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Auswirkungen der Pandemie Dieser Mann hat die IT eines Dax-Konzerns für die Coronakrise fit gemacht

Walter Grüner ist CIO von Covestro. Statt 1200 greifen nun 17.200 Nutzer von unterwegs auf die Technik zu.

Arbeit und Coronavirus | Von Michael Scheppe |

Walter Grüner hat nur wenig geschlafen. Er und sein Team haben die vergangenen drei Wochen durchgearbeitet, auch am Wochenende. Grüner, Chief Information Officer (CIO), von Covestro, musste den Dax-Konzern in kürzester Zeit für die flächendeckende Heimarbeit vorbereiten.

Eine Mammutaufgabe: Normalerweise greifen weltweit 1.200 Nutzer von unterwegs auf die Technik zu, nun sind es bis zu 17.200. Seit Anfang vergangener Wochen sollen die Büromitarbeiter des Chemiekonzerns von zu Hause arbeiten.

Covestro kaufte Tausende IT-Lizenzen, erweiterte die Serverkapazitäten und stellte allein in Deutschland rund 500 Laptops bereit, da einige Mitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen noch feste Rechner installiert haben. Nur sind die in diesen Tagen nutzlos.

„Die Technik ist in diesen Tagen extrem wichtig und kann einen Beitrag zum Überstehen der Krise leisten“, sagt Grüner. Der Manager dürfte das mit Freude sagen, schimpfen Mitarbeiter doch oft auf die IT-Abteilung. Nur in diesen Tagen macht die IT die Arbeit überhaupt erst möglich.

„Eine funktionierende IT-Infrastruktur ist die Grundlage dafür, dass die Kollegen nun überhaupt zusammenarbeiten können“, sagt auch Arbeitsmarktexperte Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Nur zwölf Prozent der Arbeitnehmer sind generell gut vorbereitet

Doch viele Unternehmen in Deutschland sind für die Heimarbeit gar nicht gerüstet: Bislang haben nur zwölf Prozent der Angestellten von unterwegs gearbeitet, wie Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigen. In den meisten Fällen scheiterte der Wunsch nach mobiler Arbeit an den Firmen. Bislang.

Nun zwingt Sars-CoV-2 die Unternehmen zum Homeoffice-Praxistest. Denn viele Firmen haben ihre Büroangestellten nach Hause geschickt, um soziale Kontakte und damit die Ausbreitung des neuartigen Virus einzudämmen.

Das Coronavirus könnte die mobile Arbeit gar salonfähig machen, glaubt IW-Experte Stettes: „An der ein oder anderen Stelle werden Unternehmen ihre Vorbehalte verlieren und die Vorteile der Heimarbeit erkennen.“

Wenn nur nicht die technischen Probleme wären: 56 Prozent der Beschäftigten findet die IT-Infrastruktur ihrer Firma für die Heimarbeit verbesserungsfähig oder gar unzureichend, zeigt eine aktuelle Befragung der Strategieberatung Oliver Wyman unter 1000 Erwerbstätigen.

„Die mangelnde Infrastruktur ist ein Versäumnis vieler Unternehmen“, sagt Oliver-Wyman-Deutschlandchef Kai Bender.

Ohne Schulung läuft es in der Not auch

Covestro hatte „Glück im Unglück“, wie CIO Grüner erzählt. Seit fast einem Jahr arbeitete er an der Weiterentwicklung zum digitalen Arbeitsplatz, um die Arbeit durch Videoprogramme und Chat-Tools zu organisieren. Die Mitarbeiter sollten in den nächsten Wochen geschult werden. Nun hat Grüner die Programme ohne Trainings freigegeben. Immerhin kann überhaupt mit neuen Tools von unterwegs gearbeitet werden.

Der unfreiwillige Praxistest scheint zu funktionieren: Die IT laufe stabil, sagt Grüner, auch wenn die Telefonleitungen der starken Auslastung nicht immer gewachsen seien. Einige Mitarbeiter haben noch Probleme mit der neuen Technik: Die IT-Abteilung hat dreimal so viele Anfragen wie üblich.

Nur ein Problem kann er nicht lösen: wenn das heimische WLAN der Mitarbeiter nicht funktioniert. Da nützen auch die besten Tools nichts.

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