Arbeiten bei Amazon "Es ist großartig, sich selbst organisieren zu müssen"

Die Passform Mensch/Unternehmen ist bei Amazon ganz wichtig. Wie es sich anfühlt, dort zu arbeiten. Ein Tatsachenbericht.

Von Anne Koschik |

"Es ist großartig, sich selbst organisieren zu müssen"

Amazon Headquarter München: Arbeiten im modernen Ambiente

Foto: Amazon/Marcus Schlaf

Von den Bergen an den Rhein: Nur der Liebe wegen gab Esther Jülich ihren Job beim Online-Händler Amazon in München auf. Jülich heißt eigentlich anders, möchte aber gerne anonym bleiben. Als studierte Diplom-Kauffrau hatte sie ihre Karriere einst bei einem Online-Marktplatz gestartet und wurde kurz darauf im Online-Marketing bei Amazon glücklich. Die jetzt 36-Jährige begann dort als Site-Merchandiser und wurde in kürzester Zeit zur Key Account Managerin im Einkauf befördert. Heute ist sie Führungskraft im Online Marketing & Sales in einem mittelständischen Medienunternehmen.

So lief meine Bewerbung

Ich habe mich ganz klassisch auf eine Stellenanzeige bei Amazon beworben. Aber schon vor neun Jahren fiel mir auf, dass der Bewerbungsprozess im Gegensatz zu den Konzernen anders, vor allem einfacher war: Das abschreckende Ausfüllen ellenlanger Online-Formulare blieb mir erspart. Es wurden nur die relevantesten Rahmendaten in einem Formular abgefragt, also persönliche Daten, Gehaltswunsch und wie man auf Amazon kam. Das empfand ich als sehr angenehm.

Kurz nach der schriftlichen Bewerbung erhielt ich einen Termin für ein Telefon-Interview. Darin wurden mir Mini-Aufgaben gestellt. Unter anderem sollte man einfache Prozentrechnung beherrschen. Da ich mit Zahlen kann, war das für mich unproblematisch. Aus heutiger Sicht empfinde ich diesen Start als sehr typisch für das Unternehmen. Die Art der Befragung passt einfach zu Amazon, denn das ist ein totales Zahlenunternehmen. Entscheidungen werden in der Regel auf Basis von den relevante KPIs getroffen.

Das Bewerbungsgespräch, das eine Abteilungsleiterin – und kein Personaler – geführt hat, war verhältnismäßig taff und fordernd. Im Assessment-Center setzte sich diese Haltung bei Excel- und Postkorbübungen, HTML-Aufgaben, Präsentationen und in der Argumentationsrunde fort.

Ziel ist es herauszufinden, ob der Bewerber als Mensch zu Amazon passt und ob er den Ansprüchen, die dort herrschen, gerecht werden kann. Dabei zählen nicht die Erfolge der Vergangenheit. Im gesamten Bewerbungsprozess geht es darum, die Potenziale der Kandidaten zu erkennen.

Zudem kommt im Bewerbungsprozess immer ein Bar Raiser zum Einsatz, der die Eignung des Bewerbers bestätigen muss. Er weiß um die notwendigen Skills für die zu besetzende Stelle und besitzt die entsprechende Distanz, um Fehlentscheidungen zu vermeiden. Ein Beispiel: Wenn Abteilungsleiter personell unter Druck stehen, sind sie möglicherweise bereit, auch einen 80-Prozent-Kandiaten zu akzeptieren. Der Bar Raiser verhindert das.

So war mein erster Arbeitstag

Vor 9 Jahren habe ich noch im alten Münchener Headquarter als Site-Merchandiser begonnen. Zu meinen Aufgaben gehörte es, Bestseller-Seiten zu optimieren, E-Mail-Marketing zu betreiben und als Content Manager zu fungieren.

Big Data war dort damals schon gang und gäbe und wurde ständig weiterentwickelt. Das Onboarding war darauf abgestimmt, von Beginn an alles selbst organisieren zu können. Es gab einen strukturierten Plan mit den wichtigen Zugängen und eine Liste von Personen, die man treffen musste. Der Plan war voller guter Erklärungen und hat mich befähigt, meinen Job selbst in die Hand nehmen zu können.

