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Werben um Mitarbeiter: Auf Tiktok tanzen Ärzte und Pflegepersonal ihre Jobs

Job-Empfehlungen Diese Mitarbeiter tanzen ihren Job auf Tiktok

Ausgezeichnete Werbung: Das Klinikum Dortmund erhielt für seine HR-Aktion zum zweiten Mal in Folge den Personalmanagement Award.

Von Anne Koschik |

Chefärzte, OP-Personal und Pflegerinnen und Pfleger rappen zu angesagter Musik im Klinikum, feiern sich selbst, wenn sie aus dem Schockraum kommen und ihren Patienten das Leben gerettet haben. Die wiederum tanzen im Bett oder über die Flure: Es ist richtig was los im Klinikum Dortmund.

Diesen Eindruck vermitteln jedenfalls 24 Videoclips auf Tiktok. Rund 87.000 Follower, mehr als 12,5 Millionen Klicks und 1,4 Millionen Likes brachten die Tanzeinlagen dem Klinikum bislang ein – und jetzt den Personalmanagement Award des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM). 

Vor dem Hintergrund des herrschenden „War for talents“ im Gesundheitsmarkt gelte es stets neue Ideen zu realisieren, um als Arbeitgeber die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und Nachwuchs für die Berufe im Krankenhaus zu begeistern, hob die Jury hervor. Dies habe das Klinikum Dortmund „mit großer Kreativität“ und „kleinem Budget“ erreicht. 

Mit dem Personalmanagement Award ehrt der Verband einmal jährlich herausragende Leistungen im Personalwesen. Eine Jury aus BPM-Vertretern sowie Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft entscheidet dabei über die Gewinner.

Virales Marketing fürs Gesundheitswesen

Das Klinikum Dortmund konnte sich den Preis in der Kategorie Non-Profit-Organisationen und Öffentlicher Sektor zum zweiten Mal in Folge sichern. „Das freut uns wahnsinnig, gerade in einem Jahr wie diesem mit all den Herausforderungen, die wir durch Corona erleben“, sagte Marc Raschke, Leiter der Unternehmenskommunikation, der vor gut einem Jahr die Idee hatte und sie für das Klinikum umsetzen konnte.

Virusgefahr im Krankenhaus, die gab es immer schon – aber die Mitarbeiter wissen damit umzugehen. Und sie präsentieren sich vor allem einem sehr jungen Publikum: Rund 70 Prozent der Tiktok-Nutzer sind zwischen 16 und 24 Jahre alt – nur 15 Prozent älter als 35.

Der Jury gefiel gerade diese Herangehensweise: „Mit Tiktok nutzen sie einen recht neuen Social Media-Kanal, der für jüngere und internationale Kandidaten und Kandidatinnen hochgradig attraktiv ist, um die Unternehmenswerte und -kultur der Klinik in der Ruhrmetropole einem Millionenpublikum darzustellen“, so der BPM.

Das Klinikum Dortmund ist seit Anfang 2019 auf dem Tiktok-Kanal aktiv. Auch die Otto Group, die Tagesschau oder Aldi Süd haben diesen Schritt schon gemacht, um damit den Fachkräftenachwuchs für sich als Arbeitgeber zu begeistern.

Unternehmenskultur als Videobotschaft

„Als Leitfaden für die Videos haben wir unseren Mitarbeiter*innen-Kodex genommen, den wir im Klinikum zuvor über Monate entwickelt haben“, sagt Marc Raschke. „Diesen Kodex haben wir dann in Videos übersetzt und so international verständlich und emotional erlebbar übermittelt, was unser Miteinander im Klinikum ausmacht.“

Zu den Oberthemen dieses Kodex zählen zum Beispiel „Patienten- und Mitarbeiterorientierung“ sowie „Kollegialität“. Wenn nun im Video zum Beispiel erst eine Pflegekraft auf einem Bett sitzend davon singt, dass sie jemanden vermisst und dann ein paar Takte weiter ihre Kollegen aus dem „Nichts“ auftauchen,  zahle das auf den Wert „Kollegialität“ ein.  

Oder wenn ein Arzt zum Song  „From now on“ aus dem Musical „The Greatest Showman“ in sein Stethoskop singt und dann im nächsten Schnitt Pflegekräfte der Intensivstation Fenster aufreißen und etwas über „And we will come back home“ singen, dann ist das ein Ausdruck der Freude, wenn Patienten von der Intensivstation als geheilt entlassen werden.

Bei den jungen Nachwuchskräften kommt diese Werbe-Idee offenbar gut an. Die Klinik-eigene Schule für Gesundheitsberufe mit insgesamt 500 Ausbildungsplätzen füllt sich dadurch. Auf Nachfrage hätten die Bewerber bestätigt, dass sie sich „zu 100 Prozent auf Social Media über den Ausbildungsplatz informiert haben“, so Raschke.

Es sei eben eine zeitgemäße und unmittelbare Art, auf junge Talente zuzugehen. Aber natürlich weiß der rührige Chefkommunikator auch: „Den klassischen Ober- oder Chefarzt gewinnen wir damit sicher nicht.“

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