Arbeitszeitmodelle 5-Stunden-Tag: "Eine Herausforderung – aber die Richtung stimmt"

Vor einem Jahr hat der Unternehmer Lasse Rheingans in seiner Digital-Agentur die 25-Stunden-Woche eingeführt. Wie gut funktioniert das? Eine Zwischenbilanz.

Von Anne Koschik |

5-Stunden-Tag: "Eine Herausforderung – aber die Richtung stimmt"

Verkürzte Arbeitszeit – gutes Ergebnis: Lasse Rheingans ist mit seinem Projekt zufrieden

Margarete Klenner Fotografie

Volles Gehalt für den 5-Stunden-Tag: Mit seiner Idee einer 25-Stunden Arbeitswoche führte sich Lasse Rheingans (37) vor einem Jahr in die von ihm frisch übernommene Bielefelder Agentur "Überblick" ein, die seither als "Rheingans Digital Enabler" firmiert. Mit seinem 5-Stunden-Tag sorgte er auch medial für Furore. Die Fernsehsendung Galileo bezeichnete Rheingans einmal als "besten Chef Deutschlands".

Ursprünglich sollte der Test nur bis Februar laufen, inzwischen plant der Gründer langfristig: "Es soll so bleiben: Der 8-Stunden-Tag kommt definitiv nicht zurück." Im Gespräch mit karriere.de zieht Rheingans nun Zwischenbilanz. Was lief gut, was schlecht? Sechs Lehren aus einem Jahr weniger Arbeit. 

Lehre 1: Arbeitsrechtliche Vorgaben

Insgesamt beschäftigt Lasse Rheingans 13 Mitarbeiter in seiner Agentur. Als der Unternehmer die Firma übernahm, hatten die Angestellten Arbeitsverträge mit einer 40-Stunden-Woche unterschrieben. "Das Downgrade auf die 25-Stunden-Woche konnten wir durch zeitlich limitierende Zusatzvereinbarungen regeln." Doch bei den Auszubildenden war das Runterfahren der Arbeitszeit rechtlich nicht so einfach. "Sie haben einen Anspruch auf die 40-Stunden-Woche – und daher jetzt die Auflage, täglich drei Stunden im Home Office zu lernen", so Rheingans. 

Lehre 2: Auch zufriedene Mitarbeiter werden einmal krank

"Zugegeben, die Einhaltung des 5-Stunden-Limits klappt nicht jeden Tag", sagt Rheingans – vor allem, wenn Kollegen durch Krankheit ausfallen und Projekte trotzdem weiterlaufen. "Dann müssen die anderen Kollegen einspringen, was in diesem Fall bedeutet: länger bleiben."

Lehre 3: 25 Stunden funktionieren nicht beim "40-Stunden-Kunden"

Ein weiterer Ausnahmefall, mit dem Rheingans vorab nicht gerechnet hatte, sind Kollegen, die beim Kunden vor Ort arbeiten. "Da ist die 25-Stunden-Woche nicht zu halten." Wer dort im Einsatz ist, passt sich an. "Für solche Kollegen gibt's im Anschluss eben mal Sonderurlaub, um das Zeitbudget auszugleichen", erklärt Rheingans.

Lehre 4: Der Chef muss oft länger ran

"Für mich kriege ich den Fünf-Stunden-Tag einfach nicht vernünftig hin", gibt Rheingans unumwunden zu. "Da ich die Agentur erst im Oktober letzten Jahres übernommen habe, gibt es einfach viele Dinge, die neu sortiert und geplant werden müssen." Das Tagesprogramm des Jungunternehmers reicht von strategischen Führungsfragen über Vertriebsverantwortung, Organisationsentwicklung, Projektgeschäften bis hin zu Presseanfragen.

Rheingans: "Von meinem Führungsteam erwarte ich aber nicht das Gleiche. Ich muss zugeben: Um 13 Uhr gehen die Projektleiter und -leiterinnen meistens nicht, aber später als 14 oder 15 Uhr ist es selten. Ich wünschte mir jedoch, dass sie es bald eher schaffen. Daran arbeiten wir noch." 

Lehre 5: Für andere Modelle offenbleiben

Der 5-Stunden-Tag ist eine klare Herausforderung für Rheingans und seine Mitarbeiter. "Alle müssen ihre Arbeit sehr effizient leisten." Der Unternehmer hat sich mich mit anderen Befürworten kürzerer Arbeitszeiten ausgetauscht. "Wir sind der Meinung, dass es ideal wäre, wenn man den Arbeitstag in zwei- bis dreimal zwei Stunden aufteilen könnte." Das Problem dabei ist allerdings wieder: Sie passt nicht zur Arbeitsorganisation von Kunden und Partnern.

Lehre 6: Ohne Miteinander geht es nicht

Lasse Rheingans hat nicht das Gefühl, dass die Mitarbeiter sein Arbeitszeitmodell ausnutzen. Die meisten seien "leidenschaftlich dabei – und das jeden Morgen ab 8 Uhr".
"Die Teamkultur in unserem kleinen Unternehmen ist gut, alle ziehen an einem Strang. Egoismus passt da nicht rein."

Das Miteinander funktioniert so gut, dass sich der Teamgeist selbst auf die Zeit nach der Arbeit auswirkt. "Auf privater Ebene hat das Team zum Beispiel einen Kochclub gegründet, der sich regelmäßig trifft", erzählt der 37-Jährige. Mit wachsender Unternehmensgröße könnten jedoch Probleme entstehen. Das weiß auch Rheingans: "Natürlich sind solche Änderungen wie bei der Arbeitszeit leichter in kleineren Unternehmen durchsetzbar. Doch bei Aufteilung der Konzerne in kleinere Projektteams kann es auch da funktionieren." 

Fazit: 25 Stunden? Klappt!

Als er die 25-Stunden-Woche eingeführt hat, habe er immer auch damit gerechnet, dass das Projekt scheitert. "Das ist aber nicht geschehen." Rheingans' Bielefelder Agentur bleibt deshalb bei dem Modell – wenn auch mit den oben genannten Einschränkungen und Lehren. "Ich glaube ohnehin nicht, dass wir in zehn Jahren noch den klassischen Arbeitstag haben", sagt Rheingans – und meint damit nicht nur sein eigenes Unternehmen. "Es geht nicht um das Ableisten von Stunden, sondern um das Abliefern von Ergebnissen." Und da stimmt's: Im Moment sei alles "im grünen Bereich", sagt der Unternehmer zufrieden. "Unsere Versprechen an Kunden – sowohl zeitlich, qualitativ oder budgetär – sind bisher durch den 5-Stunden-Tag nicht in Gefahr gebracht worden."

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