Mein schlimmster Job On Tour mit Howard Carpendale

In der Handelsblatt-Serie "Mein schlimmster Job" erzählen Prominente aus Wirtschaft, Politik und Kultur von ihren ersten skurillen Erfahrungen im Berufsleben. Diesmal: Musikproduzent Helmut Zerlett. Er wurde seiner Punkband untreu und begleitete Schlagersänger Howard Carpendale auf Tour. Doch das zahlte sich aus.

Mariam Schaghaghi | , aktualisiert

Meine Leidenschaft für Musik brachte mich schon in extrem merkwürdige Situationen. Mit 13 Jahren gründete ich meine erste Band und mit 15 wünschte ich mir sehnlichst ein Fender-Piano. Ein elektrisches Klavier, ein Traum - aber es kostete damals um die 1200 Mark. Dafür arbeitete ich dann sechs Wochen auf Baustellen, wo ich Klimarohre mit Glasfasermatten zu verkleiden hatte. Abends war mein ganzer Körper mit roten Pünktchen übersät; mit Sicherheit sind diese kleinen Glasfaserstückchen auch in meiner Lunge gelandet. Ein Knochenjob - aber ich hatte genug Geld, um das Piano zu kaufen!

Mit 21 spielte ich dann in einer punkigen New Wave Band. In dieser Zeit erschien der erste polyphone Synthesizer, Modell Prophet 5, der über 13.000 Mark kostete. Diese Summe war für mich, gerade Vater geworden, völlig utopisch. Zufällig bekam ich jedoch das Angebot, auf Tour zu gehen - und zwar mit niemand geringerem als Howard Carpendale. Und die in Aussicht gestellte Gage dafür war ziemlich genau die Summe, die ich für den Synthie-Kauf brauchte.

Vom Punk zum Schlager

Das war damals eine extrem schwierige Entscheidung für mich. Einerseits dachte ich, mit der Begleitung des Schlagersängers in der Underground-Szene meine musikalische Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen. Andererseits hatte ich die Chance, in vier Wochen das Geld für den Synthesizer zu verdienen. Ein echtes Dilemma. Da mein Kollege und genialer Trommler Jan Dix auch für die Tournee angefragt war, entschied ich mich dann pro Instrument und kontra den vermeintlichen Glaubwürdigkeitsverlust in der Szene.

Ich hatte auf dieser Tour viel Spaß. Howard Carpendale - als generöser Frontman - hat uns außerdem öfters zum Essen in Restaurants mit Sterne-Köchen eingeladen und so den Gourmet in mir geweckt. Und ich bekam natürlich den Prophet 5.

Kaum stand dieses grandiose Teil in unserem Proberaum, war meine "Glaubwürdigkeit" überhaupt kein Thema mehr, da ich den modernsten und abgefahrensten Synthesizer-Klang mit in den Sound der Band einbrachte.

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