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Entlassungen Wie sie bei einer Kündigung am besten reagieren

Eine große Kündigungswelle rollt im Herbst auf uns zu. Falls Sie betroffen sein sollten, bleiben Sie mit diesen Tipps für einen neuen Arbeitgeber im Rennen.

Karriere.de/KA |

Es ist so gut wie ausgemacht: Im Herbst 2020 werden viele Unternehmen Insolvenz anmelden. Ihre Mitarbeiter müssen dann so schnell wie möglich einen Job finden. Das lässt sich gut vorbereiten, sagt Korn-Ferry-Experte Carsten Schaefer. Er ist Spezialist für Talent und Professional Search bei dem globalen Beratungsunternehmen für Organisation und Executive Search.

Seine Empfehlungen können Ihnen den Weg in einen neuen Job bereiten:

1) Verhalten Sie sich arbeitsrechtlich sauber

Ist die Kündigung erst einmal ausgesprochen, folgt eine arbeitsrechtliche Prozedur, die Sie gemeinsam mit dem Arbeitgeber erledigen müssen. Haben Sie die unausweichliche Kündigung dann akzeptiert oder einen Aufhebungsvertrag unterschrieben, bleiben Sie vermutlich für die Zeit der Kündigungsfrist noch im Unternehmen tätig.

„Auch wenn es noch so schwer fällt sich zu motivieren: Stellen Sie Ihre Emotionen zurück und erledigen Sie Ihre Aufgaben und alle Übergaben professionell“, rat Korn-Ferry-Experte Schaefer. Es könnte von Vorteil für Sie sein: Denn Vorgesetzten und vor allem die Kollegen werden das honorieren. Jetzt heißt es, das bewährte Netzwerk zu festigen und einen exzellenten Eindruck zu hinterlassen. Denn Sie wissen nie, wann Sie die Unterstützung noch einmal gebrauchen können.

2) Achten Sie auf ein Arbeitszeugnis, das Erfolge klar ausweist

Viele qualifizierte Arbeitszeugnisse erfüllen nur die Mindestanforderungen: Sie beschreiben Aufgabenbereiche und bewerten die Arbeitsleistung – in der Regl „wohlwollend“, wie es das Gesetz verlangt.

Um Ihr Arbeitszeugnis wertvoller zu machen, setzen Sie sich gemeinsam mit Ihren Vorgesetzten und der Personalabteilung hin und bitten Sie darum, neben Ihren Aufgaben auch Ihre wichtigsten Erfolge aufzuführen. Wählen Sie dazu wichtige Erfolge aus. Zum Beispiel:

  • „Erfolgreiche Einführung eines neuen IT-Systems“
  • „Erreichen von fünf neuen Zielgruppen durch eine innovative Marketing-Kampagne“
  • „Senkung der Einkaufskosten für Metallwaren um fünf Prozent“.

Passen Sie die Erfolge genau Ihrer Position und Ebene im Unternehmen an.

„Sehr hilfreich können auch persönliche Empfehlungsschreiben sein“, sagt Carsten Schaefer. Diese könnten durchaus von Kollegen stammen oder hierarchisch über Ihnen angesiedelten Führungskräften, die nicht Ihre direkten Bewerter im Arbeitszeugnis sind.

In den USA ist diese Form der Bewertung schon lange üblich: Amerikaner arbeiten seit jeher mit „Letters of Recommendation“. Eine Seite reicht dabei. „Kurz, knackig und von Ihren wichtigsten Referenzgebern unterschrieben“, wie Schaefer feststellt.

Auch in Deutschland kommen diese Empfehlungen an. Aber Achtung: Die neuen Arbeitgeber vergewissern sich gerne bei den Referenzgebern. Fragen Sie also schon mal im Voraus an, ob eine persönliche Nachfrage dort erlaubt ist und sichern sie sich die Mail-Adresse und Telefonnummer.

3) Passen Sie Ihren Lebenslauf an

Lebensläufe sehen heute oft anders aus als noch vor einigen Jahren. Das Curriculum Vitae (CV) muss nicht mehr unbedingt mit „Lebenslauf überschrieben sein, die persönlichen Daten reichen oft.
Die wichtigsten Punkte, die Sie beachten sollten, hat der Korn-Ferry-Experte zusammengefasst:

  • Stellen Sie eher Ihre Erfolge in den Vordergrund, nicht nur Ihre Aufgaben.
  • Verzichten Sie auf zu viele Details, konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche – der Lebenslauf sollte maximal drei Seiten umfassen.
  • Passen Sie die Inhalte zudem spezifisch einer möglichen Position, Unternehmung und derjenigen Person an, bei der Sie sich bewerben. Versetzen Sie sich in deren Perspektive: Was muss sie von Ihnen wissen, um Interesse an einem Gespräch mit Ihnen zu entwickeln.
  • Und vor allem: Verlassen Sie sich jetzt in der kommenden Phase nicht auf Ihrem Lebenslauf. Er ist ein wichtiger Baustein vor einem Erstgespräch bei einem potenziellen neuen Arbeitgeber. Nicht mehr, nicht weniger.
    Carsten Schaefer weiß: „Um aber zu diesem Gespräch zu kommen, ist vor allem Direktvertrieb in eigener Sache wichtig: Rufen Sie an. Nutzen Sie Netzwerke. Treten Sie persönlich in Kontakt.“

4) Entwickeln Sie Ihre Trennungs-Story

Ihr neuer Arbeitgeber möchte wissen, warum Sie aus Ihrem vorherigen Unternehmen ausgeschieden sind. Schließlich möchte er nicht jemanden einstellen, der womöglich nicht verlässlich oder fachlich nicht qualifiziert genug auftreten kann. Bei jeder Trennung ist es daher wichtig, diese kurz und präzise, aber nicht zum eigenen Nachteil darzustellen.

