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Liebeleien am Arbeitsplatz Welche Folgen Affären für die Karriere haben

Jeder sechste Deutsche hatte schon ein erotisches Abenteuer im Job.

Von Michael Scheppe |

Christina Brandt* wollte nur eines: Sex. In ihrer Beziehung lief es schon seit Monaten nicht mehr. Und ihr Teamleiter, der ihr im Büro gegenübersaß, lächelte sie immer so nett an. Nach einem Baustellentermin blieb es nicht nur beim Lächeln: Die Architektin wollte mit ihm schlafen. Und er ließ sich nicht zwei Mal bitten.

Ein Jahr lang ging das so weiter: zu Hause, auf Auswärtsterminen, selbst am Konferenztisch. Sie war Single, er verheiratet. Beide wollten keine Beziehung, es ging allein um Sex. Der Reiz des Verbotenen, die Sorge, erwischt zu werden – das habe einfach nur Spaß gemacht, sagt Brandt, die als Teilzeitkraft in dem 25-köpfigen Architekturbüro arbeitete.

Nackte Zahlen: Angestellte mit Abenteuerlust

So wie bei Brandt und ihrem Vorgesetzten geht es hierzulande zwischen Aktenbergen, Schreibtisch und Kopierern häufiger heiß her: Jeder sechste Deutsche hatte schon eine Affäre oder ein erotisches Abenteuer im Job.

21 Prozent davon schreckten sogar vor Sex in den Büroräumen nicht zurück, zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Karriereportals Xing.

Üble Folgen: Vom Mobbing bis zur Kündigung

Welche Folgen Liebeleien im Büro haben können, zeigt das Beispiel von Steve Easterbrook. Der Chef von McDonald's wurde im Herbst geschasst, weil er eine Beziehung mit einer Mitarbeiterin hatte. Amerikanische Konzerne untersagen ihren Managern und Mitarbeitern sexuelle Liebschaften, weil sie Interessenkonflikte und Schadensersatzklagen führen.

In Deutschland sind Beziehungen am Arbeitsplatz zwar durch das Persönlichkeitsrecht geschützt. Aber eine Affäre ist auch hierzulande oftmals mit Enttäuschungen verbunden, sagt die Frankfurter Karriere- und Beziehungsexpertin Christine Backhaus. Meistens wolle ein Partner mehr als der andere. „Affären gehen meistens nicht gut aus.“

Auch nicht für Architektin Brandt. Ihr erotisches Büroabenteuer ist nun fünf Jahre her. Mittlerweile arbeitet sie nicht mehr in dem Architekturbüro, hat noch ein Psychologie-Studium gemacht. Ein Grund war auch das Ende ihrer Affäre. Brandt hatte sich neu verliebt, beendete daraufhin die sexuelle Beziehung mit ihrem Chef.

Verschwiegene Gemeinschaft: Wenn auch der Flurfunk stumm bleibt

Eine weitreichende Entscheidung: „Er hat sich dadurch offenbar auf den Schlips getreten gefühlt“, erinnert sich Brandt, heute Anfang 30. Nach dem Sex-Aus war die Stimmung zwischen den beiden vergiftet: Er war im Büro besonders streng zur ihr, verbot ihr, am Arbeitsplatz zu essen, maulte sie an, warum sie wieder so lange auf der Baustelle geblieben sei und stellte sie in Meetings bloß.

Ein Jahr lang tat sich Brandt das an – bis sie die Kündigung einreichte. Dass ihr die Arbeit nicht mehr so viel Spaß machte, bekräftigte sie in ihrer Entscheidung.

Aufgeflogen ist ihre Affäre nie. Jahre später sprach sie ihre früheren Arbeitskolleginnen mal auf das Thema an. Mitbekommen hatten sie nichts. Sehr wohl aber hatten sie sich gewundert, warum die Stimmung zwischen den beiden von heute auf morgen umgeschlagen war.

Großer Unterschied: Affäre oder Beziehung

Bei Affären rät Backhaus ihren Klienten, diese nicht breit zu treten. „Den Betroffenen droht ein Image- und Vertrauensverlust“, sagt die Psychologin. Die Kollegen denken dann, man habe sich hochschlafen wollen.

Wenn die Affäre bekannt wird, ist Chaos vorprogrammiert: Die Stimmung im Team ist mies, das Verhältnis zum Vorgesetzten zerstört und der Umgang mit den Kollegen schwierig. Denn anders als Beziehungen haben Affären ein Geschmäckle.

Wenn sich Beziehungen stabil entwickeln, können sie die Arbeitsleistung sogar beflügeln, weil Mitarbeiter motivierter sind. Über Affären wird ständig getuschelt – und das hält die Kollegen von der eigentlichen Arbeit ab.

Kontrolliertes Abenteuer: Das Ende mitdenken

Nüchtern betrachtet hat der kurzzeitige Spaß eigentlich nur negative Folgen. Doch warum ist das Verlangen nach Sex auf dem Schreibtisch so groß? „Affären haben etwas Verbotenes und das Ausmaß der Gefühle ist heftig ­– fast so, als ob man Drogen genommen hätte“, sagt Backhaus.

Für die ehemalige Architektin Brandt hat sich seit ihrer Kündigung kein neues Abenteuer im Büro ergeben. Davor zurückschrecken würde sie nicht. Eines hat sie aber gelernt: „Bei einem möglichen nächsten Mal werde ich klare Regeln für das Ende aufstellen, sodass man auch weiter geordnet miteinander zusammenarbeiten kann.“

Auch Experten raten, schon am Anfang einer Affäre das Ende und die Folgen mitzudenken. Das mag unromantisch sein, zerstört aber nicht gleich die gesamte Karriere.

* Name von der Redaktion geändert

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