Mitarbeitertypen Diese Kollegen kennen Sie bestimmt

In Schubladen will sich niemand stecken lassen. Und doch verhalten sich viele Bürogänger nach einem bestimmten Schema. Wir haben neun fiktiven Gesprächen gelauscht – erkennen Sie Ihre Kollegen wieder?

Mareike Müller |

Diese Kollegen kennen Sie bestimmt

Neun Typen, die auch bei Ihnen im Unternehmen sind

Manche Mitarbeitertypen finden sich in jedem Büro.

© imago/teutopress

Typ 1: Der Dino

  • Geheime Agenda: Bestimmt der Kaffeeklatsch.

  • Das sagt der Dino, wenn er etwas erledigen soll: „Also vor Feierabend wird das heute nichts mehr.“

  • Das darf auf dem Schreibtisch nicht fehlen: Die eigene Kaffeemaschine.

  • Versteht sich super mit: Dem Blender.

  • Größter Gegner: Der übereifrige Praktikant.

„Sigrun aus dem Betriebsrat sagt, den neuen Team-Messenger muss ich nicht installieren. Ist eh alles zur Überwachung. Und überhaupt, warum brauche ich das? Ist E-Mail jetzt schon wieder out? Ich habe noch exakt 712 Tage bis zur Rente; 491, wenn man die Wochenenden und die Feiertage abzieht – nebenbei bemerkt: Ist Ihnen eigentlich schon mal aufgefallen, wie günstig Weihnachten dieses Jahr wieder liegt? Herrlich, wie 1985!

Also ich weiß gar nicht, was all die Jungspunde von mir wollen: Klar, die Bedingungen in meinem Vertrag würde ich so heute nicht mehr bekommen. Aber ich tue ja keinem was. Andere nennen das Bestandsschutz, aber ich seh’s locker: Alles, was Spaß macht, hält jung. Kannst dich ja auch mal für die Federball-Gruppe eintragen.

Oh, ich muss weiter. Sigrun hat heute Geburtstag und ihr Zitronenkuchen ist ein Gedicht. Außerdem macht die Poststelle gleich zu.“

Typ 2: Der Choleriker-Chef

  • Geheime Agenda: Einfach mal seine Ruhe haben.

  • Das sagt der Choleriker-Chef, wenn er etwas erledigen soll: „Ich mach das. So wie immer.“

  • Das darf auf dem Schreibtisch nicht fehlen: Mini-Bar (unterm Tisch versteckt).

  • Versteht sich super mit: Dem Frauenschreck.

  • Größter Gegner: Die Bürohund-Eltern. Und ihr stinkender Köter.

„Ständig muss ich die Mitarbeiter auf Trab halten, meine Nerven! Immer muss man hinterher sein, damit die keinen Mist bauen. Und da sind die ja erstaunlich kreativ. Letzte Woche, zum Beispiel, da sollten meine Angestellten eine Konferenz organisieren, für achtzig Leute. Meinst du, da hätte irgendjemand – irgendjemand – mal die Namensschilder überprüft, oder das Programm rechtzeitig ausgedruckt? Ha, denkste! Hab‘ ich am Ende natürlich selbst gemacht, mal wieder. Wenn dann auch noch kurz vor knapp einer mit seinem Scheiß-Hund ankommt und was von mir will, bin ich ganz schnell auf 180.

Mein Arzt sagt, ich müsse aufpassen, der Blutdruck. Alles Gesundheitswahn. Das sehe ich ja im Büro. Die denken doch alle nur noch daran, wann sie ins Fitnessstudio kommen. Manchmal, glaub ich, bin ich der einzige, der hier richtig arbeitet. Ha, schon wieder sechs Uhr. Pass auf, in drei Minuten ist außer mir keiner mehr hier. Aber dann krieg ich endlich mal was geschafft.“

Typ 3: Die Millennial-Managerin

  • Geheime Agenda: Selbstverwirklichung.

