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Unternehmenszweck Was macht eigentlich ein Purpose-Manager?

Vivek Bapat kümmert sich beim Softwareriesen SAP um den Unternehmenszweck. Gerade in der Coronakrise hält er die Sinnfrage für wichtiger denn je.

Von Michael Scheppe |

Der Zweck der Arbeit – das ist die tägliche Mission von Vivek Bapat. Der SAP-Manager ist seit acht Monaten so etwas wie der Chef-Koordinator für den Purpose der Softwarefirma. Purpose – so bezeichnen Berater und Manager neudeutsch den Sinn, den Zweck oder die Bestimmung eines Unternehmens. Früher hätten Firmen so etwas noch schlicht als Leitbild bezeichnet.

SAPs Purpose lautet: „Help the world run better and improve people’s lives“. Für Bapat ist der Satz „Kern und Seele der Firma“. Due Aufgabe des Managers: Den Firmenzweck in Strategie, Produktentwicklung und Kundenbindung bei SAP zu verankern.

Das sei gerade in Corona-Zeiten aktueller denn je, meint Bapat: „Jede Firma muss sich gerade jetzt die Frage stellen, wofür sie eigentlich existiert.“ Je mehr Mitarbeiter das beantworten könnten, desto leichter sei es für ein Unternehmen, sich neuen Begebenheiten anzupassen, so der Purpose-Manager.

Purpose wird in der Krise für Konzerne wichtiger

Nicht nur für Bapat und SAP hat das Thema Purpose in der Krise an Bedeutung gewonnen. So denken fast alle Dax-Konzerne, wie eine Umfrage von Karriere.de unter Deutschlands Top-Firmen zeigt. So antworteten ausnahmslos alle 25 Unternehmen, die sich auf die Anfrage zurückgemeldet haben, dass für sie durch Corona das Thema Purpose wichtiger geworden sei.

Aber: Die Sinnstiftung scheint bei vielen Mitarbeitern nicht anzukommen. 59 Prozent der Fach- und Führungskräfte sind nicht in der Lage, den Purpose der eigenen Firma auf Anhieb zu nennen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage der Managementberatung Kienbaum in Kooperation mit der Düsseldorfer Purpose-Agentur Human Unlimited unter 1300 Fach- und Führungskräften.

Für den Managementtrend Purpose wird die Pandemie somit zum Stresstest. Schließlich werden in der Krise die intern geführten Sinndebatten gerade in krisengebeutelten Branchen durch drängendere Themen von außen überlagert: Es geht vielerorts um das Managen von Kurzarbeit, Arbeitsplatzabbau, Sanierung – kurzum: ums Überleben. Für Purpose-Fragen ist da nur wenig Zeit.

SAP-Manager Bapat: Mehr Purpose geht immer

Was also bleibt vom Purpose-Trend nach Corona – ist es Sinn oder doch Unsinn?

SAP-Manager Bapat hat dazu eine klare Meinung: Mehr Purpose geht immer. Von Austin in Texas arbeitet der 53-Jährige mit Kollegen aus allen Abteilungen weltweit zusammen. Ein neues SAP-Tool etwa, mit dem Firmen ihren ökologischen Fußabdruck entlang der Wertschöpfungskette messen können oder eine Initiative, die Menschen mit autistischen Erkrankungen für die Arbeit bei SAP qualifizieren soll, laufen bei Bapat zusammen.

Bei SAP dürfte der Purpose in der Unternehmenskultur tiefer verankert sein als in anderen Firmen. Schon in den 1980er-Jahren hatte sich der IT-Konzern einem Sinn verschrieben. Auch die Bezahlung des Top-Management richtet sich stärker an sozialen und nachhaltigen Zielen aus als das bei anderen Firmen der Fall ist.

Purpose treibt Geschäftszahlen nach oben

Und was bringt das? Für Kunden würden soziale und nachhaltige Bemühungen von Unternehmen immer wichtiger. Gerade junge Talente würden nach einer Beschäftigung mit Sinn suchen, erzählt Bapat. „Wenn die Produkte besser sind, Kunden ihre Ziele erreichen und Mitarbeiter engagierter sind, hat das ganz offensichtlich auch positive ökonomische Effekte.“

Interne Berechnungen zeigen: Wenn der Zufriedenheitsindex bei SAP um einen Prozentpunkt zulegt, steigert es das Unternehmensergebnis um einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr. Und das, sagen sie bei SAP, liege eben auch am Purpose.

Ähnlich argumentieren auch Berater, die mit der Suche nach dem Sinn gutes Geld verdienen. Gerade jetzt sei ein tieferer Firmensinn der Nordstern, an dem sich das Unternehmen orientieren könne, sagt Dominic Veken von der Purpose-Beratung Brighthouse. „Insbesondere in schwierigen Zeiten funktioniert der Purpose wie ein innerer Kompass und kann Managern und Mitarbeitern Hoffnung und Mut verleihen.“

Doch gibt es gerade, wenn Betriebe Kurzarbeit und Entlassungen managen müssen, nichts Wichtigeres, als sich um den Sinn der Firma zu kümmern? „Für Unternehmen, die gerade ums pure Überleben kämpfen, ist die Krise tatsächlich nicht der richtige Zeitpunkt, um für sich einen Purpose zu definieren“, so Veken. Ein Purpose könne keine Heilsbotschaft sein.

Die meisten Brighthouse-Kunden lassen sich derzeit dabei beraten, wie sie ihren Purpose in der Firma mobilisieren können. Wie kann das gelingen? Damit Unternehmen wirklich etwas bewegen könnten, müssten Firmen Purpose ganzheitlich betrachten und beispielsweise Mitarbeitern mehr Mitbestimmung zugestehen, an den Zielvorgaben arbeiten, Leistungsbewertung und Boni neu denken, erklärt Veken. Es gehe hauptsächlich darum, die Strukturen und Handlungen zu verändern.

SAP und seine 200 Purpose-Champions

Das ist auch das Ziel von Manager Bapat. Bei SAP treiben nicht nur er und ein 15-köpfiges Team den Firmenzweck voran. Bei dem Softwarekonzern gibt es weltweit über 200 „Purpose-Champions“, die die Sinnfrage in Abläufe und Entwicklung neuer Produkte tragen. Zehn Prozent ihrer regulären Arbeitszeit dürfen die SAP-Champions dafür investieren.

„Wenn Firmen sich nach einem Purpose ausrichten, muss das nicht so personell manifestiert sein wie bei SAP“, gibt Bapat zu. Aber: „Der Unternehmenszweck darf nicht nur ein Slogan sein.“ Er müsse von Managern und Mitarbeitern authentisch gelebt werden.

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