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Neue Statussymbole Wie sich Macht in virtuellen Zeiten verändert

Eckbüro, Dienstwagen, Vielfliegerkarte bringen im Homeoffice wenig. Manager müssen ihre Macht nun anders zeigen.

Von Anne Koschik und Claudia Obmann |

Einst war sie die Visitenkarte der Einflussreichen und Mächtigen: die schwarze Hon-Circle-Karte der Lufthansa. Heute Frankfurt, morgen Johannesburg, übermorgen Washington. Wer sie am Airport zückte, war in den Luxusklassen der Flieger mehr als 600.000 Meilen in zwei Jahren unterwegs.

Mit diesem Statussymbol bekam der Hon Circle Member unter all den Geschäftsreisenden den größtmöglichen Komfort geboten: Menü vom Sternekoch, persönlicher Empfang in der Luxus-Lounge, Limousine samt Chauffeur am Ziel. Das war einmal.

Heute steckt die Plastikkarte nutzlos im Portemonnaie. Vielflieger-Status? Irrelevant! Weil die meisten Flieger wegen der Pandemie am Boden bleiben und statt Geschäftsreisen die Geschäfte per Video abgeschlossen werden.

Ob der Daimler als Dienstwagen oder eine Vorzimmerassistenz, die Besucher zuerst nach ihren Kaffeewünschen fragt, ehe sie diese ins Eckbüro mit der spektakulären Aussicht vorrücken lässt: Auch andere Status-Symbole haben angesichts des neuen Büroalltags für Top-Manager an Wirkung eingebüßt.

Corona wirkt als Gleichmacher in der Arbeitswelt

In der neuen Normalität greift ja nicht mal mehr das bislang zuverlässigste Erkennungszeichen, wer im Meeting das Sagen hat: derjenige nämlich, der am Kopf des Konferenztisches sitzt. Im virtuellen Meeting, wo in größerer Runde alle Teilnehmer einheitlich im kleinen Briefmarken-Format aufgereiht sind, ist der Chef oder die Chefin auf den ersten Blick nicht mehr zu erkennen.

„Die physisch starke Präsenz, vor allem der Männer, war immer ein Hebel zur Dominanz. Das funktioniert aber im Video nicht mehr“, hat Tobias Jung noch in seiner Rolle als CEO der Werbeagentur TBWA Germany festgestellt. So relativiere sich auch das traditionelle Rollenverständnis. Das Coronavirus – es wird zum großen Gleichmacher der Arbeitswelt.

Dennoch: „Das Verlangen, die eigene möglichst herausragende Stellung im Wirtschaftsleben zu betonen, nimmt durch die Verlagerung von Begegnungen ins Virtuelle nicht ab”, sagt Jochen Gebauer, Motivationsforscher an der Universität Mannheim. Der Experte ist überzeugt, dass persönliche Alleinstellungsmerkmale in der zunehmend virtuellen Arbeitswelt wichtiger denn je werden.

Kunst und Skulpturen als Büro-Accessoire verlieren an Bedeutung

So gewinnen vor allem immaterielle Dinge und emotionale, persönliche Werte an Bedeutung, wenn es darum geht, seine Wichtigkeit herauszustellen.

Das heißt nicht, dass alle alten Statussymbole ihre Wirkungen verloren haben. Im Gegenteil: „Die handlichen Prestige-Objekte bewahren ihre Bedeutung. So bleibt etwa der Edel-Füller von Montblanc das sichere Ticket für den Aufsteiger“, sagt Frank Müller, Chef der Beratungsfirma „Bridge to luxury“.

Für die arrivierteren Manager darf es dagegen auch mal der individuell angefertigte Füllfederhalter aus japanischem Urushi-Lack sein. Auch Armbanduhren wie die Lange 1, eine antiquarische Rolex Daytona oder eine Patek Philippe-Tourbillon sowie echte Kunst und Skulpturen als Büro-Accessoire haben nicht an Bedeutung verloren.

„Solche Stücke zeugen von extrem viel Geld und Macht, wenn sie vor laufender Kamera gezielt eingesetzt werden.“ Allerdings lässt sich in der Videokonferenz nicht mehr alles so gut herzeigen wie zuvor bei persönlichen Besuchen im Büro. Hier sind die neuen Regeln der Statussymbole.

Neuer „geheimer Luxus“ ist hightech

Ganz neue Prestigeobjekte kommen hinzu. Profi-Equipment für den starken Auftritt, von der leistungsstarken Kamera bis zum Videostudio inklusive Bluescreen zeigen den persönlichen Status im Machtgefüge eines Unternehmens an.

Ein solch diskreter Wandel war schon einmal zu beobachten. Nach der Finanzkrise, als es speziell für Banker und Investoren nicht mehr ratsam war, offen mit ihrem Reichtum zu protzen. Damals entwickelte sich ein „geheimer Luxus“: Güter also, die nur für Eingeweihte erkennbar sind. Designer-Kleidung der Öko-Label „Alma & Lovis“, „Gotsutsumu“, „Edelziege“ oder auch „Stella McCartney“ zum Beispiel.

Der materielle Wert dieser Produkte – die ihrerseits immaterielle Ideale wie einen nachhaltigen Lebensstil oder handwerkliche Exzellenz verkörpern – macht sie exklusiv. Gerade die junge Generation, für die Gesundheit und Umweltschutz elementar sind, liebt solche Produkte.

Auch jetzt entwickeln sich wieder neue Prestigeprojekte. Bestes Beispiel: das Fahrrad. Exklusive Designermodelle haben für junge, trendige Großstädter, egal ob Web-Designer oder Agenturchef, längst das Auto als Statussymbol abgelöst. Ob Edel-Rennrad oder Hightech-Bike, wer sich ein Rad von Bergamont, Cube oder Riese und Müller leistet, stellt es gern zur Schau.

Dann lehnt es vielleicht beim Videomeeting im Bildausschnitt an der Wand im umgebauten Industrieloft oder wird, besser noch, hängend gezeigt.

Aber: „Statussymbole funktionieren nur, wenn eine kritische Masse von Menschen sie als solche akzeptiert”, sagt der Mannheimer Sozialpsychologe Gebauer. Karriere.de hat Experten und Manager gefragt, um den neuen und diskreten Statussymbolen auf die Spur zu kommen.

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