  • Das sagt die Millenial-Managerin, wenn sie etwas erledigen soll: „Klar, nächsten Dienstag um 14 Uhr hätte ich noch zehn Minuten. Reicht, oder?“

  • Das darf auf dem Schreibtisch nicht fehlen: Ein Aufräumbuch von Marie Kondo und sonst nichts.

  • Versteht sich super mit: Allen (zumindest in der Selbst-Wahrnehmung).

  • Größter Gegner: Der Blender.

„Hammer, dieser Sonnenaufgang! Den Blick aus dem Büro poste ich direkt mal auf Insta - Hashtag #lovemyjob. Gerade komme ich vom Anti-Gravity-Yoga, einen besseren Start in den Tag gibt es nicht. Ich bin echt froh, dass ich auf Blinkist Jon Kabat-Zinn entdeckt habe. Im Job wie in der Meditation geht es doch ganz einfach darum, man selbst zu sein und sich allmählich darüber klar zu werden, wer das ist.

Langfristig sehe ich mich hier ein paar Etagen höher, aber kommt Zeit, kommt mein Fünf-Jahres-Plan. Und dann zahlen sich die vielen Stand-ups mit meinem Team und was ich sonst über lean management gelernt hab, endlich aus. Wobei, wegbeißen will ich ja niemanden. Die Leute sind ja gut, wie sie sind.

Mist, ich muss noch das Kaffee-Date mit Lena verschieben. Vielleicht passt es ja heute Abend vor dem Women‘s After-Work Cocktail. Oder Samstag nach dem Hackathon für nachhaltige Projekte (endlich mal ein sinnvoller Hackathon!). Social impact ist so important.“

Typ 4: Der Blender

  • Geheime Agenda: Es mal ganz nach oben schaffen – und dann weiterquatschen.  

  • Das sagt der Blender, wenn er etwas erledigen soll: „Ich bin superdicht, aber ich guck, dass ich das im Team weitergebe.“

  • Das darf auf dem Schreibtisch nicht fehlen: Alibi-Akten und voller Terminkalender.

  • Versteht sich super mit: Dem übereifrigen Praktikanten.

  • Größter Gegner: Die Millennial-Managerin.

„Jeder kann was, sagt unser Chef immer. Und ich kann nun mal Prioritäten setzen. Bei den ganz großen Ausschreibungen wollen sich ja alle im Team profilieren, die Chance gebe ich ihnen. Die Präsentation für die Vorgesetzten aber, die lass ich mir nicht nehmen. Die sollen schon merken, wer die Denkleistung erbracht hat. Ich will ja nicht angeben, aber ich verstehe mich auch ganz gut mit Thomas und Harald auf der Chefetage. Fußball verbindet.

Für die wichtigen Aufgaben brauche ich kreativen Freiraum, da ziehe ich mich aus der üblichen Büro-Hektik zurück. Wenn das Teammeeting zu lange dauert, sage ich einfach, ich hätte ein Klienten-Gespräch. Steht natürlich auch in meinem Outlook, muss ja glaubwürdig sein. Anrufe auf dem Handy vortäuschen ist so einfach. Aber Klingelton ausschalten: Nicht, dass wirklich noch jemand anruft.

Bei uns bin ich übrigens der Einzige mit zwei Praktikanten. Bei der ganzen Arbeit, für die ich verantwortlich bin, ist das aber ja auch irgendwo klar. Da fällt mir ein: Thilo, sind die Slides schon fertig, die mit dem neuen Farbschema? Sorry, ins Meeting darfst du leider nicht mit. Da ist auch gar nicht so viel Platz.“

Typ 5: Der übereifrige Praktikant

  • Geheime Agenda: Die Welt retten.

  • Das sagt der übereifrige Praktikant, wenn er etwas erledigen soll: „Klar, immer! Ich lege gleich mal eine Excel-Tabelle an. Sonst noch was?“

  • Darf auf dem Schreibtisch nicht fehlen: Tasse Kaffee, die mitzieht, wenn er wieder mal seinen Platz wechseln muss.

