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Herausforderungen: Was bei der EU-Gründung half, kann auch aus der Coronakrise herausführen

Herausforderungen Was Manager aus der EU-Gründung in der Krise ableiten können

Unklare Prognosen, viel Unsicherheit: Bewährte Skills aus erfolgreichen Großprojekten haben die Substanz, um gerade jetzt ihre Wirkung neu zu entfalten.

Arbeit und Coronavirus | Von Anne Koschik |

Vor 70 Jahren wurde mit dem Schuman-Plan der Grundstein der EU gelegt. Das Projekt Europa startete in kleinen Schritten und wurde dann so groß, wie es das zuvor noch nicht gegeben hatte. „In seinen schweren Herausforderungen erinnert das an die Coronakrise“, sagt Wirtschaftsjurist André Niedostadek von der Hochschule Harz.

Die Coronakrise sei zwar keine identische Situation, aber die Wirtschaft stehe vor großen Entscheidungen und vor unbekannten Weiterentwicklungen. Sogar global gesehen.

„Die Unsicherheitsfaktoren sind vielfältig und die Prognosen – zwischen harmlos und katastrophal – sind auf jeden Fall unklar“, sagt der Hochschulprofessor, der als Querdenker gilt – und als Europaexperte. Nationale Grenzen seien hochgezogen worden und müssten erst wieder aufgebrochen werden. „Wie damals sind Visionäre gefordert“, sagt Niedostadek.

Lerneffekte durch den Europatag

Der 9. Mai ist der Europatag der Europäischen Union. Genau vor 70 Jahren unterbreitete der „Architekt der Europäischen Union“, der französische Außenminister Robert Schuman seinen Vorschlag, die Kohle- und Stahlindustrie in Frankreich und Deutschland einer gemeinsamen obersten Behörde zu unterstellen. So entstand die EGKS, die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl – auch als Montanunion bekannt – und im weiteren Verlauf die EU selbst.

Der Schuman-Plan war seinerzeit wirtschaftlich und politisch nicht unumstritten. „Man muss sich das vorstellen: Frankreich wollte die deutsche Kohle- und Stahlindustrie im Ruhrgebiet einer europäischen Kontrolle unterwerfen“, erklärt Niedostadek.

Aussöhnung durch wirtschaftliche Zusammenarbeit war das erste Ziel, das auch Bundeskanzler Adenauer unterstützte.

Denn es ging um die Notwendigkeit des europäischen Wiederaufbaus aus den Trümmern des Krieges. Und die Idee entfaltete eine Sogwirkung.

Heute steht die Welt vor einer ähnlichen Situation: Die Wirtschaft ist in vielen Teilen am Boden, Unternehmen stehen vor dem Aus, Arbeitskräfte auf der Straße.

Die Erfolgsgaranten

Was lässt sich aus der früheren Situation ableiten? Wie konnte diese Idee solche Zugkraft entwickeln? André Niedostadek, der auch Vorträge über Arbeit 4.0 hält und als Business Coach mit dem Schwerpunkt Selbstführung wirkt, hat hier die vier Erfolgsgaranten Zuversicht, Entschlossenheit, Tatkraft und Durchhaltevermögen ausgemacht. Sie seien von EU-Gründervätern sogar explizit so benannt worden.

„Diese Skills kommen heutzutage tatsächlich etwas altbacken daher“, gibt er zu. „Da stehen ja ganz andere Begriffe im Fokus, etwa Resilienz oder Agilität.“ Im Kern seien die Skills aber weder altbacken, noch modern: „Mir erscheinen sie vielmehr zeitlos.“

Manche tauchten „etwas anders verpackt“ immer wieder auf, sagt Niedostadek. Die Resilienz beispielsweise beinhalte als innere Stärke eine gute Portion Zuversicht, die Agilität eine Portion Tatkraft. „Neue Ansätze sind nicht immer neu – und nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss“, so sein Fazit.

Gerade in unruhigen Zeiten helfe der Blick zurück, um Ruhe reinzubringen. Für die heutige Zeit ließen sich durchaus gute Lehren aus den bewährten Erfolgsgaranten übertragen.

