Als Chef abgewählt Was ich gelernt habe, seit ich nicht mehr Geschäftsführer bin

Hermann Arnold war mehr als ein Jahrzehnt lang Chef des Softwareherstellers Haufe Umantis – dann haben ihn seine Mitarbeiter abgewählt. Sechs Lehren für einen gekonnten Abgang.

Von Claudia Obmann |

Was ich gelernt habe, seit ich nicht mehr Geschäftsführer bin

Als Chef abgewählt bei Haufe Umantis: Die Lehren des Hermann Arnold

Der gebürtige Tiroler studierte "Strategie und Organisation" an der Universität St. Gallen. 2001 gründete er das Softwareunternehmen Umantis – heute Teil der Freiburger Haufe-Gruppe.

Illustration: Haufe Umantis

Nur zur Bewährung – bei Haufe Umantis ist das in der Chefetage durchaus wörtlich zu verstehen. Die Mitarbeiter des Schweizer Softwareunternehmens wählen ihre Führungskräfte nämlich auf Zeit. Auch Mitgründer Hermann Arnold ist 2013 von seinen damals knapp 100 Angestellten abgewählt worden.

Daraufhin wechselte der heute 43-Jährige in die zweite Reihe und arbeitete unter seinem Nachfolger weiter. Ein ungewöhnlicher Vorgang, vor allem nach elf Jahren als Geschäftsführer. Was Arnold über die Kunst des Abgangs gelernt hat:

Lehre 1: Einen Nachfolger aufbauen

Nichts ist beim Abschied so wichtig, wie gutes Timing, sagt Arnold. Und doch hat sich der Unternehmer schon Jahre vor seiner Abwahl immer wieder gefragt, ob er noch der Richtige an der Führungsspitze ist.
Den Schritt runter vom Chefpodest hat Arnold erst gewagt, nachdem er einen Nachfolger gefunden hatte. "Als ich jemanden in der Firma sah, dem ich zutraute, die Aufgaben besser zu erledigen, war es konsequent, zurückzutreten und ihn den Mitarbeitern zur Wahl zu stellen."

Lehre 2: Auf starke Emotionen gefasst sein

"Die ersten drei Monate sind meist die Hölle", erinnert sich Arnold an die erste Zeit nach seiner Abwahl. Nicht nur der Ex-Chef muss seine neue Rolle im Kollegenkreis erst finden, auch das Team muss den ehemaligen Chef "bei sich aufnehmen".

Arnold warnt: "Manche betrachten einen Ex-Vorgesetzten als gestürzten König, dem man es heimzahlen will." 

Lehre 3: Vom Nachfolger lernen

Nach seinem Rücktritt hat Arnold ein Jahr unter seinem Nachfolger gearbeitet. Inzwischen sagt er, das sei sein  bestes Führungskräfte-Training gewesen. Denn obwohl er öfters damit rechnete, dass sein Nachfolger bei einem Problem mit seinem Vorgehen scheitert, hat er erlebt, wie der Neue die Situation auf seine Art meisterte.

Beispiel: Software-Entwicklung. Arnold: Die Mitarbeiter seien "immer im roten Bereich" gewesen. "Als Geschäftsführer wollte ich Zusatzarbeit von diesen Kollegen stets fernhalten." Der Nachfolger hingegen hat die Truppe zusammengetrommelt und ihnen gesagt: "Genug gejammert." Obwohl der Neue den überlasteten Kollegen damit eine Menge Arbeit obendrauf gepackt hat, kam es nicht zur befürchteten Meuterei.

Arnold erklärt sich das so: "Dinge zu realisieren, an denen Mitarbeiter richtig Spaß hatten, anstatt nur ständig Fehler in der Programmierung zu beheben, hat überraschende Energiereserven bei unseren Software-Entwicklern mobilisiert."

Lehre 4: Ein Ersatztitel hilft

So seltsam es klingt: Titel können den abgewählten Chefs helfen, besser mit ihrem Statusverlust fertig zu werden. "Lassen Sie Mitarbeiter ruhig Sonderrollen definieren, mit denen sie sich wohlfühlen", rät Arnold, der sich selbst als "Ermutiger" bezeichnet. Denn die Eigenwahrnehmung sei das schwierigste an einem geplanten Abgang. Ein "Chief Visionary Officer" auf der Visitenkarte kann da Balsam sein.

Lehre 5: Faire Vergütung sichern

Ein Rücktritt kann nicht nur das Selbstbild ganz schön erschüttern, er kann auch ganz konkrete Einbußen beim Lohn bedeuten. Bei Haufe Umantis bekommt eine Führungskraft, die zurücktritt, deshalb noch für drei Monate ihren bisherigen Lohn. Gleichzeitig wird der Betroffene gebeten, einen Vorschlag für eine faire Entlohnung zu machen. Typischerweise liegt der Vorschlag dann in der Mitte zwischen dem vorherigen Chef-Gehalt und dem Durchschnittsgehalt des neuen Teams.

Da es in Deutschland bei bestehenden Arbeitsverhältnissen verboten ist, das Gehalt zu kürzen, löst Haufe Umantis bei heutigen Beförderungen zum Chef auf Zeit das Problem mit einer Verantwortungszulage. Die wird bei einem Wechsel zurück ins Team nicht weiterbezahlt. Allerdings zeigt die Erfahrung: Wer auf seine hohe Vergütung pocht, wird auch mit einem Status-Verlust schwerer fertig. Arnold weiß: "Oft wechseln diese Leute dann von selbst den Arbeitgeber."

Lehre 6: Rückkehr nicht ausschließen

Arnold vergleicht den Rücktritt mit einer Atempause. "Das Umfeld wird erleben, wie es dem Betreffenden besser geht. Wer später wieder eine Führungsrolle übernimmt, ist reifer und souveräner." Als Erfolgsbeispiel für so eine Rückkehr nennt er Apple-Mitgründer Steve Jobs. Der verließ nach einem internen Machtkampf zunächst das Tech-Unternehmen, gründete ein weiteres Computerunternehmen, um dann zu Apple zurückzukehren und dem Unternehmen zu seiner heutigen Stärke zu verhelfen. Arnold:

"Dann erweist sich der Rücktritt nicht als Sackgasse, sondern als Anlauf zu neuem Erfolg."

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