„Viele machen sich darum aber zu wenig Gedanken“, hat Schaefer festgestellt. Das Problem: Plötzlich findet man sich in einem Gespräch darin wieder, über alle möglichen Probleme beim früheren Arbeitgeber anstatt über die eigene Zukunft zu sprechen.
Schaefer empfiehlt zu präzisieren, zum Beispiel:

„Unser Unternehmen hat 20 Prozent Umsatz verloren, das ist öffentlich nachlesbar. Wir hatten ein erfolgreiches Team, von dem allerdings jeder Vierte gehen musste. Die Auswahl hat nach klaren Sozialkriterien stattgefunden. Leider war ich davon betroffen. Jetzt sehe ich diese Situation als Chance, meine Zukunft neu zu gestalten.“

Was sie auf keinen Fall tun sollten: „Treten Sie niemals nach, selbst wenn Sie sich danach fühlen“, so Schaefer. Sie könnten sich damit selbst ins Aus kicken. „Ihr künftiger Arbeitgeber wird Ihnen dies als Illoyalität auslegen und Ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Angebot machen.“

5) Entwerfen Sie Ihre Arbeitgeber- und Job-Landkarte

Betrachten Sie Ihr Leben doch einmal als Projekt, in dem Sie selbst Subjekt und Objekt zugleich sind. Da kommt es auf eine gut durchdachte Struktur an. Also heißt es, im Vorfeld alles Wesentliche für den neuen Job klar zu definieren:

  • Welche Arbeitgeber interessieren Sie?
  • In welchen Regionen befinden sich diese?
  • Welche Positionen kommen für Sie generell infrage?
  • Könnte es diese Positionen in den favorisierten Unternehmen geben?

Carsten Schaefer rät, zunächst eine entsprechende Liste „ganz unabhängig von ausgeschriebenen Positionen“ zu erstellen. Das ist dann Ihre strategische Job-Landkarte, die sie künftig bearbeiten werden. Ihr Projekt also.

Stellen Sie sich die Fragen: Kenne ich jemanden, der in dem Zielunternehmen arbeitet? Kenne ich jemanden, der jemanden kennt, der in dem Zielunternehmen arbeitet? Was ist die beste Möglichkeit, mit einem Zielunternehmen Kontakt aufzunehmen, ohne sich auf eine konkrete Position zu bewerben? Welche Art von Bewerbung könnte das spezifische Unternehmen besonders schätzen, aber vielleicht viel zu selten erhalten?

Falls bereits interessante Stellen für Sie ausgeschrieben sind, können Sie sich auch direkt bewerben.

6) Definieren Sie individuelle „Hin-zu-Stories“

Nach der Trennungs-Story sollten Sie auch die Hin-zu-Story ins Auge fassen. Das bedeutet, dass Sie sich darüber Gedanken machen sollten, was Sie bei Ihrem künftigen Arbeitgeber bewirken und erreichen wollen. Wenn Sie diese Story beim Bewerbungsgespräch schlüssig vortragen können, sind Sie schon einen wichtigen Schritt vorwärts gekommen.

Können Sie diese Fragen beantworten:

  • Warum haben Sie dieses Unternehmen ausgewählt?
  • Warum in diesen Job?
  • Was begeistert Sie?
  • Wie stellen Sie sich den neuen Verantwortungsbereich vor?
  • Welche Ideen haben Sie für Ihre Entwicklung in der nahen Zukunft?

Spontanität und Floskeln helfen bei der Beantwortung nicht weiter. Der Korn-Ferry-Experte empfiehlt daher: „Bereiten Sie diese Story – für jedes Gespräch individuell - intensiv vor, um sie nachher flüssig und glaubwürdig erzählen zu können.“

7) Bewerben Sie sich – und geben Sie auch bei einem Nein nicht sofort auf

Haben Sie alle Fragen beantwortet, Listen erstellt und Stories zusammengetragen, müssen Sie aktiv werden. „Warten Sie nicht ab, dass der Job zu Ihnen kommt“, sagt Carsten Schaefer. „Greifen Sie an, sobald Sie Ihren Plan ausgearbeitet haben. Sie haben nichts zu verlieren.“

Einzig ein Nein müssten Bewerber verkraften können. Daraus ließe sich aber auch ein Dialog anzetteln: „Vielen Dank für Ihre Antwort, die ich sehr bedauere und selbstverständlich respektiere. Wenn Sie erlauben, möchte ich jedoch gern ausführen, warum ich glaube, dass wir doch eine gemeinsame konstruktive Lösung entwickeln können.“

Schaefer rät, es einfach mal zu versuchen: „Bedenken Sie: Auch hier riskieren Sie höchstens, ein zweites ‚Nein‘ zu bekommen. Das sollten Sie dann auch hinnehmen.“ Allerdings könnten Sie als Bewerber den neuen Arbeitgeber mit einer solch unerwarteten Reaktion auch überraschen.

„Wenn Sie gut begründen können, warum er den Dialog mit Ihnen doch eröffnen oder fortsetzen sollte, können Sie die Situation noch einmal drehen.“ Schließlich seien auch Mut und Höflichkeit wichtige Skills, mit denen nicht jeder Bewerber aufwarten könne. „Und genau das ist es, was Unternehmen suchen“, sagt der Korn-Ferry-Experte.

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