Elternzeit Zurück aus der Babypause – diese drei Fallen lauern auf Sie

Mütter, die nach der Familienphase wieder arbeiten wollen, machen sich häufig selbst das Leben schwer. Zu diesem Schluss kommt Katrin Wilkens, die mit ihrer Agentur i.do vor allem Akademikerinnen zum beruflichen Wiedereinstieg berät.

Von Claudia Obmann |

Zurück aus der Babypause – diese drei Fallen lauern auf Sie

Jobeinstieg nach der Elternzeit

Frauen könnten noch viel taffer sein: Die Rückkehr in den Job gelingt nicht immer auf Anhieb.

Foto: imago images / Westend61

Gemeinsam mit wiedereinsteigenden Müttern sucht die Beraterin einen persönlichen Kompromiss zwischen Kinderwagen und Alterssicherheit. Ihre wichtigsten Erkenntnisse hat Wilkens, selbst Mutter von drei Kindern, jetzt in einem Buch zusammengefasst. Es trägt den Titel „Mutter schafft! Es ist nicht das Kind, das nervt, es ist der Job, der fehlt.“

Diese drei Haupt-Fallen stellen sich Frauen bei der Rückkehr aus der Babypause selbst:

Zu hoher Anspruch an den Job

Wenn Frauen aus der Familienzeit zurückkehren, suchen Sie häufig einen Job, der nicht nur Ihrer Qualifikation entspricht und gute Bezahlung verspricht. Er soll auch noch ein nettes Arbeitsumfeld mit klasse Chef und tollen Kollegen bieten, Spaß machen und nicht zuletzt sinnvoll sein.

Wilkens: „Viele Mütter sagen sich, wenn ich meine Kinder schon allein lasse, dann muss die neue Stelle einfach perfekt sein.“

Doch eine solche Herangehensweise bei der Jobsuche sei zum Scheitern verurteilt. „Wo gibt es schon diese eierlegende Wollmilchsau – noch dazu in der Nähe von Wohnung, Kita, Schule, um im Fall der Fälle schnell mal für die Familienmitglieder verfügbar zu sein?“

Mütter sollten an die Stellensuche unbedingt pragmatischer rangehen. Wilkens: „Es reicht völlig, wenn der Job vielfältig ist und ein vernünftiges Gehalt einbringt. Wer sich darüber hinaus unbedingt sinnvoll betätigen möchte, kann das auch mit einem ehrenamtlichen Engagement tun.“ 

Mangelnde finanzielle Weitsicht

Obwohl Mütter häufig hochgebildet sind, erwarten weniger als fünf Prozent der Vollzeit-Rückkehrerinnen aus Wilkens Beratung ein Einkommen von mehr als 3000 Euro pro Monat. Das sei mit Blick auf die spätere Rente viel zu wenig.

Wilkens: „Die wenigsten Frauen machen sich Gedanken, wie teuer sie die letzten Lebensjahre kommen können. Und wieviel man auf der hohen Kante haben muss, damit allein die Basics, ob Hörgerät oder Treppenlift, finanzierbar sind. Von einer Unterbringung in einer Seniorenunterkunft mit betreutem Wohnen ganz zu schweigen.“

Die Beraterin hat zwar die Erfahrung gemacht, dass je geringer qualifiziert Rückkehrerinnen sind, sie umso offener sie über Geld sprechen. Aber sehr oft klinge in den Gesprächen über Jobchancen nach der Babypause an, dass die Frau nicht mehr als ihr Mann nach Hause bringen sollte.

Der Grund liegt immer noch in ganz alten kulturellen Strukturen, die vor allem noch in Westdeutschland herrschen. Ihnen zufolge hat der Mann der Versorger der Familie zu sein – und gut verdienende Frauen gelten im Grunde als unsexy. Das führe zu Bescheidenheit in eigener Sache, die Wilkens für grundfalsch erachtet.

Drei Viertel der von Wilkens betreuten Mütter wollen am liebsten nach der Familienphase zurück ins Angestelltenverhältnis. Nur ein Viertel erwägt die Selbstständigkeit.

„Mütter entscheiden sich eher dafür, in einem Klamottenladen zu jobben, als zum Beispiel selbst einen Vermittlungsservice für Reinigungskräfte zu gründen.“ Dabei müsse eine eigene Firma nicht unbedingt mehr Zeitaufwand bedeuten als eine Teilzeitstelle.

Der Vorteil des eigenen Unternehmens sei jedoch beachtlich. Ewa die vergleichsweise freie Zeiteinteilung, die mehr Spielraum für familiäre Belange lasse. Auch die Verdienstmöglichkeiten, nicht zuletzt aufgrund der Chancen, Steuern zu sparen, seien durchaus einer Prüfung wert.   

Die eigene Bedeutung für das Kind überbewerten

Eltern, die wieder arbeiten gehen wollten, sollten ihre Kinder so früh wie möglich an eine regelmäßige Betreuung durch andere Personen, ob Kita-Erzieherin, Großeltern oder ein Au-pair gewöhnen.

Statt sich ständig in der Nähe ihres Nachwuchses aufzuhalten, um diesen zu überwachen und zu behüten, sollten Eltern ruhig nach dem afrikanischen Sprichwort verfahren und den Kreis der Bezugspersonen erweitern: „Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind großzuziehen.“ Und Hilfe annehmen, wenn sie sich bietet.

Wilkens: „Sie müssen Ihr Kind zum Beispiel nicht selbst zum Schwimmunterricht fahren, davon macht es sein Seepferdchen-Abzeichen auch nicht schneller.“ Vereinbaren Sie doch lieber mit den anderen Eltern, die den Kurs gebucht haben, sich mit dem Bring- und Holdienst reihum abzuwechseln und Ihren Sohn oder Ihre Tochter dann erst zu einer späteren Uhrzeit dann jeweils dort abzuholen.

Die gewonnene Zeit lässt sich besser investieren – nicht nur beruflich, etwa zur Weiterbildung oder um neue Kräfte zu tanken. Sondern auch, um dann zu einer anderen Zeit mit Sohn oder Tochter gemeinsam intensiv Zeit etwa beim Spielen oder einem Ausflug zu verbringen.

Natürlich gilt es auch bei der Wahl des potenziellen neuen Arbeitgebers genau hinzuschauen, wie gut er Mütter und Väter dabei unterstützt, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren.

Wilkens „Es müssen nicht immer große Marken wie Google und Coca Cola sein, wenn es um Teilzeitmodelle, flexible Arbeitszeiten oder Home-Office-Regelungen geht. Da haben auch unbekanntere Unternehmen inzwischen schon tolle Angebote für Eltern.“ Diese unbedingt im Vorstellungsgespräch ansprechen und getroffene Vereinbarungen im Arbeitsvertrag festhalten.

Und noch ein besonderer Tipp für Väter in Vollzeit, die ihre beruflich ebenfalls engagierte Frau entlasten wollen: Mit dem Chef alternativ zur Gehaltserhöhung oder einem Dienstwagen-Upgrade lieber Zusatzurlaub aushandeln. Der soll dann zum Beispiel flexibel bis zum Ende der Grundschulzeit immer dann genommen werden können, wenn ein Kind krank wird und zuhause betreut werden muss.

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