Mein schlimmster Job Vom Klassenprimus zum Sorgenkind

Junior John Ngulube, heute Afrika-Chef der Versicherung Münchner Rück, war ein Musterschüler. Aber als er in Zimbabwes Hauptstadt Harare studierte, lernte er das Nachtleben mit seinen Versuchungen schätzen - und seine Noten wurden schlecht. Dadurch verlor er auch sein Stipendium.

Stefan Merx | , aktualisiert

Ein Erlebnis, das mich richtig mitgenommen hat, gewissermaßen mein schlimmster Job, ist mir 1978 passiert. Man muss vielleicht wissen: Ich war ein Musterschüler. Mein Abschluss an der Oberschule war einer der zehn besten in Zimbabwe. Ich war es gewöhnt, Erfolg zu haben. Doch dann kam die Uni. Ich war 20, studierte in Harare Agrarwissenschaften, um Farmer zu werden. Aber bald stellte ich fest, was die Hauptstadt an Pubs und Nachtklubs zu bieten hat.

Von Lernen war keine Rede mehr, ich fiel durch die Prüfungen. Zu allem Überfluss waren die Namen der Erfolgreichen wie üblich an die Tafel geschrieben. Ich stand davor und suchte meinen Namen vergeblich. Eine Dreiviertelstunde lang. Dabei war es ziemlich übersichtlich: Von 30 in der Klasse fehlten nur sechs Namen an der Tafel, darunter meiner und der meines besten Freundes, mit dem ich immer nachts unterwegs war.

Beichte bei den Eltern ablegen

Es dauerte zwei Tage, bis ich meinen Eltern zu sagen wagte, was los war. Vorher musste ich etwas Wichtiges regeln: Mein erfolgsgebundenes Stipendium - luxuriöse 300 Dollar - ging mit den gescheiterten Prüfungen den Bach runter. Ich konnte meine Bleibe nicht mehr bezahlen, von den Kneipenbesuchen ganz zu schweigen. Es war ein Segen, dass auch mein bester Freund durchgefallen war. Gemeinsam bewarben wir uns bei der Christlichen Fürsorge um ein Stipendium und durften uns auf deren Kosten fortan ein Zimmer teilen.

Erst als das geregelt war, informierte ich meine Eltern, die aus allen Wolken fielen. Das war ein Wendepunkt in meinem Leben. Ich bin seitdem vorsichtig und fokussiert, mir ist - toi toi toi - nichts Vergleichbares mehr passiert. Wenn ich das Studium hätte abbrechen müssen, wäre mein Leben völlig anders verlaufen. Das gilt übrigens auch für meinen Freund, der heute Professor für Agraringenieurwesen ist.

An den schlimmen Tag vor der Tafel denke ich ab und zu zurück. Wenn ich den Tipp geben darf: Wer scheitern will, sollte es besser früh im Leben tun, daraus lernen - und dann die Kurve kriegen. Dabei kommt es nicht darauf an, wie oft man eine Niederlage erleidet, sondern darauf, wie oft man wieder aufsteht!

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