Das Erfolgsportal von
Handelsblatt & WirtschaftsWoche
Know-how und Inspiration für alle, die einen Top-Job
suchen, ihr Gehalt optimieren und im Beruf hoch hinaus wollen.

Ricardo Ferrer Rivero: Dieser Manager hat sich bis in die Fingerspitzen optimiert

Ricardo Ferrer Rivero Dieser Manager hat sich bis in die Fingerspitzen optimiert

Flüssignahrung, Chipimplantat, Tiefschlaf-Training – und das alles, um mehr Zeit fürs Geschäft zu haben. Ricardo Ferrer Rivero ist einer der ersten Cyborg-Manager der Welt. Aber er dürfte nicht der letzte sein.

Von Claudia Obmann |

Dieser Manager hat sich bis in die Fingerspitzen optimiert

Ricardo Ferrer Rivero

Um mehr Zeit fürs Geschäft zu haben hat der 35-Jährige sich selbst optimiert.

© Sascha Wolters

In den letzten zehn Jahren hat Ricardo Ferrer Rivero neun Firmen gegründet. Dazu gehören der Co-Working-Space „Hafven“ in Hannover mit 1300 registrierten Nutzern. Eine weitere Firma, die ein Bitcoin-Bezahlterminal entwickelt. Sowie ein Startup, das Cloud-Speicherplatz verwaltet und von Atlassian aufgekauft wurde.

Wer so viele Projekte gleichzeitig managt, dem fehlt vor allem eins: Zeit. Doch mit diesem Umstand wollte sich der 35 Jahre alte Seriengründer nicht abfinden. Der gebürtige Venezolaner überlegte, wie er nicht nur seine Lebensweise, sondern auch sich selbst optimieren könnte.

Das Ziel: Mithilfe von Technik weniger essen und schlafen und trotzdem gesund bleiben. Nach diversen Experimenten sagt er: „Selbstoptimierung lohnt sich für mich, um mehr aus meinem Leben rauszuholen und der Nachwelt etwas Sinnvolles zu hinterlassen.“ Hier seine Ideen im Detail, um sich schneller und effektiver durch den Alltag zu bewegen.

Flüssignahrung

Nach Pizza-Abo, Experimenten mit „Bullet-Proof-Coffee“ (einer besonders sättigenden Kaffee-Variante, für die Espresso mit Kokosöl und Butter angereichert wird), sowie Smoothies aus frischen Früchten, stieg er schließlich auf Astronautennahrung um.
„Mana“ heißt das nahrhafte Pulver, das in Prag von Heaven Labs produziert wird, portionsweise abgepackt ist und nur noch mit etwas Wasser zum Shake angerührt wird. Vier Geschmacksrichtungen gibt es – das neutrale Origin, Waldbeere, tropische Früchte und Schoko.

Ferrer Rivero lässt sich den nahrhaften Drink kistenweise liefern und freut sich über die gesparte Zeit, die er so nicht mehr mit Einkaufen, Kochen und Essen „verliere“, wie er sagt. Etwa eine Stunde pro gesparter Mahlzeit, so schätzt der Manager, gewinne er durch die Flüssignahrung. „Das summiert sich“. Fünf bis sechs Shakes trinkt er pro Tag und deckt damit etwa 80 Prozent seiner Ernährung ab. Heißhunger vor dem Bildschirm kennt er nicht mehr. Den Gusto auf Knuspriges wie Chips aber schon. Geht er doch mal essen, um mit seiner Familie, Freunden oder Geschäftspartnern schöne Momente zu teilen, gönnt er sich gern etwas Besonderes: „Ich habe einen exzentrisches Geschmack entwickelt“, sagt er. Molekularküche begeistert ihn. Dann gibt es statt Babybrei für Erwachsene in seinem Lieblings-Restaurant zum Beispiel Rote Beete als Lutscher, Fisch in Pulverform oder Mango-Kaviar.

Chip-Implantat

Ballt Ferrer Rivero seine Faust, zeichnen sich Umrisse eines reiskorn-großen Chips unter seiner Haut ab. „Es hat gezwickt, aber nach ein paar Sekunden war es vorbei", erinnert sich der Unternehmer daran, als ihm vor drei Jahren auf der Computermesse Cebit der Funk-Chip implantiert wurde. Nicht nur Name, Anschrift, Telefonnummer und Mailadresse übermittelt Ferrer Rivero mit dem Mikrochip inzwischen an die Smartphones seiner Geschäftspartner. Für Notfälle kennt das Implantat auch seine Blutgruppe, Allergien und Ferrer Riveros Schwester als Kontaktperson. Im Todesfall weiß der Chip sogar, dass Ferrer Rivero Organspender ist.

