Anfängerfehler als Unternehmensberater So überleben Sie im Consulting-Haifischbecken

Die Beraterbranche gilt als harte Schule für jeden, der Karriere machen möchte. Die acht Kardinalfehler im Consulting – und wie Sie sie vermeiden.

Von Lilian Fiala |

So überleben Sie im Consulting-Haifischbecken

Unternehmensberater: So überleben Sie im Haifischbecken

Unternehmensberater haben es nicht leicht: Die Branche gleicht einem Haifischbecken.

© Design Pics/Getty Images

Fehler 1: Falsche Priorisierung

In jeder Beratung müssen unter großem Zeitdruck wichtige Probleme und Themen gelöst werden. In der Uni lernen junge Berater, jedes Detail eines Falls zu analysieren und eine Lösung zu finden. Im Gegensatz dazu fokussiere man sich in der Beratung nur auf die Sachen, die wirklich absolut relevant seien, erklärt Thomas-Navin Lal, Partner beim Training- und Coaching-Unternehmen Mind the Gap und Autor des Ratgebers „Consulting Survival Guide“. „Wer das nicht schnell lernt, verbringt lange Abende im Büro und kommt mit seinen Aufträgen nicht mehr hinterher.“

So überleben Sie: Weil das Arbeitspensum von Beratern mit 65 bis 70 Stunden pro Woche bereits ohne extra Aufwand besonders hoch ist, heißt es jetzt, schnell auf den Punkt zu kommen. Dazu ist es notwendig, sich deutlich zu machen, welche Aufgaben oben auf der Prioritätenliste stehen sollten – und welche man gänzlich streichen kann.

Fehler 2: Motivationsverlust

Das Phänomen des „Insecure Overachivers“ ist in der Beratung weit verbreitet. Diesen Menschen ist die Marke der Firma, das Gehalt und eine steile Karriere extrem wichtig. „Das gefährliche daran ist, dass sich solche Leute zu viele Themen auf die Schultern packen und nicht gut auf sich aufpassen“ erklärt Lal. Das sei auf die Dauer nicht gesund. „Sie müssen lernen, Dinge anders zu kompensieren.“

Seltener trifft man in der Beratung auf Menschen, die wenig Motivation zeigen. „In diesen Fällen handelt es sich meist um sehr anspruchsvolle Vertreter der Generation Y, denen alles Spaß machen muss“ sagt Lals Kollege und Co-Autor Ulrich Schlattmann. Grundsätzlich sei das ein guter Ansatz. „Doch in jedem Berufsfeld gibt es Dinge, die weniger Spaß machen und für die man trotzdem Motivation aufbringen muss.“
So überleben Sie: Eine hohe Motivation ist grundsätzlich gut – denn motivierte Berater machen bei Chefs und Kunden einen besseren Eindruck. Doch Sie sollten sich vorher über ihre eigenen Prioritäten klarwerden und immer wieder hinterfragen, ob diese noch erfüllt werden. In ihrem Ratgeber nennen die Autoren die drei wichtigsten Aspekte:

  • Weiterentwicklung: Sind Sie in Ihrer Arbeit gefordert? Lernen Sie dazu? Haben Sie das Gefühl, dass Sie sich immer wieder weiterentwickeln?
  • Bestätigung: Haben Sie das Gefühl, wichtig zu sein? Halten Sie ihre Tätigkeit für sinnvoll? Haben Sie Einfluss auf Ihre Umgebung?
  • Kontakt: Gibt es ein positives Miteinander mit den Kollegen? Haben Sie Spaß?

Fehler 3: Zu hohe Erwartungen

Unternehmen liefern sich einen harten Wettkampf um junge Talente. Im Recruiting von Beratern wird daher häufig vieles versprochen, das in der Realität dann anders aussieht. „Aufgrund des harten Wettbewerbs um Talente werden im Recruiting vornehmlich spannende und strategische Fälle präsentiert“, sagt Berater Schlattmann. „In der Realität sind diese Fälle aber nur ein Teil der tatsächlichen Arbeit.“ Manche seien dann enttäuscht. Denn es gehören auch Fälle zum Arbeitsalltag, in denen es sehr prozessual zu geht oder um die reine Ausführung von Projekten.
So überleben Sie: Bleiben Sie realistisch. Zu jedem Job gehören spannende und weniger interessante Tätigkeiten. Die Kunst liegt darin, in beiden die Möglichkeit zur Weiterentwicklung zu sehen. Mit der richtigen Einstellung können auch weniger attraktive Aufgaben zu wertvollen Erfahrungen werden.

Fehler 4: Schlechtes Zeitmanagement

Zeitmanagement und Priorisierung sind voneinander abhängig. Wer sich nicht auf die wichtigen Dinge konzentriert und in Details verliert, kommt schnell ins Straucheln.

So überleben Sie: „Am sinnvollsten ist es, einen 80-zu-20 Ansatz zu verfolgen“, sagt Schlattmann. Er bezieht sich hier auf das Paretoprinzip, nach welchem 80 Prozent der Ergebnisse mit 20 Prozent des Gesamtaufwandes erreicht werden. Die verbleibenden 20 Prozent benötigen mit 80 Prozent die meiste Arbeitskraft. „Es macht natürlich am meisten Sinn, das Wichtigste zu machen und die anderen 20 Prozent dann zu reduzieren oder weg zu lassen“ erklärt Schlattmann.

