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Rückkehr aus dem Silicon Valley Fünf Lehren aus dem Tal der Zukunft

Welche Erkenntnisse Christopher Cederskog und Georg Bauser bei ihrem Start-up geholfen haben.

Management | Von Anne Koschik |

Fünf Lehren aus dem Tal der Zukunft

Voller Kreativität zurück nach Deutschland

Die beiden Gründer Georg Bauser (links) und Christopher Cederskog haben für ihr Start-up in Berlin viele Ideen aus dem Silicon Valley mitgebracht.

Foto: Jonas Holthaus Photography

Sie kommen aus zwei unterschiedlichen Welten: Der eine Betriebswirt mit Banking-Erfahrung in Frankfurt. Der andere Wirtschaftsinformatiker mit IT-Projektkenntnissen bei Red Bull in Österreich. Christopher Cederskog, 36, und Georg Bauser, 34, tauchten früh in die Start-up-Szene ein und kamen darüber im Jahr 2011 zum Wohnungsvermittler Airbnb.

Cederskog, der Finanzmensch, etablierte dort die Controlling-Abteilung und war für den globalen Business-Plan mitverantwortlich. Bauser baute das Europageschäft mit auf und konzipierte für Airbnb in Amerika die „Experiences“-Plattform, die später auch hierzulande unter dem Namen „Erkundungen“ eingeführt wurde. Sie empfiehlt Reisenden Restaurants und Entdeckungstouren in der Nähe ihrer Unterkunft.

Vier Jahre lang waren beide im Silicon Valley. Das Tal der Zukunft hat sie tief beeindruckt, erzählen sie heute: Die enorme Dichte an Leuten, die Unglaubliches erreichen wollen. Die kreative Kraft und Vielfalt an Ideen. Und dieser Mindset, immer noch höher hinaus zu wollen.

Doch beide hatten auch Probleme mit einer Gesellschaft, in der die Extreme zwischen Arm und Reich immer größer werden. Die Preise für Immobilien: fast unbezahlbar. Die Probleme mit Obdachlosen und Drogenabhängigen: nervenzehrend. Die Straßen: verstopft. Das alles führte sie letztlich zurück nach Deutschland.

Ihr Wissen aus dem Valley bringen Bauser und Cederskog nun in ihrem gemeinsamen Berliner Start-up Expansion Partner ein. Das junge Unternehmen unterstützt Firmen, die aus den USA nach Europa kommen, bei ihren Wachstumsplänen in Deutschland, Großbritannien oder Frankreich. So verbinden die erfahrenen Gründer ihre Heimat mit dem Silicon Valley, sie bleiben durch regelmäßige Besuche dort immer auf dem Laufenden.

Diese fünf Lehren haben sie aus dem Tal der Zukunft mitgebracht:

Lehre 1: Einfach mal ausprobieren

„Nicht zu Tode planen, sondern machen!“ So spornte Airbnb-Chef Brian Chesky seine Mitarbeiter immer wieder an. Der CEO nutzte die Erkenntnis des promovierten Harvard-Informatikers und bekannten Buchautors Paul Graham: „Do things that don‘t scale.“

  • Dabei geht es darum, „mit wenig technischer Infrastruktur ganz schnell festzustellen, was erfolgreich werden könnte – auch in einem Milliardenkonzern“, sagt Bauser. In der digitalen Welt sei das im Gegensatz zur analogen Welt auch möglich: „Großes kostet nicht viel“, ergänzt Cederskog.

Im Silicon Valley sind alle eben sehr offen für neue Ideen. Dahinter stecke im Kern häufig auch „der naive Glaube, dass man die Welt verändern kann“, so Cederskog.

Lehre 2: Sich mit Gleichgesinnten vernetzen

Mutig sein, Visionen ausprobieren, und das immer im direkten Austausch mit dem CEO – für diese Erfahrung waren die beiden Berliner Junggründer bereit, einige Einschränkungen in Sachen Freizeit in Kauf zu nehmen: „Es war mir egal, nur zehn Tage Urlaub zu haben und jeden Sonntag um 15 Uhr für ein Projekt-Briefing bereitstehen zu müssen“, sagt Bauser.

Und auch Cederskog erinnert sich gern an die Anziehungskraft im Valley. Und an die enorme Dichte an Leuten, die etwas erreichen wollten: „Man bleibt vor allem aus genau diesem Grund dort.“

Gleichgesinnte zu treffen sei dann auch wirklich leicht. „In Cafés redet man miteinander. Auch über neue Ideen und auf die Gefahr hin, dass alle mithören können“, so Cederskog. Diese Vorbehaltlosigkeit beeindruckt den Geschäftsführer noch heute: „Keiner hat Angst, dass jemand einem die Idee klaut.“

Lehre 3: Trends erkennen und Innovationen entwickeln

Dafür steht das Silicon Valley, und davon wollen auch deutsche Unternehmen profitieren. Laut Bauser funktioniere das Valley mit seinen Start-ups deshalb so gut, weil Weltkonzerne dort angesiedelt sind, Erfinder und Investoren da leben und der Heimatmarkt direkt vor der Tür existiert.

Die Größenordnung für alle: „Think big“. In dieser Form zu denken helfe enorm, sämtliche Möglichkeiten überhaupt zu erkennen, so Bauser.

Lehre 4: Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Eines ist auch klar: Der Leistungsdruck im Valley ist immens, erzählen die beiden Gründer, der persönliche Arbeitseinsatz extrem hoch. Denn die Agilität der anderen erfordere eben, dass man auch selbst besonders schnell ist. „Und es gibt auch diejenigen, die sich ruinieren“, sagt Bauser.

Dazu kommen die hohen Lebenshaltungskosten: Für Wohnung, Essen und Auto. Nahverkehr? Existiert kaum, sagt Bauser. Selbst die Krankenversicherung garantiere nicht unbedingt, dass sie alle Kosten übernimmt: „Jeder Zahnarztbesuch hat mich noch 200 Dollar extra gekostet.“

Eine Erkenntnis, die Cederskog auch im Gepäck nach Deutschland mitgenommen hat: „Es ist eine Illusion, dass jeder alles erreichen kann.“

Lehre 5: Auch Europa hat viel zu bieten

Die Rückkehr nach Europa war für Bauser ein Kulturschock: „Mir fiel auf, wie rückständig Deutschland ist und wie wenig zukunftsgerichtet, speziell im Digitalisierungswissen.“

Aber: Städte wie London und Berlin, Paris, Barcelona, Amsterdam und München ständen zunehmend für mehr Austausch und Offenheit, auch für Verdichtung und kreative Kräfte. Cederskog ist gar der Meinung, dass es diese Haltung in Europa immer schon gegeben habe, es sei nur anders und eben nicht in der Breite gelebt worden.

Die Unterschiede zum Silicon Valley seien heute gar nicht mehr so groß. Cederskog wehrt sich dagegen, Erfolg nur vom Ort her zu denken: „Schauen Sie auf Amazon, Spotify und Alibaba. Die kommen auch nicht aus dem Silicon Valley.“ 

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