Ich wurde auch sehr schnell mit den Leadership Principles vertraut gemacht: Sie sind ein HR-Instrument von Amazon, die das unternehmerische Denken eines jeden Mitarbeiters herausfordern. Engagement und Zielorientiertheit werden dadurch vorangetrieben.

So war es, im Team zu arbeiten

Im Headquarter war ich von sehr leistungsorientierten Menschen umgeben. Ihre Expertise war durchweg hoch, sodass ich das Gefühl hatte, im Team sehr viel dazulernen zu können. Auch das Arbeitsgefühl war äußerst positiv, die Stimmung meist gut – und wir haben viel zusammen unternommen.

Einmal im Jahr wird man aufgefordert, eine 360-Grad-Bewertung abzugeben – und sich selbst einzuschätzen zu lernen: Worin bin ich gut? Worin muss ich mich entwickeln? Doch es geht nicht nur darum, sich selbstkritisch zu beleuchten. Auch Kollegen und Chefs muss jeder Angestellte anhand der Leadership Principles bewerten und Tipps für die Weiterentwicklung abgeben. Ich finde dieses Modell sehr fair, und durch die konstruktive Kritik kann man sich extrem gut weiterentwickeln.

Zudem habe ich das Gefühl, dass dieses Vorgehen die Unternehmenskultur positiv beeinflusst. Die Mitarbeiter verhalten sich aufmerksamer und achtsamer allen Kollegen gegenüber. Egal ob diese hierarchisch neben, über oder unter einem stehen. Ich könnte mir vorstellen, dass anderen Unternehmen diese Personalpolitik helfen könnte.

Problematisch wurde es im Kollegenkreis nur dann, wenn es um Karrieren und Aufstieg ging. Ehrlich gesagt war dann die tolle Stimmung manches Mal dahin.

So konnte ich Karriere machen

Wer bei Amazon arbeitet, muss sich beweisen. Auch wenn du gut bist, bedeutet das nicht, einfach so aufsteigen zu können. Mich haben beispielsweise gleich zwei Kollegen nach einem Dreivierteljahr angesprochen, doch eine Stelle als Key Account Managerin im Einkauf zu übernehmen. Eine solche Empfehlung reicht jedoch nicht aus. Es folgt der ganz normale Bewerbungsprozess, indem ich mich von Neuem beweisen musste – bis hin zum Bar Raiser, der mich auf die Leadership Principles abklopfte und erst danach grünes Licht gab.

So erhielt ich mehr Verantwortung, durfte mit Verlagen verhandeln, Marketing Maßnahmen abstimmen und den gemeinsamen Umsatz steigern. Mein Aufstieg bedeutete auch, dass mein Job entfristet wurde und ich eine Gehaltserhöhung bekam.

Wäre ich nicht von München weggegangen, hätte ich mir gerne noch andere Bereiche angeschaut, zum Beispiel die Musik- oder Spielzeug-Abteilung. Bei Amazon ist es im Allgemeinen üblich, eine Position nach circa zwei bis drei Jahren zu wechseln, um möglichst viel zu lernen und sein bisheriges Wissen in anderen Abteilungen weiterzugeben. Das finde ich extrem spannend und hat für die Unternehmensentwicklung meines Erachtens einen sehr positiven Effekt.

Auch wenn ich jetzt nicht mehr ein Teil von Amazon bin, verfolge ich die Entwicklung mit großem Interesse. Ich finde das Unternehmen einfach faszinierend.

So viel konnte ich verdienen

Das erste Fixgehalt lag im üblichen Rahmen. Allerdings kam ein Paket von Aktien dazu, auf das ich über einen definierten Zeitraum nach und nach zugreifen konnte. Somit wurde das Gehalt automatisch mit zunehmender Zugehörigkeit immer attraktiver. Die sehr positive Aktienentwicklung macht das Konzept noch attraktiver für die Angestellten.

Dieses Prinzip motiviert und bindet Mitarbeiter. Denn im Jahresgespräch können sowohl Fixum als auch Anteile weiter angehoben werden. Das Gehalt spricht der Vorgesetzte auf Basis der erreichten Ziele und Verbesserungen im jährlichen Mitarbeitergespräch immer aktiv an.

Das habe ich in meinen neuen Job mitgenommen

Ich wende zum Teil immer noch die Leadership-Principles für meine Mitarbeiter und mich an.

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