Mein schlimmster Job Kisten schleppen fürs Käfer-Cabrio

Wolf Lichtenstein kaufte sich während seiner Studienzeit ein VW Käfer-Cabrio. Um sich das Auto leisten zu können, lieferte er sechs Wochen lang Getränke an Kneipen und Restaurants aus. Rückenschmerzen und zerplatzte Glasflaschen standen dabei auf der Tagesordnung.

Annika Reinert | , aktualisiert

Der Weg zu meinem ersten Auto, einem gebrauchten VW Käfer-Cabrio, führte über einen sperrigen 3,5-Tonner. Der war auch so etwas wie ein Cabrio, er hatte nämlich nicht mal eine Plane über der Ladefläche. Als ich 20 Jahre alt war, bin ich sechs Wochen damit von einer Kneipe zur nächsten gefahren und habe Cola und Bier ausgeliefert. Als Cola-Trinker dachte ich anfangs, es wäre ein Traumjob, weil ich jeden Tag eine Kiste als Bonus mit nach Hause nehmen durfte.

Dick bin ich davon auch nicht geworden: Denn Dutzende von Kisten über steile Treppen in tiefe, enge Kneipenkeller tragen, rauf und runter, das war ein Knochenjob. Jeden Abend kam ich schweißüberströmt nach Hause. "Das war der letzte Tag", konnte ich meiner Mutter gerade noch sagen - und fiel dann ins Bett. Am nächsten Morgen bin ich doch wieder losgezogen. Aufgeben hat mir nie geschmeckt.

Sich das Klinsmann-Auto verdient

Ich war zu der Zeit Psychologiestudent. Ich weiß daher, wovon ich rede, wenn ich sage, dass der Job nicht nur für den Rücken, sondern auch für die Nerven belastend war. Mehrere "Explosionen" am Tag waren keine Seltenheit. Denn vom offenen Lastwagen fiel öfters ein Kasten herunter. Plastikflaschen gab es damals noch nicht, und es gab immer einen riesigen Scherbenhaufen, wenn die Glasflaschen mitten auf der Hauptstraße zerplatzten.

Den Job hatte mir mein Vater, der selbst Gastwirt war, vermittelt. Er war wahnsinnig stolz auf mich, weil ich der einzige von acht Studenten war, der bis zum Ende durchgehalten hat. Also legte er den Rest drauf, der zum Auto noch fehlte. Einen Großteil konnte ich selbst bezahlen: Es gab nämlich 2200 Mark im Monat, ein irrsinniges Gehalt damals. Das war mehr, als viele Leute mit echten Berufen verdienten.

Als ich mein Käfer-Cabrio hatte, waren viele neidisch. Das Auto war der Hammer - sogar Jürgen Klinsmann ist es während seiner Zeit beim AS Monaco gefahren. Ein bisschen alternativ war es schon. Ein Jahr danach wurde die Produktion eingestellt. Sechs Jahre später habe ich es für den gleichen Preis wieder verkauft.

Zur Person
Wolf Lichtenstein ist Deutschlandchef des Softwareherstellers SAS.

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