich auch nicht."

Oft bekommt ein Chef von Problemen oder Streitereien im Team zumindest am Rande etwas mit. Wer hier auf Ignoranz oder auf den Faktor Zeit setzt, liege falsch, sagt Personalberaterin Doris Mailänder: "Konflikte sollte man als Führungskraft unbedingt sofort ansprechen und ihnen nicht aus dem Weg gehen." Sonst verschleppt sich das Problem – und ist dann womöglich größer als am Anfang.

"Ab jetzt machen wir es so, wie ich es sage."

Das kommt bei den Mitarbeitern an: "Ich Chef, Du nix."

Christian Driller, Leiter Operations bei der Kommunikationsagentur Call & Sales Manufaktur GmbH, rät neuen Chefs, zuerst zu beobachten, wie die bisherigen Abläufe und Strukturen im Betrieb waren. Besonders schwierig sei es, wenn jemand innerhalb eines Teams oder einer Abteilung aufsteige.

Das hat Driller selbst erlebt: "Dann ist man auf einmal der Chef seiner ehemaligen Mitstreiter. Dann gibt es nach meinen bisherigen Erfahrungen nur zwei Arten zu führen. Einerseits über die Macht der Position oder durch Kompetenz" – wobei Driller sich für letzteres entschieden hat. Denn als ehemaliges Teammitglied wusste er genau, womit die Kollegen zu kämpfen hatten. Das kam bei der Belegschaft gut an.

"Dafür habe ich keine Zeit."

Das kommt bei den Mitarbeitern an: "Nerv' mich nicht."

Mitarbeiter dürfen nie das Gefühl haben, dass der Chef sie nicht anhört. "Meist gibt es ja eh schon eine Hemmschwelle, sich wegen eines Problems zum Vorgesetzten zu trauen. Falls ich mal telefoniere oder es im Moment wirklich nicht passt, signalisiere ich dem Mitarbeiter, dass ich später auf ihn zukomme. Ich finde es ganz wichtig, als Führungspersönlichkeit, verbindlich und berechenbar zu sein", meint Christian Driller. Die Türe des 35-Jährigen ist deshalb so gut wie immer offen. Das signalisiere den Mitarbeitern auch bildlich, dass er stets offen und ansprechbar für sein Team ist. 

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