  • Versteht sich super mit: der Millenial-Managerin.

  • Größter Gegner: der Dino.

„Auf der letzten Unternehmensfeier sagte mir doch ernsthaft ein älterer Kollege, dass unsere Branche in zehn Jahren tot sei. Ganz ehrlich – so ein Schwachsinn. So zynisch werde ich bestimmt nie. Die Alten müssten die Zukunft einfach mal embracen, anstatt sich immer nur zu beschweren. Bei mir wird das jedenfalls alles anders laufen.

Im nächsten Team-Meeting kann ich ja mal meine Änderungsvorschläge präsentieren. Allein in den ersten drei Wochen habe ich schon so einiges beobachtet, was optimierungswürdig ist: Als erstes müssten die alle mal ins Coding-Camp, sonst ist der Laden tatsächlich in zehn Jahren tot. Anderswo klappt das ja auch. Ich muss mir nur noch überlegen, wie ich das präsentieren soll. Gibt ja keinen iPad-Anschluss.

Für die dreihundert Euro, die ich als Aufwandsentschädigung im Monat erhalte, kann ich nicht mal meine Wohnung bezahlen. Aber egal, Erfahrung ist alles. Und von meinen Eltern habe ich bisher immer noch was zugesteckt bekommen.“

Typ 6: Die Bürohund-Eltern

  • Geheime Agenda: Spaß und Ausgleich, auch auf der Arbeit.

  • Das sagen die Bürohund-Eltern, wenn sie etwas erledigen sollen: „Können wir das beim Gassi-Gehen besprechen? Dustin muss mal!“

  • Das darf auf dem Schreibtisch nicht fehlen: Agility-Ballschleuder, Leckerli, Leine.

  • Versteht sich super mit: Dem Urgestein.

  • Größter Gegner: Der Choleriker.

„Unser Dustin gehört zur Familie. So wie es für gute Arbeitgeber heute eben normal sein sollte, kinderfreundlich zu sein, sollte es genauso klar sein, Tiere im Büro zu tolerieren. Nicht umsonst hat Gandhi gesagt: ‚Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln.‘ Da sollten die Chefs mal drüber nachdenken.

Klar, bei Katzen ist das etwas einfacher mit der Work-Life-Balance. Aber ein Australian Shepherd braucht nun mal seinen Auslauf, da reicht keine Runde durch den Minipark um die Ecke.

Zum Glück arbeitet mein Mann, der Ludwig, auch seit ein paar Jahren hier. So kann er den Dustin ab und zu nehmen, auch wenn er meistens bei mir ist.

Ja, ins Labor selbst darf er natürlich nicht, der Dustin. Aber da, wo nur die Büros sind, fühlt er sich so richtig wohl. Die Kollegen mögen ihn echt auch alle total. Naja fast. Klar, ist ja auch immer der ein oder andere dabei, der keine Tiere mag, aber die sind fürs Betriebsklima sowieso kein Geschenk. Im Gegensatz zum Dustin.“

Typ 7: Der Frauenschreck

  • Geheime Agenda: Man wird ja wohl noch nett sein dürfen.

  • Das sagt der Frauenschreck, wenn er etwas erledigen soll: „Ciao Bella! Sicher, nach Dienstschluss in meinem Büro dann. Ich hab‘ auch Wein im Kühlschrank.“

  • Das darf auf dem Schreibtisch nicht fehlen: Das Familienfoto.

  • Versteht sich super mit: Dem Choleriker.

  • Größter Gegner: Die Millienial-Managerin.

„Früher konnte man einer schönen Frau auch mal ein Kompliment machen. Aber heutzutage geht das ja alles gleich viel zu weit. Zwei Mal musste ich jetzt schon zu dieser Gleichstellungs-Trulla. Hat die nichts Besseres zu tun? Schon klar, irgendwo mussten sie die ja abstellen. Aber warum denn ausgerechnet vor meine Füße?