Hier sind die Erfolgsgaranten:

1. ZUVERSICHT

Festmachen lässt sich Zuversicht an drei Punkten:

  • Keine Zweifel aufkommen lassen
  • Haltung zeigen
  • Perspektiven benennen

In der Kommunikation sollten keine Zweifel entstehen: Was und wie ich als Führungskraft kommuniziere ist entscheidend. Schon das kann Zuversicht ausstrahlen – oder eben nicht.

Ein Klassiker aus der Praxis ist das „Ja – aber“. Das Aber, das sich unbedacht mal einschleicht, hebt das Ja komplett wieder auf. Nicht eben günstig, wenn man Zuversicht vermitteln will.

Kommunikation ist jedoch nicht alles. Hinzu kommt: Haltung. Wenn die Zuversicht nicht als aufgesetzter Zweckoptimismus wahrgenommen werden soll, dann muss sie auch von einer entsprechenden inneren Haltung getragen sein, um zu wirken.

Das hat viel mit Selbstführung zu tun. Die innere Haltung überträgt sich nach außen und vermittelt Sicherheit.

Und schließlich ist die Perspektive elementar: Das Ziel muss den Mitarbeitern vor Augen geführt werden, um zuversichtlich sein zu können.

2. ENTSCHLOSSENHEIT

Wichtig sind hier:

  • Ziel vor Augen führen
  • Handlungsschritte festlegen

Entschlossenheit muss von einem entsprechenden Willen getragen sein. Entscheidend dafür ist Folgendes: Zum einen ist Entschlossenheit immer auf ein bestimmtes Ziel hin ausgerichtet. Und sie ist eng verknüpft mit Aktion. Man muss ins Handeln kommen, um Wirksamkeit zu erreichen. Sonst verpufft die Entschlossenheit – und man wird schnell zum bekannten Tiger, der losspringt und als Bettvorleger landet.

3. TATKRAFT

Um diese zu erzeugen, muss die Führungskraft auf zwei entscheidende Punkte achten:

  • Individualität der Mitarbeiter erkennen
  • Stärken entfalten

Führungskräfte sollten auf ihre Mitarbeiter zugehen und ihnen zuhören. Es ist wichtig zu wissen, was den einzelnen im Team bewegt und antreibt: Qualifikation, Motivation, Lebensumstände sind zu berücksichtigen. Auf die jeweiligen Bedürfnisse sollte nach Möglichkeit eingegangen werden, um dann – basierend auf diesem Wissen – Verbindlichkeiten abzusprechen: Welche Erwartungen haben Sie als Führungskraft? Wie können Sie den Mitarbeiter fachlich und technisch unterstützen?

Mitarbeiter, die sich auf diese Weise ernstgenommen fühlen, engagieren sich.

Sicher ist es auch sinnvoll, eine bestimmte Vorbildrolle einzunehmen und das, wofür man steht, auch vorzuleben.

Die Tatkraft Ihrer Mitarbeiter ist umso besser, je geeigneter der jeweilige Kraftstoff ist, den Sie verteilen.

4. DURCHHALTEVERMÖGEN

Hier bündelt sich im Grunde genommen alles: Zuversicht, Entschlossenheit und Tatkraft. Sinnvoll ist Durchhaltevermögen dort, wo die Ziele und Prioritäten noch stimmen. Deshalb ist es notwendig:

  • Ziele in kontinuierlichen Abständen prüfen
  • Prioritäten sortieren
  • Schritt für Schritt vorwärts gehen

Es sei also nicht ausgeschlossen, auf dem Weg zum Ziel Korrekturen vorzunehmen und die Strategie anzupassen, so Niedostadek. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit könne das notwendig sein. Denn Entschlossenheit bedeute ja nicht, etwas auf Biegen und Brechen durchzusetzen.

Die Fähigkeit an einer wichtigen Sache dranzubleiben oder ein entscheidendes Projekt durchzuziehen, ist heute tatsächlich wichtiger denn je. Die Reize, die Flinte ins Korn zu werfen, sind doch oftmals zu verlockend. Zumal es heute schon fast als schick gilt, auch mal zu scheitern. Das lässt sich dann einfach als Ausrede missbrauchen – und das ist auch gefährlich.

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