Büroalltag Mit diesen Veränderungen sorgen Sie im Büro garantiert für Unmut

In unserer Redaktion ist das Gratis-Obst eingestellt worden. Interessanter als diese Nachricht selbst war jedoch, was sie bei Vielen bewegt hat.

Von Lazar Backovic |

Mit diesen Veränderungen sorgen Sie im Büro garantiert für Unmut

Wirklich Banane: Chefs sollten liebgewonnene Zusatzleistungen nicht grundlos wieder entziehen

Foto: L. Backovic

Kürzlich erreichte mich eine Mail der Geschäftsführung über unseren Mitarbeiterverteiler. Unter dem harmlos klingenden Betreff "Kaffee- & Obstversorgung" verkündeten die Chefs dort gut getarnt im dritten Absatz, dass es aus ist – und zwar endgültig. Es "wurde entschieden, die Obstversorgung einzustellen", war da zu lesen. Das Foto oben ist meine wahrscheinlich letzte Gratis-Banane in diesem Haus.

Das ist traurig, klar. Viel interessanter als die Vorstellung, wie wahrscheinlich hunderte Kolleginnen und Kollegen nach dem Lesen der Mail achtsam wie nie ihre Büro-Mandarinen schälten, waren aber die Reaktionen aus der Belegschaft.

Aus den unterschiedlichsten Büros kamen Einwände. "Wäre es möglich, die Obstversorgung in Berlin beizubehalten?", fragte ein Kollege über den Verteiler. Eine andere Kollegin kommentierte augenzwinkernd: "Echte Männer essen kein Obst, sie essen Fruchtfleisch!" Weil es zwar weiterhin Kaffee, aber kein Obst mehr geben soll, legten wieder andere Kollegen Pro-und-Contra-Listen zu beiden Lebensmitteln vor. Es war ein bisschen wie ein Facebook-Post mit Dutzenden Kommentaren – nur eben per E-Mail.

Nun lässt sich vortrefflich darüber diskutieren, was der richtige Kommunikationskanal für so eine Diskussion ist (ein E-Mail-Verteiler mit mehreren hundert Mitarbeitern wahrscheinlich nicht). Fest steht aber: Wenn man Unruhe in einem Unternehmen provozieren will, reicht es offenbar schon, den Mitarbeitern die Fructose zu entziehen.

Freiwillige Zusatzleistungen

Doch im Ernst: Das Obst ist mehr als Fruchtzucker für die Kollegen gewesen. Es war vor allem eine aufmerksame Geste, die den Mitarbeitern ans Herz gewachsen ist. "Der Obstkorb kommt hier extrem gut an", schrieb ein Kollege etwa ans Kollektiv. Da ist Rebellieren fast logisch. Niemand verändert gerne etwas, an das man sich gewöhnt und das man liebgewonnen hat. Ich weiß, wovon ich spreche: Gerade versuchen meine Frau und ich unserem Sohn den Schnuller abzugewöhnen.

Was an der Causa Clementine jedoch interessant ist: Niemand würde heute vermutlich einen Obstkorb vermissen, wenn er nicht irgendwann einmal gratis dagestanden hätte. So ist das mit wohl mit kleinen Zugaben: Sie können eine nette Wertschätzung sein, wenn man sie einführt – und sich in wie eine Bestrafung anfühlen, wenn man sie wieder einkassiert. Auch wenn das gar nicht die Absicht dahinter ist. Hier sind vier weitere nicht ganz ernst gemeinte Beispiele für Dinge, die Chefs nur mit höchster Vorsicht verändern sollten.

Sitzordnung

Die heiligste aller Büro-Kühe ist wahrscheinlich aus Sitzfleisch gemacht. Wem der Arbeitsalltag als Chef zu ruhig ist, der muss es nur wie in der Schule machen – und die Leute an einen anderen Platz setzen. Emotionale Diskussionen und erste Leaks von vorläufigen Sitzplänen sind dann vorprogrammiert.

Mailprogramm

Apropos Programmieren. Generell beschert uns der technische Fortschritt ja jede Menge sinnvolle Neuerungen. Zu einem Ort auf ihrem Computer scheinen die meisten Büro-Arbeiter aber eine äußerst innige Beziehung zu pflegen: dem eigenen Mailpostfach.

Eingang, Ausgang, das hat jeder. Tiefe Kerben in die Liaison zwischen Mitarbeiter und Mailprogramm ritzen jedoch erst die vielen hundert Ordner mit ihrem kapillarartigen Unterordnersystem und zig Favoriten-Sternchen, die sich garantiert niemals vollständig auf irgendein neues System übertragen lassen. Wenn Sie sich also nicht wochenlang Fragen zum Verbleib uralter Mails und der Ästhetik von Adressbücher-Icons stellen lassen möchten – lassen Sie die Finger von ihrem derzeitigen Büro-Mailprogramm.

Kantinenpreise

Man kennt es noch aus der Uni. Gegen Studiengebühren sind nur die wirklich Engagierten auf die Straßen gegangen. Wenn aber die Pommes in der Mensa plötzlich 25 Cent teurer wurde, gab es Revolutionen wie zuletzt bei den 68ern. Auch wenn alles irgendwann teurer wird: Überlegen Sie gut, wie viel der Mehrkosten Sie an Ihre Mitarbeiter wirklich weitergeben wollen – oder ob der Aufschlag auf den Nachschlag nicht doch ein sinnvolles Investment in den Bürofrieden ist.

Business Class oder Dienstwagen

Gerade beim Reisen scheinen Privilegien irgendwann nicht mehr Kür, sondern Pflicht zu sein. Ein riesiger Dienstwagen, Business- oder First-Class-Upgrades, eine Bahncard 100 mit Komfort-Sitzplatzgarantie und Lizenz zum Großmutter-Wegschubsen: Das alles ist freilich nicht notwendig, aber schon irgendwie nötig nach all den Jahren, in denen man so hart gebuckelt hat. Wer einem da auch nur einen Milliliter vom Hubraum wegnimmt, begibt sich auf gefährliches Terrain.

Das sagt die Wissenschaft

Generell gilt: Tatsächlich können Incentives kurzfristig die Motivation steigern. Das Problem ist: Man muss ständig nachlegen.  So beobachteten die zwei Harvard-Ökonomen Doug J. Chung und Das Narayandas bei einer indischen Firma, wie die Verkaufszahlen um ein knappes Viertel nach oben gingen, wenn bestimmte Zielvorgaben an einen Bonus gekoppelt waren.

Was die Studie auch zeigte, war, wie kurz der Belohnungseffekt anhielt. Ähnlich wie bei Suchtmitteln war die Leistung der Vertriebler dann am höchsten, wenn sie den Bonus erhalten haben. In den Wochen danach schmierten die Verkaufszahlen deutlich ab.

Wer zu viele Anreize setzt, kommt also nur schwer wieder von ihnen runter. Und in der Regel nicht ohne Entzugserscheinungen. Ein Glück, dass diese beim Obst nicht ganz so heftig sind. 

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