Business-School Führungskräfteschmiede des Ostens

Im slowenischen Bled sollen nicht nur bessere Führungskräfte ausgebildet werden, sondern auch bessere Menschen.

Hans-Peter Siebenhaar |

Führungskräfteschmiede des Ostens

Die IEDC-Bled School of Management im slowenischen Bled

Foto: leonidp / fotolia.com

Mehr Postkartenlandschaft geht nicht: Danica Purg blickt von ihrem Schreibtisch über die Wipfel der leuchtendgrünen Laubbäume auf den malerischen See von Bled, dahinter die imposante Kulisse der schneebedeckten Alpen. Doch an das spektakuläre Panorama verschwendet die Gründerin und Präsidentin der Bled School of Management (IEDC) keine Minute. Die Politikwissenschaftlerin hat einen randvollen Terminkalender. Denn die 70-Jährige arbeitet an einer Expansion der IEDC. Mal wieder.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Campus am See, eine knappe Autostunde von der slowenischen Hauptstadt Ljubljana entfernt, hat sie ein weiteres Gebäude erstanden. Eine Bibliothek ist darin geplant und zudem Platz für die Mitarbeiter und das Equipment eines neuen Online-Studiengangs. Zudem kündigt Purg an: "Wir wollen stärker in die Forschung gehen." Ein Innovationslabor soll entstehen.

Mangelware Führungskräfte

Die Professorin für Unternehmensführung ist eine Pionierin für die Managementausbildung in der Region. "Wir waren die erste Business-School in Mittel- und Osteuropa überhaupt", sagt sie mit einem gewissen Stolz. 1986, drei Jahre vor dem Fall des Eisernen Vorhangs, gründete sie mit Hilfe der slowenischen Handelskammer die Business-School in Ljubljana, die seit dem Jahr 2000 in Bled residiert. "Wir wollten die besten Schulen in Westeuropa kopieren", erinnert sich Purg.
Der Zeitpunkt der Gründung sollte sich als genau richtig erweisen. Denn nach dem Fall der Berliner Mauer waren Führungskräfte für Osteuropa Mangelware. Diese Chance nutzte die IEDC. Sie stieg zur Kaderschmiede für Manager in Osteuropa, insbesondere in den Balkanländern, auf. Heute lernen in Bled vor allem Studenten aus Slowenien, Kroatien, Serbien, Rumänien oder Ungarn für ihren MBA-Abschluss.

Internationaler Zulauf

Unternehmen wie Henkel und die Baumarktkette Obi, die Versicherungskonzerne Uniqa und Vienna Insurance Group oder Banken wie die Erste Group schicken ihre Manager für maßgeschneiderte Weiterbildungskurse nach Bled, Coca-Cola hat einen Lehrstuhl für Nachhaltigkeit spendiert. Seit kurzem wird an der IEDC nicht nur der MBA verliehen, sondern auch der Doktortitel. Bislang haben mehr als 75.000 Teilnehmer aus 82 Ländern die Programme der Business-School durchlaufen, die mit Amba eines der drei international wichtigen Gütesiegel hat. Manche wie Marko Anzic, slowenischer Manager der Telekom Austria, sind enthusiastisch: "Mein fünfwöchiger Managementkurs war auf einem wirklich hohen Niveau mit vielen praktischen Beispielen."

Heute ist Bled längst nicht mehr die einzige Business-School in Osteuropa. Die University of New York hat einen Ableger in Prag, es gibt die Central European University Business School in Budapest, die European Higher School of Economics and Management in Sofia und eine Reihe von Wirtschaftshochschulen in den baltischen Ländern, die sich in der Organisation Ceeman zusammengeschlossen haben. "Wir sind aber die internationalste Schule in Mittel- und Osteuropa", sagt Purg. Eine deutsche Führungskraft, die an Veranstaltungen in Bled teilnimmt, sagt: "Die Schule ist vor allem ihr Werk, Purg ist unermüdlich unterwegs." Tatsächlich fliegt Purg durch die Welt, um die Internationalisierung voranzutreiben. So will sie nun ein Büro in Dubai öffnen. "Ich will die ganze Welt in einer Klasse haben", sagt sie.

Mit Kosten von 23.000 Euro bis 34.000 Euro für die drei MBA-Programme ist Bled für osteuropäische Verhältnisse teuer. Dennoch sagt die Gründerin: "Wir könnten mehr verlangen." Doch dann seien die Bewerber aus Osteuropa raus, dann kämen vor allem Teilnehmer aus Westeuropa und Schwellenländern.

Unrechtbewusstsein schaffen

Die Hochschule hat es sich zum Ziel gesetzt, nicht nur das Einmaleins für Führungskräfte zu vermitteln, sondern den Managern etwa über die Auseinandersetzung mit der Kunst neue Perspektiven, Kreativität und Innovation zu vermitteln. "Es ist ein Vorteil, dass ich Politikwissenschaftlerin bin. Das gab mir von Anfang an einen größeren Blick für das Ganze", sagt Purg, die auch den slowenischen Präsidenten Borut Pahor berät.

IEDC hat nicht nur den Anspruch, bessere Manager auszubilden, sondern auch bessere Menschen. Denn Osteuropa leidet noch immer unter Bestechlichkeit, Vorteilsnahme und Vetternwirtschaft. Deshalb verpflichtet die slowenische Hochschule ihre Absolventen auch, eine Ethik-Erklärung zu unterzeichnen. Darin heißt es wörtlich: "Ich werde Korruption, unfairen Wettbewerb und für die Gesellschaft schädliche Geschäftspraktiken unterlassen." So eine Unterschrift ändert nicht das System, aber schafft ein Unrechtsbewusstsein – das zumindest ist die Hoffnung in Bled.

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