„Zu gutem Zeitmanagement gehört außerdem, sich selbst gut zu organisieren“ sagt Thomas-Navin Lal. „Dazu gehört, immer eine To-Do-Liste zu haben, alle Termine im Kalender einzupflegen und seine Emails zu pflegen.“ Gerade am Anfang würden viele an dieser Organisation scheitern.

Fehler 5: Unsensibler Umgang mit Kunden

Ein Berater hat mit vielen unterschiedlichen Kunden zu tun. Daher müssen sie neben Analysefähigkeit und Sachwissen auch Soft-Skills wie den sicheren Umgang mit Kunden und ein selbstsicheres Auftreten beherrschen. „Manche der jungen Berater sind anfangs eher introvertiert und trauen sich nicht so recht vor“, sagt Ulrich Schlattmann. „Immer wieder wird auch unterschätzt, wie wichtig das Vortragen von Präsentationen ist.“ Zwar werde sich lange darauf vorbereitet und jedes Slide optimiert. Doch der eigentliche Vortrag werde meist nicht genug geprobt.

So überleben Sie: „Es ist extrem wichtig, dass Berater verstehen, was für den Kunden ein Mehrwert ist und wie sie mit ihm arbeiten“, erklärt Lal. Denn die Kunden haben bereits viel Erfahrung in der Industrie. „Ganz selten sind auch mal junge Kollegen dabei, die sich dem Kunden gegenüber arrogant verhalten.“ Das ginge dann sofort nach hinten los. „Diese Leute kommen aber meist nicht durch den Recruiting Prozess.“

Fehler 6: Zu wenig Selbstreflexion und Kritikfähigkeit

„Die Trennlinie zwischen Arroganz und Selbstbewusstsein ist dabei manchmal sehr schmal. Den Unterschied macht dabei die Bereitschaft zur Selbstreflexion und Kritikfähigkeit“, sagt Schlattmann. In der Beratung werde eine Feedback-Kultur gelebt, in der es darum geht, sich immer wieder zu verbessern und weiter zu entwickeln. „Wer nicht kritikfähig ist, hat in der Beratung nichts verloren“, weiß Lal.

So überleben Sie: Selbstreflexion ist in der Beratung unbedingt notwendig. Holen Sie sich Feedback von Vorgesetzten, aber auch von Kunden. Dieses sollten Sie ernst nehmen und versuchen umzusetzen.

Fehler 7: Unterschätzen der Hierarchien

Die Beratung gehört zu den Berufsfeldern, in denen eine klare Hierarchie besteht. „Da schnell und effizient Entscheidungen getroffen werden müssen, gibt es schon eine klare Rollenaufteilung, die sich in der Hierarchie widerspiegelt“, sagt Schlattmann. „Diese klaren Hierarchien werden teils unterschätzt.“ Zwar werden Fälle über alle Ebenen hinweg offen diskutiert. Die endgültige Entscheidung treffe aber eben doch der ältere Partner und nicht der Junior Berater.

So überleben Sie: In ihrem Ratgeber unterscheiden die Autoren zwischen drei hierarchischen Positionen, die je nach Unternehmen andere Namen oder Unterpositionen beinhalten können:

Der Partner steht an der Spitze des Unternehmens und ist mit seinen Partnerkollegen Eigentümer und Führungskraft des Unternehmens
Der Projektleiter agiert als verlängerter Arm des Partners und steht in der Hierarchie an zweiter Stelle. Er muss konkrete Entscheidungen treffen, ist der Ansprechpartner für Kunden, hält die inhaltlichen Fäden in der Hand und sucht die passenden Berater für Projekte aus.
Der (Senior-) Berater übernimmt die inhaltliche Arbeit und wird von dem Projektleiter bei seinen Aufgaben begleitet

Fehler 8: Überhöhter Ehrgeiz

Hierarchien tragen zum Druck bei. Das Prinzip „Up or Out“ gilt in der Branche – wer nicht befördert wird, muss irgendwann gehen. Zudem haben Kunden hohe Erwartungen, was zu einem hohen Stresslevel führt. „Der Druck ist ein Grund, aus dem Menschen gerade am Anfang entscheiden, sich doch ein anderes Berufsfeld zu suchen oder den Bereich zu wechseln“ erklärt Lal.
Außerdem seien junge Kollegen besonders ehrgeizig. Viele seien es gewohnt, in der Uni zu den Besten zu gehören. „Dann unter den Besten wieder zur Spitze zu gehören ist weitaus schwieriger“, sagt Schlattmann. „Der größte Druck kommt meistens durch den eigenen Ehrgeiz.“
So überleben Sie: Jeder Mensch trägt Ressourcen in sich, die ihm dabei helfen mit Druck umzugehen. Lal und Schlattmann definieren diese Ressourcen wie folgt:

  • Persönliche Stressresistenz
  • Das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein (Lebenspartner, Familie, Freunde)
  • Feiern gehen
  • Humor und Abgrenzungsfähigkeit
  • Hobbys, die man gerne ausübt
  • Sport, Bewegung und Sexualität
  • Schlaf und Auszeiten
  • Jemanden zum Reden, gegebenenfalls auch auf Profi-Ebene (Coach, Therapeut)

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