Diversity Warum die einzige Frau im BMW-Vorstand gegen eine gesetzliche Frauenquote ist

Frauen brauchen Vorbilder, keine Vorschriften, sagt Milagros Caiña Carreiro-Andree. Ein Gespräch über Traditionen, Technik und Trainee-Programme.

Von Julian Olk |

Warum die einzige Frau im BMW-Vorstand gegen eine gesetzliche Frauenquote ist

Frau unter Männern

© imago/Ikon Images

Hoch oben, im 21. Stock des BMW-Towers im Münchener Olympia-Viertel sitzt Milagros Caiña Carreiro-Andree. Lange Flure mit hohen Decken und weißem Marmorboden führen durch ein Vorzimmer in ihr Büro, das beinahe die Ausmaße eines kleinen Appartements hat. Die 57-Jährige ist eine freundliche und vor allem eloquente Frau. Andree reicht es, wenn dieser Teil ihres Nachnamens genannt wird. Was ihr nicht reicht, ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen deutscher Unternehmen.

Frau Andree, Sie sind die einzige Frau im Vorstand bei BMW. Warum arbeiten Frauen immer noch seltener in Führungspositionen als Männer, vor allem in technischen Unternehmen?

Ich glaube, dass insbesondere in der deutschen Gesellschaft an vielen Stellen die Vorbilder fehlen und wir immer noch stark in alten Rollenbildern verhaftet sind. Es reicht schon, wenn man sich in Innenstädten Geschäfte ansieht: Schon dort wird fast durchgehend nach Geschlechtern differenziert.

Wie sollen sich da traditionelle Rollenmuster verändern oder ein Mädchen für Technik begeistert werden? 

Was muss passieren, damit sich das ändert?

Wir müssen mehr für technische Berufe werben. Das gilt insbesondere für uns Frauen selbst: Wir müssen deutlicher zeigen, wie wichtig, und auch wie spannend technische Berufe sein können.

Das würde eine allgemeine Frauenquote doch sehr gut zeigen.

Eine Frauenquote bringt meiner Meinung nach nicht viel. Denn das ist genau der falsche Weg: Mit Geboten und Verboten ändert man keine Haltung. Es ändert ja nichts an der Lebenswirklichkeit von Frauen.

Und Vorbilder allein würden das tun?

Nein, da gibt es weiteres, was man tun kann. Das Ehegattensplitting etwa ist alles andere als ein Anreiz für Frauen, sich nach einer Baby-Pause wieder beruflich zu engagieren – es wird aber so gut wie gar nicht diskutiert. Das und weitere Fördergelder wie das Elterngeld sorgen dafür, dass der gesellschaftliche Blick starr bleibt. Da bräuchte es grundsätzliche Veränderungen, und nicht irgendwelche Quoten.

Was tut BMW, um mehr Frauen – auch für technische Berufe – zu gewinnen?

Es muss für Frauen zum Beispiel möglich sein, ihr Arbeitsleben anders zu gestalten, wenn sie Mutter werden. Wir haben dafür verschiedene Modelle entwickelt, die es unseren Mitarbeitern ermöglichen, deutlich flexibler mit der Arbeitszeit umzugehen. Dazu gehört unter anderem, dass man unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 20 zusätzliche freie Tage pro Jahr nehmen kann. Auch bieten wir die Möglichkeit, flexibel an unterschiedlichen Orten zu arbeiten, zu Hause oder auch von unterwegs. All das ist natürlich auch für Männer möglich. Und wir ermutigen Frauen, und insbesondere junge Frauen, in bestimmten familiären Phasen auch mal mit einem Sabbatical auszusteigen, aber danach auch wieder zurückzukehren. Wir wollen schließlich keine Frauen verlieren. 

Wie gut funktioniert das?

Wir haben Vorgaben definiert, wie viele Frauen wir in unseren Nachwuchsprogrammen haben wollen. Mindestens 25 Prozent der Ausbildungsplätze für technische Facharbeiter müssen mit Mädchen besetzt werden.

Meist übertreffen wir dieses Ziel deutlich. Und bei den Nachwuchsprogrammen für Hochschulabsolventen, für die wir zum Beispiel Trainee-Programme anbieten, haben wir fast genauso viele Frauen wie Männer. Und das ist auch schon seit fünf Jahren so.

Warum jetzt doch Quoten?

Im Gegensatz zu einer gesetzlichen Frauenquote handelt es sich bei uns um eine Vorgabe. Anhand derer wollen wir ablesen, wie gut es uns gelingt, Frauen für technische Berufe zu begeistern. Es geht, im Gegensatz zur Frauenquote eben nicht um einen Zwang als Mittel für die Veränderung. Wir wollen vielmehr grundsätzlich etwas ändern.

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