Mein schlimmster Job Kenne deinen Kunden!

Karen Heumann wollte sich während ihres Studiums in Frankreich etwas dazuverdienen - mit Putzen. Was nach einer guten Gelegenheit aussah, entpuppte sich als ihr schlimmster Job. Aus diesem Erlebniss hat sie fürs Leben gelernt.

Mariam Schaghaghi | , aktualisiert

Mein schlimmster Job war ein Ferienjob während des Studiums in Aix-en-Provence, mit 21. Ich wohnte in einer Einliegerwohnung einer wohlhabenden Familie. Die Dame des Hauses hatte wenig zu tun, aber viel Personal, vom Kindermädchen bis zur Köchin. Falls jemand aus der Helferlein-Infrastruktur wegfiel, musste ich einspringen. Das war der Deal, um die Wohnung zu bekommen.

Eines Tages klopfte Madame an meine Tür. "Große Katastrophe", klagte sie, in ihrem Ferienhaus sei der Ofen explodiert und das ganze Haus voller Staub. Dass es ein Kohleofen war und der Staub Ruß, habe ich erst später festgestellt. Ihre Putzfrau hatte schon abgewunken - keine Zeit. Aber ich hätte doch Semesterferien und wäre so ein anpackender Typ - ich würde das doch sicher hinkriegen! Ich sagte sofort zu und nannte einen Preis.

Eine voreilige Zusage

Er entsprach fünf meiner Doppelschichten als Kellnerin. Madame war begeistert: "Superbe! Sie retten mir das Leben!" Dass ich diese schwierige Person so schnell so glücklich gemacht hatte, hätte mich skeptisch machen müssen. Kenne deinen Kunden! Das Haus entpuppte sich dann als stattliches Anwesen, mit zwölf Zimmern, alle ebenmäßig eingerußt. Dazu Antiquitäten, Vasen, Gläser, Nippes - alles, aber auch alles fettig angeschwärzt.

Ich war total verzweifelt, weil ich mich übers Ohr hatte hauen lassen. Schlimmer: Ich fand mich gleichzeitig so doof, dass ich's erst recht machen musste! Also putzte ich alles bis in die Vaseninnenseiten hinein - deutsche Qualitätsarbeit eben.

Es war grauenvoll. Aber ich habe meine Lektion gelernt: Einen Kostenvoranschlag gibt man erst ab, wenn man weiß, wovon man redet. Und man zieht Spezialisten hinzu - den Ruß hätte ich mit Spezialmitteln sicher einfacher weggekriegt als mit Wasser und Seife.

Vor allem aber: Kenne deinen Kunden! Meiner war eine verschlagene Dame, die mich ins offene Messer rennen ließ. Ich dachte, man könne solche Leute beschämen, indem man das schier Unmögliche erledigt, ohne mit der Wimper zu zucken. Aber Madame mäkelte sogar herum, dass ich einen Aschenbecher verstellt hätte.

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