Mein schlimmster Job Unter Terrorverdacht

Frank Asbeck, 50, ist heute Chef des Energieunternehmens Solarworld in Bonn. Sein erstes Geld verdiente er aber als Zeitungsjunge auf dem Land. Dabei wurden ihm nicht nur die Kälte und die weiten Entfernungenm, sondern auch die RAF, zum Hindernis.

Til Knipper | , aktualisiert

Ich habe wirklich viele Jobs in meinem Leben gemacht: Mein Studium mit Hilfe einer Streuobstwiese finanziert, nach dem Studium in Nigeria alte Fabriken wieder in Betrieb genommen, während des Balkankrieges in Bosnien gepanzerte Autos an Journalisten vermietet. Aber das Schlimmste, was ich je machen musste, war das Austragen der WAZ und der Ruhrnachrichten.

Wir schrieben das Jahr 1975, ich war 15 Jahre alt, und per Anzeige wurde ein Zusteller genau für den ländlichen Bezirk gesucht, in dem ich wohnte. Ich hatte mir gerade mein erstes Zündapp-Mofa selber gekauft und wollte dringend mein Taschengeld aufbessern.

Von da an hieß es jede Woche von Montag bis Samstag um sechs Uhr aufstehen. Die Gegend, aus der ich komme, ist vorsichtig ausgedrückt, dünn besiedelt. Es galt, 108 Zeitungen in 108 Einzelgehöfte zu bringen. Das waren enorme Strecken. Ich habe im Frühjahr angefangen und zunächst war ich noch euphorisch, immerhin gab es 412 Mark im Monat. Richtig schlimm wurde es dann im Winter. Jeden zweiten Tag sprang das Scheißmofa nicht an, und ich musste in der Dunkelheit die ganze Tour mit dem Fahrrad machen. Mir sind mehrfach fast die Finger abgefroren.

Das Ruhrgebiet war sehr nervös

Ich habe schnell erkannt, dass das nicht der Job fürs Leben ist. Ich habe mir aber geschworen, dass ich mindestens ein Jahr durchhalte. Am Ende habe ich den Job fast drei Jahre gemacht. Dabei wurde es im zweiten Jahr noch schlimmer. 1977 war die Hochphase des RAF-Terrors. Das Ruhrgebiet war sehr nervös damals. Wer als Jugendlicher mit längeren Haaren über einen Zaun sprang, geriet schnell unter Terrorverdacht und blieb regelmäßig in der Rasterfahndung hängen. Dabei wollte ich doch nur den schnellsten Weg zum Briefkasten nehmen, um die Tour kurz und den Stundenlohn hoch zu halten.

Aber der Job hatte auch gute Seiten: Ich habe den Umgang mit Kunden gelernt. Einmal im Monat musste ich kassieren, weil die meisten Leute ihr Abo noch in bar bezahlten. Es gab ein paar hinterhältige, ältere Damen, die immer versucht haben, mich zu behumsen. Aber viele Kunden haben auch saftige Trinkgelder bezahlt, weil sie es toll fanden, wenn junge Menschen ihr eigenes Geld verdienten.

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