"Meine Frau managt unser privates Family-Office."

Karl Matthäus Schmidt gründete im Alter von 25 Jahren den Onlinebroker Consors, den er später an die Börse brachte. Heute ist der dreifache Vater Vorstandssprecher der Berliner Quirin Bank. Im Interview redet er über seine Kinder, schlechten Service und Nürnberger Würste.

Interview: Diana Fröhlich | , aktualisiert

Herr Schmidt, Sie haben mit 25 Jahren die erste Bank gegründet, mit 37 die zweite, Sie waren einer der Stars des Neuen Marktes. Wo wollen Sie eigentlich noch hin?

Karl Matthäus Schmidt

wurde 1969 geboren. Der Sohn des Privatbankiers Karl Gerhard Schmidt wuchs in Hof auf. Im Alter von 25 Jahren gründete Schmidt den Onlinebroker Consors, den er später an die Börse brachte. Seit mehr als zwei Jahren ist der dreifache Vater Vorstandssprecher der Berliner Quirin Bank. Im Oktober 2007 bekam die Bank eine Auszeichnung als ?Innovativste Vermögensverwaltung Deutschlands?.

Zurzeit will ich einzig und allein die Quirin Bank voranbringen. Ich bin von meiner Idee einer fairen und transparenten Bankberatung überzeugt. Das Besondere ist, dass bei uns festangestellte Berater von den Privatkunden nach Leistung bezahlt werden. Keine andere Bank in Deutschland macht das so.

Sie waren schon Gründer, da haben andere in Ihrem Alter noch nicht einmal gewusst, was Sie später einmal werden wollen. Woher kam Ihr Interesse?

Ich bin in einer Bankiersfamilie groß geworden und habe BWL studiert. Als Student wollte ich unbedingt an die Börse und mit Aktien handeln. Das hat mir Spaß gemacht. Ich habe einen Börsenverein für Studenten ins Leben gerufen. Bei Professor Wolfgang Gehrke am Lehrstuhl für Banklehre in Nürnberg habe ich als akademische Hilfskraft eine Menge lernen und auch ausprobieren können. Mich hat das alles sehr interessiert. Die Idee, den Onlinebroker Consors zu gründen, hatte ich, weil ich dem schlechten Service und den hohen Kosten der Banken im Wertpapierbereich eine vernünftige Alternative entgegensetzen wollte.

Mit Hilfe Ihres Vaters, dem damals die Schmidtbank in Hof gehörte und der Ihnen einen Kredit gab, hat es ja dann auch geklappt. Wie viel haben Sie ihm zu verdanken?

Sehr viel. Ohne ihn wäre es sicher nicht möglich gewesen, schon als Student ein Unternehmen zu gründen. Dafür bin ich meinem Vater sehr dankbar.

Sie sind mittlerweile Banker in sechster Generation. Mussten oder wollten Sie in die Fußstapfen Ihrer Familie treten?

Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Vater. Deshalb war ich oft in der Schmidtbank, habe bei ihm im Arbeitszimmer gesessen und an seinem Schreibtisch als kleiner Junge Bilder gemalt. Dadurch habe ich schon in frühen Jahren das Bankgeschäft aus nächster Nähe beobachten können. Ich habe da vieles quasi nebenbei mitbekommen. Während meiner Zeit bei der Bundeswehr habe ich dann mittags immer die Telebörse geguckt.

Die Berater der Quirin Bank kümmern sich um vermögende Kunden. Wird dort auch Ihr eigenes Geld verwaltet?

Klar. Ich bin verheiratet und habe drei kleine Kinder. Da ändern sich die Bedürfnisse, und das Thema Vermögensaufbau steht ganz oben auf der Prioritätenliste. Doch die Produkte, die es bisher auf dem Markt gibt, sagen mir häufig nicht zu. Oftmals ist der Verkauf dieser Produkte von Provisionsinteressen getrieben. Deshalb kümmert sich um meine finanziellen Lebensplanungen ein Berater meiner eigenen Bank.

Ihre Söhne sind drei und sieben, Ihre Tochter ist fünf Jahre alt. Wie erklären Sie ihnen, was Sie täglich im Büro tun?

Ganz einfach. Ich nehme sie manchmal mit, damit sie sehen können, was ich den ganzen Tag so mache. Der Älteste zumindest findet es sehr spannend. Er ist zwar erst sieben Jahre alt, aber er hantiert schon sehr geschickt mit Zahlen. Rechnen macht ihm anscheinend Spaß.

Was raten Sie Ihren Kindern, wenn es später um die berufliche Zukunft geht?

Meine Kinder sollen selbst entscheiden, was sie mit ihrem Leben anfangen möchten. Ich kann ihnen Tipps geben und sie beraten, aber am Ende müssen sie glücklich werden. Was ich Ihnen mitgeben kann, ist mein unternehmerischer Geist. Ich hoffe, dass sie das prägen wird.

Sie arbeiten unter der Woche in Berlin oder besuchen die Niederlassungen der Quirin Bank, am Wochenende sind Sie bei Ihrer Familie in Oberfranken. Fehlt Ihnen oft einfach Zeit?

Die Zeit, die ich mit meiner Familie verbringe, ist leider sehr knapp. Deshalb nehme ich mir an den Wochenenden immer sehr wenig vor, surfe vielleicht mal ein bisschen im Internet und fahre leidenschaftlich gerne Mountainbike. Meine Frau unterstützt mich sehr beim Aufbau der Bank und steckt selbst beruflich zurück. Mit drei kleinen Kindern ist sie voll darauf konzentriert, unser ganz privates Family-Office zu managen.

Sie haben in Ihrer Kindheit eine Waldorf-Schule besucht. Warum?

Eigentlich war das ein Zufall. Die Schule war in der Nähe unseres Hauses in Nürnberg. Mein Bruder und ich sollten die Schule mal testen, am Ende ist dann auch meine Schwester zur Steiner-Schule gegangen. Für mich war das sehr gut, denn ich habe dort handwerklich und künstlerisch viel gelernt ? mehr als von meinen Eltern. Ich würde heute auch meine Kinder in eine Waldorf-Schule schicken, wenn es eine in unserer Nähe geben würde.

Sie sind in Nürnberg aufgewachsen, zur Schule gegangen und haben dort auch studiert. Hatten Sie nie den Wunsch, mal aus dem familiären Umfeld auszubrechen?

Nürnberg ist doch sehr schön. Schließlich gibt es dort Lebkuchen, Bratwürste und den Club. Nein, mal ehrlich. Zu einem längeren Auslandsaufenthalt ist es bei mir einfach nicht gekommen, weil ich als Jungunternehmer zeitlich schon sehr früh komplett eingebunden war. Als ich Consors gründete, hatte ich noch nicht einmal einen Uni-Abschluss. Ich habe deshalb nebenbei abends noch gelernt.

Welche Länder würden Sie denn heute reizen?

Beruflich ganz klar New York. Diese Stadt gibt in Sachen Finanzen das Tempo vor. Privat würde ich gerne mal nach Australien und Asien, da war ich noch nicht. Mit drei kleinen Kindern setzt man natürlich erst mal andere Prioritäten und bleibt aus praktischen Gründen etwas näher beim Zuhause. Aber ich freue mich schon darauf, wenn wir in ein paar Jahren diese Fernziele ins Visier nehmen können.

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