Arbeiten bei der Datagroup Das erste Mal … Chef sein

Was bedeutet es, zum ersten Mal Verantwortung zu übernehmen, ein Team zu führen und Kritikgespräche oder gar Kündigungen aussprechen zu müssen? Karriere.de hat sich bei der Datagroup in Köln umgehört, auf welche Qualifikationen es dort besonders ankommt.

Führungskraft | Von Anne Koschik |

Das erste Mal … Chef sein

Junge Führungskraft bei der Datagroup

Tatjana Assmus (rechts) arbeitet gerne im Team, weiß aber auch, wann Entscheidungsstärke gefragt ist.

Foto: Datagroup

Die junge Frau fällt auf: Schon auf den ersten Blick verbreitet sie Optimismus, Selbstsicherheit, Klarheit. Ist jemand, der die Übersicht bewahrt. Während Tatjana Assmus an ihrem Hochpult bei der Datagroup in Köln Kunden-Mails abarbeitet, gleitet ihr Blick aufmerksam über die Köpfe der Mitarbeiter im Großraum des im Industriedesign aufpolierten Fabrikgebäudes im angesagten Kölner „Schanzenviertel“ hinweg, lauscht die Junior Service Managerin mit einem Ohr den Gesprächen ihrer Managementkollegen. Bei der Datagroup – einem der laut Marktforschungsunternehmen Lünendonk führenden 20 IT-Service-Unternehmen in Deutschland – arbeiten die Projektmanager Hand in Hand, weiß einer über die Aufgaben und Projekte des anderen Bescheid, ist Hilfe nicht weit entfernt. Tatjana Assmus schätzt die Arbeitsatmosphäre am Standort Köln sehr. In der offenen Unternehmenskultur hat die 28-Jährige optimale Entfaltungsmöglichkeiten.

So gelingt der Start:
Spürbare Eigenmotivation und Wille zur Verantwortung

Vor einem guten halben Jahr ist sie in die Führungsposition aufgestiegen – eine von 13, die das Unternehmen am Standort Köln anbietet. Tief im Innern war das ihr Wunsch – schon als sie sich nach dem Abitur in Dortmund gegen ein Studium im sozialen Bereich entschied und eine Ausbildung zur IT-Systemkauffrau beim Kölner IT-Unternehmen Arxes begann: „Mein Ziel war es, etwas Großes mit Menschen zu bewirken“, sagt sie frei heraus.

Mit dieser engagierten Einstellung hat sie jetzt auch die Geschäftsführerin der Datagroup, Alexandra Mülders, im Vorstellungsgespräch „argumentativ umgehauen“. Zwar war Tatjana Assmus im Vorfeld bereits aufgrund ihrer sozialen Kompetenz, mit der sie während ihrer Vertriebsinnendiensttätigkeit aufgefallen war, für eine von zwei Traineestellen im Bereich Management und Prozessgestaltung ausgewählt worden und hatte sich fachlich sehr gut entwickelt.

Doch Mülders war bei der Bewerbung zunächst skeptisch: „Die Qualifikation war da, aber die Führungsrolle habe ich Frau Assmus zunächst nicht zugetraut.“ Womit sie überzeugen konnte? „Sie hat gebrannt für die Sache. Ihre Eigenmotivation war deutlich spürbar und ihr Schlüsselsatz war: ‚Ich will die Verantwortung‘.“

So viel Wissen braucht die Praxis:
Theorie im Arbeitsumfeld

Dennoch war das Trainee-Programm die Grundvoraussetzung, so sieht es Tatjana Assmus: „Dort habe ich an der Praxis gelernt, mich in die neuen Themen eingearbeitet, ich wurde an die Hand genommen und konnte Standards und Strukturen erfassen“, sagt sie. Kurzum: Sie habe verstanden, „wie wir arbeiten“. 

Dass es nicht bei theoretischem Managementwissen bleibt, darauf pocht Jutta Boenig, Management- und Karrierecoach sowie Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung (DGFK): „Wichtig ist, dass jungen Menschen ihr Verhalten zurückgespiegelt wird. Nur um die Methodik zu wissen und sie nicht anwenden zu können, ist eben mangelhaft.“ Sie sieht das als kritischen Punkt, speziell in mittelständischen Unternehmen, aber auch in Konzernen, obwohl dort „eine bessere Personalentwicklung und -förderung greifen“.

Auch Hochschulen hätten ein ähnliches Problem: „Sie vermitteln in der Hauptsache theoretisches Managementwissen. Auf die Individualität der Studierenden bzw. jungen Führungskräfte geht keiner ein. Das wäre allerdings sehr wichtig, denn jeder muss für sich den besten Weg finden, Theorie in der Praxis an den Mann zu bringen.“

So steht es um den Führungskräftenachwuchs in Deutschland:
Gute Chance im IT-Umfeld

Junior Service Managerin Assmus jedenfalls fühlt sich bestens gewappnet. Mit ihrem Team von rund zehn Mitarbeitern betreut sie langjährige Kunden aus dem Mittelstand oder öffentlichen Dienst und verantwortet je nach Auftrag zwei bis vier Millionen Euro im Jahr. Gemeinsam kümmern sie sich um vereinbarte und geeignete Rechenzentrums- und Serviceleistungen, die sie von Köln aus steuern, oder sie sind beim Kunden vor Ort, unterstützen am Service Desk beziehungsweise geben Hilfestellung am Rechner.

