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Changemanagement Wie Chefs den Unternehmenswandel erfolgreich gestalten

Änderungen in Unternehmen sind an der Tagesordnung. Tragen müssen sie die Mitarbeiter. Führungskräfte haben die schwere Aufgabe, sie im Wandel zu begleiten. Fünf Tipps.

Management | Von Claudia Obmann |

Wie Chefs den Unternehmenswandel erfolgreich gestalten

Anpassungsprozess für Mitarbeiter

Changemanagement fordert Führungskräften viel ab: Sie müssen ihre Teams auf den Wandel emotional gut vorbereiten.

Foto: imago images / Westend61

Den Menschen nicht aus den Augen verlieren

Restrukturierungen fallen überall an, sowohl im Start-up als auch im Konzern. Der Faktor Mensch wird in den Prozessen aber häufig zu wenig beachtet. Viele Manager unterschätzen die Emotionen ihrer Mitarbeiter und „konzentrieren sich lieber darauf, Strategie, Prozesse und Strukturen zu verändern“, sagt Claudia Schmidt. Sie ist Geschäftsführerin der auf Wandel spezialisierten Unternehmensberatung Mutaree und hat 134 Führungskräfte aus unterschiedlichen Branchen gefragt.

Ergebnis: Die Bedürfnisse der Mitarbeiter, etwa nach Sicherheit, Mitsprache oder weniger Zeitdruck, kämen bei Veränderungen meist zu kurz.

Auf die Gefühlslage im Haus achten 

Dabei gibt es durchaus nützliche Werkzeuge, um die Gefühlslage der Belegschaft sichtbar zu machen – und um angemessen auf Widerstand zu reagieren.

Ein Klassiker unter den Werkzeugen zur Reflektion ist der „Changehouse“-Workshop für Teams, den zum Beispiel der Kölner Kabelnetzbetreiber Unitymedia bei Bedarf für diejenigen seiner rund 2500 Mitarbeiter durchführt, die akut von einem Veränderungsvorhaben betroffen sind. Aktuell ist es wieder soweit, die Mannschaft stärken zu müssen, denn die Übernahme durch Vodafone steht bevor.

Mit dem „Vier-Zimmer-Modell“ gestalten

Dieser Kurs basiert auf dem Modell des schwedischen Wirtschaftspsychologen Claes Janssen. Die Idee: Vier Zimmer symbolisieren die vier typischen Phasen eines Veränderungsprozesses: von „Zufriedenheit“ (Zimmer 1) über „Verleugnung“ (Zimmer 2) und „Verwirrung“ (Zimmer 3) bis zur „Erneuerung“ (Zimmer 4). 

Wichtigste Erkenntnis: Jeder Mitarbeiter muss durch alle vier Phasen hindurch. „Aufgabe der Vorgesetzten ist es, ihre Kollegen dabei aktiv zu begleiten“, sagt Jordis Dony, Personalentwicklerin bei Unitymedia.

Grundvoraussetzung des einfühlsamen Chefs: Gut zuhören. Denn wo der einzelne Kollege emotional steht, verraten ihm typische Sätze.

Aufgabe der Führungskraft ist es dann, um ihn dann aktiv zu begleiten, sodass es ihm gelingt, alle Zimmer zu durchlaufen.

Den schwierigen Weg der Mitarbeiter aktiv begleiten

Zimmer 1 (Unitymedia nennt es „Verdrängung“):
Hier dominiert das Nichtwahrhaben-Wollen. „Das betrifft uns ja gar nicht" oder „Das kann nicht funktionieren“ sind typische Reaktionen der Mitarbeiter auf Veränderungspläne.

Zimmer 2 (Unitymedia nennt es „Ablehnung“):
Der Schlüssel zum Erfolg liegt hier. Aber zunächst sind Gefühlen der Ablehnung wie Wut, Enttäuschung, Trauer Raum zu geben.

Sätze wie „Das bringt doch nichts...“, „Ohne mich“ oder „Welcher Idiot hat sich denn das ausgedacht?“ fallen und zeigen der Führungskraft, an welchem Punkt die Mitarbeiter angekommen sind.

Zimmer 3 (heißt auch bei Unitymedia "Verwirrung":
Die Blickrichtung wechselt von der Vergangenheit in die Zukunft. Das zeigt sich auch sprachlich.

Noch ist kein definitives 'Ja' zu hören, aber ein Satz wie „Jetzt wird sich vieles verändern“ signalisiert Veränderungsbereitschaft.

Zimmer 4 ("Erneuerung"):
Der Mitarbeiter hat das Neue akzeptiert. Leistung, Kooperation und Optimismus machen sich breit.

Für die Führungskraft ist das erkennbar an Sätzen wie „Ich glaube, in der neuen Aufstellung können wir viel erreichen“ oder „Wir haben es geschafft“ oder „Die Mühe hat sich gelohnt“.  

Als Führungskraft selbst im Wandel voranschreiten

Während des Prozesses ist es sehr wichtig für die Führungskräfte – gerade auch im mittleren Management –, den Mitarbeitern immer ein Zimmer voraus zu sein.

Über die Jahre hat Unitymedia das als bedeutsam erkannt. Denn in diesen Hiererachieebenen befinden sich die Manager zusätzlich in der schwierigen Lage, nicht nur die Emotionen ihrer Teams auffangen zu müssen, sondern gleichzeitig selbst auch die Anforderungen ihrer Vorgesetzten im Rahmen des Change-Prozesses erfüllen zu müssen. 

Bei Unitymedia geht es nun darum, die Zimmer des Wandels neu zu besetzen – der Bedarf nach den „Changehouse“-Workshops dürfte sich angesichts des aktuellen Zusammenschlusses jedenfalls deutlich verstärken.

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