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Arbeit und Corona: Eine Microsoft-Managerin verrät, worauf es jetzt ankommt

Coronavirus und die Folgen Eine Microsoft-Managerin verrät, worauf es jetzt ankommt

Sie ist es gewohnt, virtuell zu führen. Doch die Coronakrise stellt auch sie vor neue Herausforderungen.

Arbeit und Coronavirus | Von Michael Scheppe |

Auf Masa Schmidts Laptop klebt ein Sticker mit der Aufschrift „Trust is the new control“. Die 30-jährige Managerin berät für Microsoft Großunternehmen bei der Transformation zum modernen Arbeiten.

Logisch also, dass fast alle ihrer 16 Teammitglieder mobil arbeiten – lange bevor das Coronavirus die Welt lahmlegte. 2014 führte Microsoft den Vertrauensarbeitsort ein. Seitdem dürfen die 2700 Mitarbeiter in Deutschland dort arbeiten, wo sie wollen. 90 Prozent nutzten das Angebot bislang. Nun sind alle Mitarbeiter angehalten, zu Hause zu arbeiten.

Was Microsoft schon seit Jahren freiwillig macht, ist für viele Unternehmen nun zum Zwang geworden: Homeoffice. Fast alle Firmen hierzulande haben ihre Büro-Angestellten nach Hause geschickt, damit soziale Kontakte vermieden werden – und sich das neuartige Virus Sars-Cov-2 langsamer verbreitet.

Für das Gros ist das eine völlig neue Erfahrung. Nur zwölf Prozent der Angestellten haben hierzulande bisher von unterwegs gearbeitet, wie eine Statistik des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt. Bislang scheiterte der Wunsch vor allen an den Unternehmen. Dabei hat die Arbeit im Homeoffice zahlreiche Vorteile: Heimarbeiter sind seltener krank, weil das stressige Pendeln entfällt.

Herausforderung Homeoffice: Manager müssen lernen zu vertrauen

Sie sind zudem produktiver, wie Studien und Erfahrungen zeigen. Und sie werden weniger häufig aus der Arbeit gerissen, kann doch kein Kollege an der Bürotür klopfen.

Das Problem: Normalerweise bereiten Firmen sich monatelang auf die Heimarbeit vor, weil sich Mitarbeiter zu Hause anders organisieren müssen als im Büro – und Manager lernen müssen, ihren Angestellten zu vertrauen. Doch wie kann die Heimarbeit für Neulinge gelingen?

Schmidts mehrjährige Erfahrungen können den Managern helfen, die erst seit wenigen Tagen Heimarbeit machen müssen. Ihr wichtigster Ratschlag: den Mitarbeitern vertrauen.

Ob ihre Kollegen gerade Mails schreiben oder doch auf dem Balkon entspannen, weiß Schmidt oft nicht. „Mir ist das ehrlich gesagt auch egal.“ Theoretisch könnten Mitarbeiter auch im Büro ihren Aufgaben nicht nachgehen. Sie würde ohnehin beim nächsten Mitarbeitergespräch merken, ob der Mitarbeiter seine Aufgaben tatsächlich erledigt.

Mentale Gesundheit der Kollegen im Blick behalten

Kontrolle abgeben und Vertrauen aufbauen – was Schmidt mit Leichtigkeit erzählt, fällt vielen Managern schwer. Oliver Stettes, Arbeitsmarktexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), sagt: „Manager müssen klar sagen, was ihre Mitarbeiter bis wann erledigen sollen, um so zumindest etwas Kontrolle zu behalten und den Kollegen Orientierung zu geben.“ Er rät Führungskräften, gerade in den ersten Tagen der Heimarbeit toleranter zu sein, schließlich sei die Situation für viele ungewohnt.

Obwohl Schmidt und ihr Team schon seit Jahren mobil arbeiten, ist die aktuelle Situation auch für sie besonders: Schmidt versuche, ihren Mitarbeitern verstärkt auf virtuellem Weg die Hand zu halten, indem sie zuhöre und regelmäßige nachfrage, wie es den Kollegen gehe – per Videocall, um die Situation besser einzuschätzen. „Ich habe gerade in der Coronakrise die Verantwortung für die mentale Gesundheit meiner Mitarbeiter.“

Kommunikation ist nicht nur in der Krise wichtig, sondern grundsätzlich bei der Arbeit im Homeoffice. Manager sollten mit ihrem Team abstimmen, auf welchen Kanälen was geteilt wird, in welchem Zeitraum alle erreichbar sein sollten, wann Kollegen durch Termine verhindert sind und wie schnell eine Antwort auf Mail und Chatbeitrag erwartet wird.

Virtuelle Teeküchen und Mittagessen gegen die Vereinsamung

Gerade sei wichtig sehr präzise zu formulieren, um Missverständnisse zu vermeiden – schließlich fallen Gestik und Mimik weg. Und wer für ein paar Stunden ungestört arbeiten will, sollte das seinen Kollegen signalisieren, etwa durch eine „Beschäftigt“-Notiz im Kalendereintrag. Nicht vergessen: Standards festlegen. Mit oder ohne Anrede, flapsig oder förmlich, mit Smileys oder ohne? Wenn das klar ist, fühlt sich niemand falsch angesprochen.

Experten halten bei Teams wie das von Schmidt, die ständig mobil arbeiten, regelmäßige persönliche Treffen für unverzichtbar, damit das soziale Gefüge aufrechterhalten wird. Ohne den privaten Austausch „können Prozesse leiden und im schlimmsten Fall Qualität und Effizienz der Arbeit einbrechen“, sagt Fabian Krapf, Geschäftsführer des Instituts für betriebliche Gesundheitsberatung.

Schmidts Lösung in diesen Tagen: ein virtuelles Mittagessen. Jeder kocht oder kauft sich etwas und setzt sich damit vor den Laptop. Eine Stunde lang wird über alles geredet – nur nicht über Arbeit. „Wir wollen durch den virtuellen Lunch die soziale Isolation unserer Mitarbeiter vermeiden und eine Plattform für den Ausgleich schaffen“, sagt die Managerin. Und so werden die zufälligen Begegnungen und Themen gefördert, die es sonst nur in der Teeküche gibt.

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