Nur 2,6 Prozent der Führungskräfte in Deutschland – insgesamt sind es laut dem Führungskräftemonitor 2017 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung 4,9 Millionen – erreichen im Alter zwischen 21 und 30 Jahren eine Managementposition. Nimmt man die Altersgruppe der BiVis (Bis-Vierzig-Jährige), kommt man auf 14 Prozent, so das Statistik-Portal statista.

Gute Wegbereiter für junge Nachwuchskarrieren sind „auf jeden Fall die aufstrebenden IT-Bereiche“, stellt Management- und Karrierecoach Jutta Boenig fest. In den klassischen Wirtschaftsunternehmen, etwa in der Pharmaindustrie oder den Banken komme das seltener vor. Allerdings sieht die Karriereberaterin eine Entwicklung: „Interessanterweise bestehen Chancen, wenn durch den Fachkräftemangel ein Gap entsteht. Gerne sparen sich die Konzerne auch die hohen Gehälter, die sie älteren Managern bezahlen müssten.“

So sind die Perspektiven:
Aufwärts mit emotionaler Intelligenz

Auch Datagroup-Geschäftsführerin Mülders beobachtet, dass der Fachkräftemangel junge Menschen schneller zum Ziel kommen lässt. Für sie zählt jedoch mehr: Das Alter sei nicht wesentlich. Wer in Führungspositionen aufrücke, könne sowohl 25 als auch über 50 Jahre alt sein. Aber: „Ich nehme gerne Mitarbeiter aus der eigenen Truppe, möchte zeigen, dass bei uns im Hause Menschen entwickelt werden und sich entwickeln können. Die Mitarbeiter sollen erkennen, dass es Perspektiven gibt.“

Die beste Ausbildung ist für sie dabei nicht das alles entscheidende Kriterium, um die besten Führungskräfte zu identifizieren. Emotionale Intelligenz sei wichtiger: „Denn Fachlichkeit kann man lernen, und wir können die auch vermitteln.“

Auch Querdenken und kreative Entscheidungsfindungen schätzt sie hoch ein. Der Erfolg scheint ihr recht zu geben: „Wir profitieren von diesem Modell und verdienen sehr viel Geld damit“, freut sich die Geschäftsführerin, die am Kölner Standort der schwäbischen Datagroup SE einen hohen Anteil am Gesamtergebnis erreicht.

So lebt es sich als Chefin:
Entscheidungsfreudig und furchtlos im Team

Die Führungsrolle bekommt Tatjana Assmus gut und sie geht furchtlos damit um: „Ich arbeite mit Leidenschaft, es macht mir Spaß und es ist mein Ding, herausgefordert zu werden. Ich muss mich auf immer neue Themen und Umfelder einstellen, man bleibt inhaltlich nie stehen.“ Die einzige Unsicherheit für sie war am Anfang die Frage: Würden die älteren Kollegen sie anerkennen? „Doch die haben es mir immer leicht gemacht. Das liegt an unserer Unternehmensphilosophie mit viel Offenheit und Kommunikation.“

Dieser Umgang spielt ihr in die Karten: „Ich bin auch im privaten Umfeld so, empathisch und frei heraus.“ Der jungen Service Managerin ist es wichtig, einen engen Kontakt zum Team zu pflegen, sie will wissen, wie es in den einzelnen Aufgabenbereichen vorwärts geht und möchte Potenziale erkennen. „Dabei geht es mir immer darum, den Kollegen zu helfen, sie zu unterstützen, zu fördern und zu fordern. Ich möchte das Team aber vor allem verstehen.“

Klar müsse sie auch maßgebliche Entscheidungen treffen – manchmal gegen die Meinung ihrer Team-Mitarbeiter. Doch selbstbewusst erklärt sie: „Es ist wichtig zu bestimmen und deutlich seinen Standpunkt zu vertreten – im Projekt, aber auch in Kritikgesprächen oder bei Zurechtweisungen.“ Allerdings gehe sie niemals mit dem Fingerzeig auf ihre Mitarbeiter los. „Ich möchte mich auch in ihre Situation einfühlen und Chancen geben.“ Letztlich gehe es ihr darum, dass der Mitarbeiter richtig arbeite und im besten Fall glücklich dabei sei. Und entspannt fügt die Junior Service Managerin hinzu: „Wenn ich weiß, wie mein Team tickt, kann ich es super führen.“

Geschäftsführerin Alexandra Mülders lächelt und nickt zustimmend. Die junge Kollegin hat gute Führung offensichtlich schnell verstanden.

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