Alltäglicher ist jedoch eine andere Anwendung des Funkchips: So öffnet der Gründer mithilfe der Technik rund um seinen Arbeitsplatz etwa 50 Türen, die mit elektronischen Code-Schlössern versehen sind. Selbst in die Tiefgarage kommt er mit seinem Implantat.

Gerade tüftelt der Pionier unter den Maschinen-Menschen an einem Mobilitätskonzept, bei dem sich mehrere Coworking-Space-Nutzer, die ebenfalls einen Chip in sich tragen, ein Dienstfahrzeug teilen. Um es öffnen und starten zu können, muss ein entsprechender Funkempfänger im Auto vorhanden sein, der die zugelassenen Fahrer erkennt und dann die Wegfahrsperre löst.

Apple Watch

Ferrer Riveros smarte Uhr ist mit einem EKG-Sensor ausgestattet. Hält der Unternehmer seinen Finger vor die seitlich eingebaute Elektrode, ermittelt die Apple Watch Ferrer Riveros Pulsfrequenz. Auf die gesammelten Gesundheitsdaten setzt der Manager große Hoffnung. „Denn, je mehr ich über mich weiß, umso mehr kann mir künstliche Intelligenz dabei helfen, mich zu optimieren.“ Seine regelmäßigen Aufzeichnungen zu Gewicht, Kalorienverbrauch und Stresslevel, könnten Erkrankungen wie einen drohenden Herzinfarkt, rechtzeitig sichtbar machen, hofft der Unternehmer. Doch davon ist die Technik noch entfernt: Bislang erinnert ihn sein Smartphone vor allem daran, mal wieder Pause zu machen.

Bio-Feedback

Der Unternehmer pendelt zwischen Prag, wo er sich inzwischen am Hersteller der Flüssignahrung Mana als Geschäftspartner beteiligt hat, und Hannover, wo die meisten anderen seiner Unternehmen angesiedelt sind. Viele Reisen für den Visionär Ferrer Rivero. „Da habe ich manchmal Schwierigkeiten runterzukommen“, gibt er offen zu. Deshalb hat der 35-Jährige begonnen, regelmäßig zu meditieren. Dabei verfolgt ein EEG-Sensor in einem Stirnband seine Gehirnströme und wandelt die Impulse in eine Sounddatei um. Die kann der Unternehmer per Kopfhörer hören – zum Beispiel als Meeresbrandung, Windsturm oder Regenwald-Kulisse. „Ist mein Gehirn aktiv, sind die Geräusche laut. Je mehr ich mich entspanne, desto leiser wird´s.“

Tiefschlaf-Training

Seit gut vier Jahren misst ein Sensor im Ferrer Riveros Bett Herzschlag, Atmung und registriert seine Tiefschlafphasen. Eine Kurve zeigt ihm später den jeweiligen Verlauf. Solcherart ausgerüstet, begann der Unternehmer mit sogenanntem polyphasischem Schlaf zu experimentieren. Ein Muster, das den Rhythmus von Neugeborenen imitiert und mindestens dreimal Schlafen pro Tag vorsieht. Den Anhängern geht es darum, zur Zeitersparnis den Körper darauf zu trainieren, schnellstens in den wertvollen Tiefschlaf zu fallen. Und so klingelt in regelmäßigen Abständen der Wecker. Das übliche Schlafmuster, bei dem Erwachsene im Durchschnitt rund sieben Stunden am Stück schlafen, überzeugte den gebürtigen Südamerikaner nicht.

Auch eine Verkürzung der nächtlichen Ruhe plus zusätzlicher Siesta, wie es seine Landsleute schätzen, kam für ihn nicht in Frage. Stattdessen bevorzugt Ferrer Rivero das sogenannte „Dymaxion"-Prinzip des Architekten Richard Buckminster Fuller: Alle fünfeinhalb Stunden hält er ein 30-minütiges Nickerchen. So kommt er auf insgesamt gerade mal zwei Stunden Schlaf pro Tag. Ein enormer Zeitgewinn für den umtriebigen Macher. Er erzählt: „Ich habe angefangen in den gewonnenen Wach-Stunden eine neue Sprache zu lernen.“ Zuerst Japanisch, inzwischen büffelt er Tschechisch. Doch gerade auf Reisen ließe sich das neue Schlafmuster nicht konsequent durchziehen. Deshalb richtet er gerade in seinen Büros in Hannover und Prag Schlafkabinen ein und kann es auch kaum erwarten, dass ihm jederzeit „selbstfahrende Autos mit Betten zur Verfügung stehen.“

Artikel teilen

Lade Seite...