Jetzt bitte nicht falsch verstehen, für mich ist Gleichberechtigung wirklich wichtig. Ich habe selbst eine Tochter und versuche sie, wo es geht, zu unterstützen. Das könnt ihr mir glauben. Aber Denkverbote und political correctness können eben auch diskriminierend sein. Das scheinen viele nicht zu verstehen.

Die meisten jungen Kolleginnen, die ich treffe, wollen durchaus von mir lernen. Und da ist ja auch nichts bei. Ich war früher genauso. Und wenn man sich gut versteht, darf man doch wohl ab und an mal flirten, sag ich immer zu meiner Frau. Zum Glück hat man uns noch nicht das Gucken verboten. Aber das kommt bestimmt auch noch.“

Typ 8: Die Ja-Sagerin

  • Geheime Agenda: Es allen recht machen.

  • Das sagen die Ja-Sagerin, wenn sie etwas erledigen soll: „Ist das auch sicher schon mit den Chefs abgesprochen?“

  • Das darf auf dem Schreibtisch nicht fehlen: Aktenberge und Post-it Chaos.

  • Versteht sich super mit: Vielen, aber dafür hab ich keine Zeit.

  • Größter Gegner: Die eigene To-Do Liste.

„Klar, kein Problem, ich helfe doch gerne. Leg die Akte einfach auf den großen Stapel da. Oder den daneben. Ich nehme den zur Not einfach mit nach Hause, am Wochenende ist ja auch noch Zeit. Eigentlich wollte ich mir ein paar Tage frei nehmen, aber neulich habe ich diese Dienstreise vom Uli übernommen. Neue Zweigstelle, irgendjemand muss da ja hin.

Dass ich in der letzten Runde nicht befördert wurde, ist echt doof gelaufen. Sie haben mir gesagt, dass ich auf jeden Fall im nächsten Jahr berücksichtigt werde. Kann ich schon verstehen, gerade läuft es ja auch nicht optimal.

Auch wenn das an mir nicht liegen kann: Ich komme morgens als Erste, und mache am Abend das Licht aus. Und wenn mal Not am Mann ist, springe ich natürlich ein. Würde ich ja umgekehrt auch so erwarten. Nur leider bietet sich da irgendwie selten Gelegenheit. Wahrscheinlich muss ich einfach mehr an mir selbst arbeiten. Letztes Jahr habe ich mal ein Achtsamkeits-Seminar ausprobiert. Aber bitte behalt das für dich, ja?“

Typ 9: Das Urgestein

  • Geheime Agenda: Den Laden an die Ursprungswerte erinnern.
  • Das passiert, wenn du ihn/sie nach etwas fragst: „Dazu hab‘ ich ein Buch, drittes Regalfach von oben. Bisschen staubig, aber immer noch aktuell!“

  • Das darf auf dem Schreibtisch nicht fehlen: Andenken aus dreißig Jahren Betriebszugehörigkeit.

  • Versteht sich super mit: Dem Ja-Sager.

  • Größter Gegner: Der übereifrige Praktikant.

„Ich lass das ja eigentlich nicht raushängen, aber ich war ja schon bei der Gründung mit dabei. Seitdem habe ich wirklich alles gesehen. Umzug, Umbau, Fusion, aber da war die Hälfte hier noch nicht mal stubenrein. Ich will gar nicht klagen: Es ist gut mit den Neuen, zumindest mit denen, die mit anpacken. Die Julia scheint mir da behände. Die geht für mich jetzt auf die Dienstreise in die neue Zweigstelle und ich glaub, dass die das schon machen wird. Aber klar, ein bisschen muss ich ihr schon noch helfen. Vor allem sollte sie mal lockerer werden. Aber das kommt schon mit der Zeit.

Bist Du morgen eigentlich auch beim Mitarbeitertag dabei? Da zeig ich den Auszubildenden das Gelände und wie der Laden sonst so läuft. Wenn die wüssten, wie das hier früher war. Das waren noch Zeiten. Zwar nicht immer besser, aber zumindest ehrlicher.“                                                                                                           

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