Gründen Wie ist es eigentlich, sein eigener Chef zu sein?

Farina Schurzfeld ist Mitgründerin von Selfapy, einem Start-up für Online-Therapien. Wie der Tag, die Work-Life-Balance, der eigene Schreibtisch und das Konto der 31-Jährigen aussieht, verrät sie im Interview.

Von Hannah Steinharter |

Wie ist es eigentlich, sein eigener Chef zu sein?

Selfapy: Das Start-up-Team in Aktion

@ Selfapy

Das Büro von Farina Schurzfeld ist in einem dieser Berliner Hinterhöfe versteckt, die im Schatten eines Haupthauses liegen. Unter den Bäumen sitzen Menschen im Hof, rauchen und unterhalten sich. Ihr Lachen hallt von den hohen Häuserwänden wider. Farina Schurzfeld, 31, Mitgründerin des Online-Therapeuten Selfapy, winkt aus einem der vielen Fenster und bittet hereinzukommen – in die Welt ihres knapp drei Jahre alten Start-ups.

Mein Job:

"Ich bin die Gründerin von Selfapy, einem Start-Up für Online-Therapie von psychischen Erkrankungen.

Das ist ein absolutes Herzensprojekt von mir, denn ich bin zu Selfapy mehr durch Zufall gekommen. Für ein Familienmitglied habe ich nach einem Therapieplatz gesucht – und bin überall nur auf ewig lange Wartezeiten gestoßen. Während der Suche habe ich dann die beiden Gründerinnen Nora Blum und Kati Bermbach mit ihrem Start-Up für Online-Therapien kennen gelernt. Wir haben uns entschieden, das Projekt zu dritt weiter aufzubauen und somit Menschen schneller einen Therapieplatz anbieten zu können.  

Ich kümmere mich bei Selfapy hauptsächlich um die Vermarktung unserer Firma. Das umfasst sowohl den Online-, als auch den Offline-Bereich. Außerdem leite ich den Unternehmenskundenbereich bei Selfapy. Dabei stehe ich in ständigem Kontakt mit Pharmafirmen bis hin zu Kliniken."

Mein Hintergrund:

"Für Psychologie habe ich mich schon immer interessiert, trotzdem habe ich nach dem Abitur erst mal einen klassischen BWLer-Weg eingeschlagen. Ich habe an der Hamburg School of Business Adminitration (HSBA) Medienmanagement studiert. Das war ein duales Studium, deswegen hatte ich mit dem Bachelor-Abschluss an der HSBA gleichzeitig noch eine Ausbildung als Industriekauffrau in der Tasche. Für meinen Master bin ich dann nach Australien gegangen und habe internationale BWL an der University of Sydney studiert.

Seit meinem Abschluss dort konzentriere ich mich darauf, Start-Ups aufzubauen. Mit Selfapy möchte ich vielen Menschen einen Weg aus der Krise bieten. Ich möchte mit meinem Team ein internationales Angebot schaffen, welche Menschen mit den verschiedensten Erkrankungen bei der Genesung unterstützt."

Mein Schreibtisch:

"Natürlich gibt es bei uns Club Mate in der Küche. Wir sind schließlich ein Start-up und müssen ein bisschen das Klischee bedienen. Ansonsten sind wir ein leidenschaftliches und motiviertes Team. Bei uns herrscht eine sehr liebevolle Atmosphäre. Das liegt wahrscheinlich an den ganzen Mädels und Psychologinnen, die hier arbeiten."

Meine Work-Life-Balance:

"Ich brauche auf jeden Fall Zeiten, in denen ich meine Batterien aufladen kann und das ist definitiv nicht der Fall, wenn ich am Schreibtisch sitze oder Mails beantworte.

Das lebe ich ganz gezielt vor und gehe zum Beispiel in der Mittagspause Tennis spielen. Ich halte da auch meine Mitarbeiter zu an, sich solche Freiräume zu nehmen. Unsere Mitarbeiter können im Homeoffice arbeiten und am späten Abend gehen keine Mails mehr raus. Wir erwarten außerdem nicht, dass unsere Mitarbeiter ständig erreichbar sind.

Meine Wochenstunden kann ich gar nicht genau berechnen. Für mich zählt es auch als Arbeitszeit, wenn ich im Park spaziere und mir Gedanken über Probleme im Büro mache. Samstag und Sonntag bleibt mein Handy aber auf jeden Fall in der Tasche, da habe ich frei und verbringe viel Zeit mit Freunden, in der Natur oder auf dem Sportplatz. Und ich tanze sehr gerne. Deshalb findet man mich ab und zu in den frühen Morgenstunden auf den Tanzflächen von Berlins Partyszene."

Unsere Kantine:

"Eine Kantine haben wir nicht. Wir frühstücken jeden Freitag zusammen in unserer Büroküche und auch mittags treffen wir uns hier oft und essen gemeinsam."

Mit diesem Gehalt kann man rechnen:

"Generell verdienen unsere Mitarbeiter bei Selfapy ganz unterschiedlich, so zwischen 30.000 und 60.000 Euro im Jahr. Mein eigenes Gehalt liegt ungefähr in der Mitte. Wir versuchen da ein faires Bezahlmodell zugrunde zu legen. Wir geben beispielsweise aber auch Anteile raus. Damit bekommen die Mitarbeiter auch direkt einen Teil vom Erfolg mit."

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