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Moderner Zeitgeist „Arbeit muss nicht immer Spaß machen“

Der Jesuiten-Pater und Philosophie-Professor Godehard Brüntrup über den Zeitgeist in Sachen Motivation und warum er Google und andere Unternehmen kritisch sieht.

Von Claudia Obmann |

„Arbeit muss nicht immer Spaß machen“

Spaß bei der Arbeit mit der richtigen Jobmotivation

Wenn im Arbeitsleben der Spaß ausbleibt, sollten Mitarbeiter ihren Job hinterfragen.

Foto: Brooke Cagle on Unsplash

Professor Brüntrup, wer nach dem Urlaub keine Lust hat, an den Schreibtisch zurückzukehren, sollte sich einfach mal zusammenreißen, oder?

Willenskraft ist eine endliche Ressource. Wie ein Bodybuilder, der sich beim Gewichte stemmen extrem anstrengt, braucht auch derjenige, der intensiv versucht, ein Motivationsloch auszugleichen, nach einiger Zeit eine Erholungsphase, um sich nicht zu überfordern.

Selbst ein Weltmeister kann nicht 24 Stunden nonstop Kraft aufbringen. Genauso drohen Eisenfresser im Job zu scheitern – und schlimmstenfalls im Burn-out zu landen.

Was raten Sie in solchen Fällen?

Ein Mensch ist ein Organismus, der wachsen und gedeihen will. Wenn mein Job mir körperlich oder seelisch nicht gut tut, ich also nicht gedeihe und keine innere Zufriedenheit daraus ziehe, dann sollte ich meine Stelle hinterfragen.

Muss denn jeder Leidenschaft für seinen Job verspüren oder kann man nicht auch nur bleiben, um Geld zu verdienen?

Kleinere Arbeiten kann man auch nur für Geld übernehmen. Aber der Mensch lebt nicht vom Geld allein.

Drei Dinge braucht er, um im Job zufrieden zu sein: Er muss sich kompetent und gewertschätzt fühlen für das, was er tut.

Ein gewisser Grad an Freiheit und Verantwortung, seine Aufgabe so zu erledigen, wie man es für richtig hält, trägt ebenfalls dazu bei, sich am Arbeitsplatz wohlzufühlen.

Und als Drittes motiviert es, wenn man sich für etwas engagiert, das größer ist als man selbst. Der Familienunterhalt kann das für Väter und Mütter sein.

Für junge Ingenieure ist es vielleicht die Aufgabe, schadstoffarme Fahrzeug-Antriebe herzustellen, um die Umwelt künftig weniger zu belasten.

Lange betrachtete man Arbeit als Mittel zum Zweck. Heute wollen wir, dass der Job mehr ist als reiner Lebensunterhalt. Warum?

Inzwischen geht es der Mehrheit in unserer Gesellschaft gut. Vor allem die Jüngeren kennen Entbehrungen nicht wie sie die älteren Generationen erlebt haben.

Die heute 20- bis 40-Jährigen suchen nicht nur den Broterwerb, sondern Erfüllung in ihrem Beruf, also eine Aufgabe, die sie als wirklich sinnvoll erleben.

Dass Arbeit unbedingt Spaß machen muss, ist also ein Zeitgeist-Phänomen?

Spaß und Sinn sind nicht dasselbe. Auch eine sinnvolle Arbeit muss nicht immer Spaß machen. Hier könnten vielleicht die Jüngeren von den Älteren lernen, dass zur Arbeit immer auch Disziplin gehört.

Arbeitgeber wie Google forcieren mit bunten Bürowelten die Verschmelzung von Privat- und Berufsleben. Ein gefährlicher Trend?

In der Regel sind Arbeitnehmer durchaus sensibel dafür, dass sie ausgenutzt werden sollen.

Chefs, die auf Dauer versuchen, die Freizeit ihrer Mitarbeiter zu verzwecken, werden nicht die besten Köpfe gewinnen.

Na und? Frische Talente stehen doch Schlange…

Ich bin sicher, der totalitäre Anspruch des Arbeitgebers wird dennoch scheitern. Menschen streben von Natur aus nach Selbstbestimmung.

Gerade wir hier im liberalen Westen werden gegen die Konkurrenz im Osten nicht gewinnen, indem wir die perfektere Überwachung installieren, sondern dadurch, dass wir Kreativität und Freiheit fördern.

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